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Der Orient · 1844-02-13 · Heft 7 (13.2.1844) · p. Seite 54

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 7 (13.2.1844)
Date
1844-02-13
Page
Seite 54 (sequence 11)
Language
German
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54 nach Stockholm wandten, den jüdischen Gelehrten des Auslandes den Weg zum Besuche des wissenschaftlichen Kongresses in Christiania zu bahnen. Aus diesem Entgegenkommen, aus dem Eifer, mit dem alle hierauf bezüglichen Schritte geschahen, sofern sie nur irgend mit dem norwegischen Grundgesetze vereinbar waren, leuchtet unwiderleglich hervor, daß die interimistischen Repräsentanten des skandinavischen Gelehrtenkongresses, implicüe dieser selbst durch sein' einzig gültiges Organ, die jüd. Gelehrten nach Christiania kommen zu sehen wünschten. Herrn Dr. Steinheim's Abmahnung kann, wenn sie in Christiania zur öffentlichen Kunde gelangt, nicht ermangeln, auf die Ehrenmänner, welche den Geleitsbrief ausgewirkt haben, einen unerfreulichen Eindruck zu machen. „Wozu haben wir uns bemüht?" werden sie zu sich selbst und zu einander sagen. „Hat unser guter Wille eine solche Verkennung verdient?" — Und nichts, das wissen Sie, werthgeschatzker Herr Doktor so gut wie ich, nichts verzeiht ein Mensch dem andern schwerer, als die Zurückweisung eines freundlichen Anerbietens, wenn es aus eigenem Herzensdrange hervorging und ein Opfer kostete. Wird man in Christiania nicht vielleicht geneigt sein, auf Rechnung der jüdischen Denk- und Anschauungsweise, wenn auch nur einer singirten, zu setzen, was allein aus einer subjektiven, immerhin dem Jrrthume unterworfenen Ansicht von Ehre stammt? Und haben denn die jüdischen Naturforscher und Aerzte in Dänemark und Deutschland, die ich bei meiner An-, Sie bei Ihrer Abmahnung im Sinne hatten, gegründete Ursache, sich zu schämen? Dürfen sie nicht vielmehr dreist ihren christlichen skandinavischen Kollegen unter die Augen treten, ja sich mit ihnen hin und wieder messen? — Lasset' die Geister aneinanderplatzen, aufeinanderschlagen und es wird sich eine Friktion erzeugen, die nicht blos dem Juden- und dem Christenthume, sondern auch dem Menschenthume, der Humanität, gleich dem elektrischen Fluidum neue Kraft in die Adern treiben nnd zu seiner Genesung beitragen wird. So, geehrter Hr. Doktor, denke ich mir die Sache; so habe ich mir sie in der Aufforderung vom Jahre 1843 gedacht. Denken Sie ja nicht, daß ich dem jüd. Gelehrten zumuthen wollte, als Judenmissi'onare nach Christiania zu wandern; ich wünschte lediglich, daß die von den Norwegern gebotene Gelegenheit, mit ihnen in Berührung zu kommen und einen geistigen Verkehr zu eröffnen, benutzt und nicht verabsäumt würde. — Man stellt die Gerechtigkeit mit der Binde vor den Augen dar; aber auch die Ungerechtigkeit macht nicht selten blind. Die Hand auf's Herz gelegt, sind Sie nicht zu weit gegangen, als Sie, Herr' Doktor, Ihre jüd» Herren Kollegen ermahnten, sich von jenen „Stätten der Barbarei" entfernt zn halten? Ich fürchte, daß Sie der Erste sind und der Einzige bleiben, der ein Land mit der freiesten Verfassung des modernen Europa eine „Stätte der Barbarei" nennt. Welchen Namen haben Sie denn für Rußland, für Italien aufgespart? Ich bitte Sie, daß Sie aus Achtung vor sich selbst diesen Ausdruck nicht blos mildern, sondern zurücknehmen mögen. Der orthodoxeste Rabbi des neunzehnten Jahrhundertsder fanatistische Anhänger der Reaktion wird diese Bezeichnung nicht auf eine Monarchie anwenden, der zur Republik wenig mehr fehlt als der Name» Also weil man die Juden von dem norweg. Lande ausschließt, ist dieses der Barbarei anheimgefallen? Hüten wir Juden zumal uns doch vor Uebertreibung. Von jeher hat man die Waffen des Geistes, die wir gegen unsere Feinde abgesandt, vergiftet auf uns zurückfallen lassen. Gott bewahre uns vor jeder Nachgiebigkeit, wo wir Recht haben; aber machen wir nicht gleich das Unrecht Einzelner zu einer Schmach für ein ganzes, großes Volk. Ich spreche dies nicht im christlichen Interesse, ich spreche es, wenn Sie wollen, gerade im jüdischen, vor Allem im Interesse der Wahrheit aus, die uns noch mehr als die vielgepriesene Liede heilig siin soll dem Freunde und dem Widersacher gegenüber. —- Ader Sie nennen auch Bremen neben Norwegen? Auch dahin, meinen Sie, dürfe kein jüd. Gelehrter ziehen. Wenn die Statuten der deutschen Naturforscherversammlung die Juden ausschlössen, wie man behauptete, ehe es durch das Beispiel von Hamburg, Prag, Breslau (Prof. Valentin war dort anwesend) und Mainz (wo, wenn ich nicht irre, Sie selbst zugegen waren) widerlegt wurde, so würde ich mit Ihnen vollkommen übeceinstimmen, daß es doppelt zudringlich erscheinen würde, wenn jüdische Gelehrte sich in Bremen einsänden, aber der Ort selbst rhut meines Erachtens nichts zur Sache. Wohl aber handelt es sich in Bremen um eine Persönlichkeit, die den Vorsitz führt, den Bürgermeister Sruidt, der die gerechte Sache der Juden in den Hansestädten beim Wiener Kongresse zum Scheitern gebracht haben soll; es handelt sich ferner um eine Stadt, der die Juden Opfer gebracht haben und aus der sie trotz dessen widerrechtlich mit himmelschreiender Verhöhnung göttlicher und menschlicher Rechte vertrieben wurden: das zusammen genommen modificirt auch mein Urtheil und ich bekenne gern, daß ich zum Besuche Bremens wenigstens nicht rathen würde, es müßte denn sein, daß die Aussicht eröffuete, a Bremensibus male informaüs ad Bremenses melius infonmmdos zu appelliren. Eben diese antibremischen Gründe fallen aber sämmtlich bei Christiania weg; die Vorsitzer in Christiania haben Alles, was in ihren Kräften stand, gethan, um jüd. Gelehrte in Christiania zu sehen; die Norweger haben bis jetzt gegen die Juden keine andere, als rein humane und nichtpersönliche Verpflichtungen; aus Norwegen sind die Juden nie entfernt worden, denn es hat dort nie Juden gegeben,' nie geben dürfen. — Zum Schlüsse noch eine Erwiderung auf die persönlich an mich gerichtete Apostrophe des Hm. Dr. St., der meine Annntthung, wiederum eine „so beschwerliche und kostspielige Reife zu unternehmen, doch ein wenig zu stark findet". Ich gestehe, daß mich diese Schlußbemerkung des Hm. Dr. Steinheim sehr — frappirt hat; denn entweder ist die Reise nach seinen Begriffen von Ehre erlaubt, dann sind Beschwerden (Strapazen) und Kosten sehr indifferente Dinge, oder sie ist moralisch unerlaubt, dann kann ja überhaupt von ihr nicht die Rede sein und wenn die Entfernung nur eine Meile und die Kosten nur einen Thal er betrügen. — Daß übrigens unser edle Gegner bei seinen humanen Bestrebungen oft aus Undank, Geiz und Gleichgültigkeit gestoßen ist, wußten wir recht wohl und haben ihm auch einst unser aufrichtiges Bedauern darüber geäußert; aber Niemand ist wohl auf solche Widerwärtigkeiten mehrgefaßt, als der Menschenfreund und ein Mann, wieHr> Dr. Steinheim, wird sich am wenigsten dadurch in feinem Streben irre machen und aufhalten lassen. Sie schlossen mit einem Maimm de tabula; ich schließe mit

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