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Der Orient · 1844-02-13 · 7 (13.2.1844) · p. Spalte 99-100

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
7 (13.2.1844)
Date
1844-02-13
Page
Spalte 99-100 (sequence 2)
Language
German
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99 100 Studien. Zur Geschichte der Judenschaft in Halberstadt. dingen) und dann Dr. Ed. Kley's „Geschichtliche Darstellung der Hamburger Freischule". Der Mangel an dergleichen Monographien, welche bekanntlich den Kern der Geschichtsschreibung bilden, waren und sind noch jetzt sehr fühlbar, so daß man schon aus diesem Grunde Erscheinungen der Art freudig begrüßen kann. London, 20. Januar. Meinem Versprechen gemäß'erhalten Sie den zweiten Bericht über die neuesten Produkte unserer Literatur. — Die Iudenbekehrung macht unserer Propaganda viel zu schaffen, und sie scheut weder Kosten noch Mühe, um die Judenseelen aus dem Fegfeuer zu retten. Da hat sie nun wieder ein Werk in die Weltgesandt, das den Titel: Lectnres on the Conversion of the Jews. By Ministres of different Denoniinations Lond. 1843. 8. (cloth 3 sh. 6 d.) führt. — Das moderne Iudenthum hat ein. Hr. M. Margoliouth in seinem Werke: The Foundementai Principles of Modern Judaism investigated; together with a niemoir of the Author and an lntroduction; to which are appended a List of the 6l3 Principles, and Adresses to the Jews and Christian.. By Moses Murgoliouth. With a Preface by the Bev. H. Raiksj Chancellor of Chester. Lond. 1843.8. (cloth 10 s.) einer Kritik unterworfen, aber nicht faktisch kritisirt. — Ihr Lieblingsidiom, das Aramäische, hat einen neuen, aber schwachen Bearbeiter in Hrn. J. W. Etheridge gefunden, der vor Kurzem folgendes Werk veröffentlichte: Horde Aramaicae : comprising Concise Motices of the Aramean Dialects in General, and of the Version'of the Holy Scripta res; with a Translation of the Gospel according to St. Matthew, and of the Epistle to the Hehrews,' from the aneient Pes-chito Syriac. London, 1843. 8. 246 S. 5 sh.). Auf dieses letztere Werk komme ich vielleicht nächstens ausführlicher zurück. Zur Geschichte der Judenschast in Hal-ersta-t. Ueber die Juden in hiesiger Stadt enthalten die Werke, welche vaterländische Geschichte erzählen, unbestimmte Nachrichten. Was sich aus mehren ältern Schriftstellern über diesen Gegenstand entnehmen läßt, ist etwa Folgendes: Zu welcher Zeit zuerst sich hier Juden eingefunden haben mögen, davon ist nichts Bestimmtes überliefert/ wenigstens scheinen sie erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts einige politische Wichtigkeit in unserer Stadt erlangt und die Aufmerksamkeit der bürgerlichen Obrigkeit auf sich gezogen zu haben. Es wurde ihnen nämlich im Jahre 1261, zur Zeit des Bischof Vallrad, von dem Stadtrathe und der Bürgerschaft ein Schutzbrief ertheilt, welcher als die muthmaßlich älteste, die hiesige Judenschaft angehende Urkunde betrachtet zu werden verdient. Nach dieser Urkunde, durch welche auswärtigen mosaischen Glaubensgenossen eine willige Aufnahme, während ihres Aufenthaltes in der Stadt ein kräftiger Schutz, und, wenn sie solche wieder zu verlassen wünschen möchten, ein ungehinderter Abzug verheißen wurde, lernen wir, daß schon lange vorher Juden in Halberftadt anzutreffen waren; denn es heißt in derselben: Es solle mit der Gerichtsbarkeit über sie, wie von Alters her, und wie es stadtkundig sei, gehalten werden; auch sollten sie dem Bischöfe gebührenden und gewohnten Dienst leisten. Aus diesen letzten Worten ersehen wir, daß auch die Halberstädtischen Juden als fürstliche Unterthanen betrachtet wurden. Gewiß hat damals ein guter Geist über den Juden gewaltet, und gewiß hatte man Ursache, mit ihrem Verhalten zufrieden zu sein; denn schwerlich würde man sie einige Zeit später von auswärts her so allgemein und freundlich eingeladen haben, als sich sehr nachtheilige Gerüchte über sie verbreiteten, und man in dem zu Anfänge des 14. Jahrhunderts geschriebenen Halberstädtischen Stadtrechte es für nothwendig hielt, demjenigen, welcher sein eigenes Kind feilbieten und dem Juden verkaufen würde, die Strafe des Rades anzudrehen. Daß es jemals abscheuliche Eltern in Halberstadt gegeben, welche im Stande gewesen sein sollten, herzlos und unnatürlich ihr eigenes Kind zu verkaufen, und daß jemals die Gerichte sich veranlaßt gefunden haben, die angedrohete Strafe zur Anwendung zu bringen, wollen wir zur Ehre unsrer Vorfahren gern bezweifeln, können aber doch nicht unbemerkt lassen, daß jenes Gesetz in der noch jetzt mitunter vorkommenden Drohung mancher hiesigen Mutter, ihr unartiges Kind an den Juden verkaufen zu wollen, gleich einem alten Sprüchwort sich erhalten hat. Wenn durch diesen Ruf die bürgerliche Ehre der Juden sehr leiden mußte, so wurde ihre Persönlichkeit noch mehr dadurch gekränkt, daß die Fürsten, deren Ausgaben für ihren Hofstaat sowohl, als für die Landes-Verwaltung, aus Ursachen mannigfacher Art, sehr bedeutend waren, sich vielfältig veranlaßt fahen, auf die ihnen als Kammergut zugehörigen Juden in finanzieller Hinsicht ein besonderes Augenmerk zu richten, und dieselben nach der damals ziemlich allgemein gewordenen Politik als einen Schwamm zu betrachten, welchen man ungehindert, wenn auch, übrigens auf gesetzwidrige Art, sich vollsaugen ließ, um ihn zu gelegener Zeit wieder ausdrücken zu können. Die Juden wurden förmlich ein Gegenstand des Verkehrs und namentlich bei Anleihen zum Unterpfande gesetzt, wobei dem Gläubiger statt der Zinsen der von ihnen zu ziehende Nutzen ein geräumt wurde. Der Bischof Ludwig von Halberstadt verpfändete im Jahre 1364 mit Genehmigung seines Domkapitels die Juden

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