Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-02-13 · 7 (13.2.1844) · p. Spalte 97-98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
7 (13.2.1844)
Date
1844-02-13
Page
Spalte 97-98 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8555529-9890798-9890805--3427-3530083
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Literaturblalt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Wische Geschichte und Literatur. M V. Leipzig, den 13. Februar 1844. Inhalt. Literatur-Berichte. Hamburg. London. — Studien. Zur Geschichte der Iudenschaft in Halberftadt. h Ven Böhme, Kommissions-Agent. — Die Samson'scbe Freischule zu Wolfenbüttel. In ihrer Vergangenheit und Gegenwart ge- ^Mdert von Dr. Philipp Ehrenberg, zweitem ordentl. Lehrer an der S. Freischule. (Forts.) — Lit. Ankündigungen. Literatur - Berichte. t Hamburg, 10. Jan. Zwei in diesen Lagen gleichzeitig \ cychienene Broschüren über die Iudenfrage geben mir die > passendste Gelegenheit, meine unterbrochene Korrespondenz s' wieder anzuknüpfen. Vor Kurzem ist mit dem Skandal- und - MelblatLe „der Tagwä'chter" ein hirnverbranntes, jesuitischdemagogisches Machwerk unter dem Titel: „Das schwarze Buch für Christ und Jud'" erschienen, als dessen Verfasser sich ein \ Hudonymus, B. Carlo, den man für ein schlechtes Subjekt <nt$ Äiel hält, nannte. Die größte Frechheit aber lag wohl daun, daß das Pamphlet Herrn Salomon Heine, natürlich * che Befragen, dedicirt wurde. Vielleicht hatte der Autor l une Abkaufung, ein Lösegetd erhofft oder auch einen reißenden Absatz unter den Juden und jüdischen Opponenten erwarf tet, die man für parteiisch erklären und in einer neuen Bro- \ Wre verleumden konnte. Indessen war diesmal die Rech-; Mg ohne den Wirth gemacht. Kein Jude ließ sich zu einer! Erwiderung verlocken, obwohl es an Provokationen nicht { fehlte. Desto größere Freude muß es erwecken, das; Christen aus eigenem, freiem Antriebe die Sache der Juden vertreten. Dies ist zuerst in einer „Beleuchtung" des schwarzen l Buches geschehen, die der Verfasser, ein junger Advokat, Hr. Dr. Gallois, auf feine eigene Kosten hat drucken lassen s und die gestern (in Kommission bei Geber. 31 S. 3.) herauss gekommen ist. Die kleine Schrift athmer ein tiefes Rechtsk öefiihl und zeugt von einem männlichen Streben , sich selbst \ ^'er eine Lebensfrage von der dringendsten Bedeutung für t Gegenwart klar .zu werden und Andern zum Wegweiser j aus einem Labyrinthe von Pöbelwahn, Sophisterei und Hab- | sucht zu dienen. Wir sagen Hrn. Dr. G allois unfern auf- [ ästigen Dank für die Mühe, der er sich unterzogen, seinen Gegner ad absurdum zu führen und zu entlarven. Als leitender Gedanke erscheint, bei Hrn. Dr. Gallois die Abgrenzung zwischen der vox populi und fc>cr rox ple- bis, die man so gern auch für eine vox Dei erklären möchte. — Der zweite Verthcidiger der Juden trat in Kiel auf.— „Das weiße Buch. Für die Juden, nicht blos in Hamburg. Von F. Christians." (Kiel, Bünsow. 1844) — so heißt eine Flugschrift (23 S. 8), die Hrn. Dr. G. Rieß er gewidmet ist und Hrn. Christian Feldmann zum Urheber hat. Hr. Feldmann ist in Mittel- und Süddeutschland noch von der Zeit her, da er den „Versa ssu n gsfre und" in Kassel redigirte (nach 1830) in gutem Angedenken; seit er in Kiel lebt, beschäftigt er sich mit Korrespondenzen für achtbare Zeitungen n., und liefert auch zuweilen Gedichte für die Hamb. Neue Zeitung. Seine Mitwirkung am,,Tagwächter"ist nur durch seine neuholsteinische, d. h. der Verschmelzung der Herzogthümer Schleswig und Holstein abholde politische Richtung, erklärlich. So ist es denn doppelt erfreulich, daß ein Mitarbeiter am „Tagwächter" die judenseindliche Tendenz dieses Wochenblattes selbst bekämpft. Schon aus diesem Gesichtspunkte ist die Broschüre der Empfehlung werth. — Endlich ist die schon mehrmals erwähnte Geschichte des Tempels in Hamburg wirklich erschienen; sie führt den Titel: „Kurzgefaßte Geschichte des neuen israelitischen Tempels in Hamburg während der ersten 25 Jahre seines Bestehens, nebst Anmerkungen und Beilagen, von Dr. Gotthold Salvmon. (Hamburg, 1844. 8. Mor. Geber)". Es ist ein schönes Streben der neuesten Zeit, die Schreibthätigkeit zur Abfassung von Monographien über einzelne Gebiete der jüdischen Kulturgeschichte zu verwenden. In Bezug auf unsere Stadt erwähne ich nur die Beschreibung der hiesigen Wohlthärigkeits-Vereine von Leopold Dukes (damals in Hamburg, gegenwärtig in Tü- ' 7 -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.