Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1844)
- Date
- 1844-02-13
- Page
- Seite 55 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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55 einem achtungsvollen Gruße an Sie und mit dem Wahlspeuche; „Vorwärts — Aufwärts". E. C. Berlin, 6. Febr. Unter dem 24. Jan. ist folgende königliche Deklaration erschienen : „Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Preußen je. erklären zur Beseitigung entstandener Zweifel auf den Antrag Unseres Staats-Ministeriums und nach vernommenen Gutachten Unseres Staatsraths, daß die Juden auch in denjenigen neu- und wieder erworbenen Landestheilen, in welchen das allgem. Landcecht Gesetzeskraft hat, aber weder das Edikt vom 11. Marz 1812 (Gesetzsammlung S. 17), noch die vorläufige Verordnung wegen des Judenwesens im Großherzogthum Posen vom 1. Juni 1833 (Gesetzsammlung S. 66) eingeführt ist, erst mit dem vollendeten 24. Lebensjahre die Volljährigkeit erlangen. Jedoch sollen in denjenigen Gerichtsbezicken, in welchen bisher von dem ordentlichen persönlichen Richter das vollendete 20. Lebensjahr als der Majorennitäts-Termin der Juden angenommen worden ist, diejenigen Juden, die bei Publikation der gegenwärtigen Deklaration bereits das 20. Jahr zurückgelegt haben, auch fernerhin in allen ihren Verhältnissen als großjährig angesehen werde. Urkundlich unter Unserer Höchsteigener Unterschrift und beigedrucktem Königlichem Znsiegel. Gegeben zu Berlin, 24. Jan. 1844. (L«. S.) Friedrich Wilhelm. Oesterreich. PlMft/ 1. Febr. . Schwierig ist der Stand der Juden in einem Lande, wo der Kampf der Nationalitäten und mithin auch der Sprachenkamps sich entspinnt. Da nämlich die Neutralität in einem solchen Kampfe unmöglich ist, so müssen es die Juden mit einer Partei verderben, was sie nicht sollten und doch müssen. In Ungarn, wo das Magyarenthum die Oberhand hat, wo die Regierung, liialgre eile, der Fortbildung und Hebung der ungarischen Sprache sich günstig zeigt, wo die Magnaten selbstständig und keine Schattenbilder der Regierung sind, gewinnen die Juden durch das Hinneigen zur Magyarisicung. Der Magyar schätzt und liebt denjenigen, der das wohlklingende Ungarisch spricht. Wie gestaltet sich aber das Vechaltniß mit den Juden Böhmens? Die Regierung unterdrückt das slavische Element, die Großen Böhmens haben angefangen/ ihre Sprache liebzugewinnen, sie zu pflegen und wissenschaftlich auszubilden; die Negierung herrscht hier im vollen Wortsinn; der Adel ist faktisch ohne politische Bedeutung, sowie der Landtag bis jetzt mehr ein \ todtes Monument einer einstigen Freiheit ist: was sollen die Juden inter CliaryMem et Seyllam machen? Nicht engherzig, nicht feig, nicht eigennützig, wahre Söhne ihres Vaterlandes sein! Die Juden sollen den Hebel der Nationalität, die Sprache, mit in Bewegung setzen helfen, sich jenen Männern, die mit der wissenschaftlichen Erforschung der böhmischen Sprache sich beschäftigen, anschließen, um sich ihren Bürgern (Mitbürgern kann man leider noch nicht sagen, obwohl das „mit", wegen Mangel an Selbstständigkeit, sonst eine große Rolle spielt) als Böhmen zu zeigen» Mit Recht verdienen daher Siegfried Kapper und noch wenige Juden, die mit böhmischer Sprache und Literatur sich beschäftigen, den übrigen Jünglingen als Muster vorgeführt zu werden. — Herr Kuranda macht im 5. Hefte seiner „Grenzboten" mit gutem Rechte darauf aufmerksam, wie so viele historische Schatze, welche der alte Begrabnißplatz und der Boden der Altneu-Synagoge bieten, bei uns unbenutzt bleiben. Wenn Hr. Kuranda aber den Juden im Allgemeinen einen historischen Sinn abspricht, so irrt er gewaltig. Die jüdischen Gelehrten unserer Zeit geben sich vielmehr mit einer gewissen Vorliebe den historischen Studien hin. Personalchronik und Miseellen. Paris, 21. Jan. Herr Ad. Franck, der durch sein Werk ,,Ia Kabbale ou la philosophie religieuse des Hebreux“ — von welchem eine deutsche verbesserte und vermehrte Ueberfttzung bald die Presse verlassen wird — einen bedeutenden Namen erlangt hat, ist zum Mitglieds der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften ernannt worden. Wie viele Werke, Broschüren, Reden, Deklamationen werden in Deutschland noch geschrieben werden müssen, bevor die Regierungen die Einsicht erlangen werden, daß ein Jude Mitglied einer Akademie der politischen Wissenschaften werden kann. — Hr. Munk, der dem gelehrten Publikum noch eine -arabische Chrestomathie schuldig ist, ist gegenwärtig mit der Herausgabe eines von ihm aufgesundenen alten arab. Werkes beschäftigt, welches, von Indien handelt. Statistisches. Nach der im Dec. v. I. vorgenommenen Zählung in Breslau, sind daselbst 6349 Juden. In Köln sind 784 Juden. * * Neue Bekanntmachung zu Hannover. Die ausgegebene Nummer 6 der ersten Abtheilung der Gesetzsammlung enthält, wie die hannöversche Zeitung berichtet: „Bekanntmachung des kön. Ministeriums des Innern, das jüdische S ynagogen-, Schul- und Ar men wesen betreffend" (Hann. 19. Jan. 1844). Da man in der Hann. Zeit, vergebens eine vollständige oder eine auszügliche Mittheilung dieser Bekanntmachung sucht, so ersuche ich Hrn. Oberrabb. Dr. Adler oderDr. Frensdorf die Mittheilung derselben an die Red. des Orient gefälligst gelangen zu lassen, da die Mittheilung von Aktenstücken stets wünschenswerth ist.