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Der Orient · 1844-02-13 · Heft 7 (13.2.1844) · p. Seite 53

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 7 (13.2.1844)
Date
1844-02-13
Page
Seite 53 (sequence 9)
Language
German
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53 der öffentlichen Meinung wegen noch gegen das ankämpfen muß, was aus der eigenen Mitte hervorgegangen. Die Aachner Zeitung lieferte spater einen ähnlichen Artikel, angeblich von der Weichsel datirt, sie war gern bereit, meine Widerlegung aufzunehmen, dieselbe ward aber von der Censur gestrichen, weshalb ich sie in der Neuen Hamburger Zeitung aufnehmen ließ. Siehet man so, von welcher Sympathie fürs Judenthum der RV. belebt ist, so dürfen wir uns nicht mehr wundern, wenn er am Ende des Cickulars es sich zum Ruhme anrechnet, daß einzelne Mitglieder „aus Pietät, ihrem Beharren beim Judenrhum, in politischer und materieller Beziehung Opfer gebracht haben". Es ist dies wenigstens das erste Mal, das sich Juden deffen rühmen. Louis Simon. Hamburg, 29. Jan. (Einiges zur Erwiderung auf das in Nr. 3 des „Orient" svom 16. Jan. 1844} enthalteneSchreiben des Hrn. Dr. St ein heim zu Altona.) Eine, in einem meiner Wochenberichte vom Jahre 1843 gethane Aeußerung über das bisherige und das künftige Verhältnis des Hrn. Dr. S t e i n h e i m zur norwegischen Judenfrage hat diesen hochachtbaren Vectheidiger der Emancipation zu einer „Erklärung" und einigen „Bemerkungen" veranlaßt, gegen die ich, sei es auch nur zur Rechtfertigung meiner Ansichten, einige Einwendungen zu erheben nicht umhin fann. Zuvörderst bin ich. der Meinung, daß sich Hr. Dr. St., der trotz seines vorgerückten Alters an glühender Begeisterung für die Sache der Juden keinem Jünglinge nachsteht, wie schon früher in seinen „Meditationen" so auch diesmal zu einer Bitterkeit und Ungerechtigkeit, die sich zunächst in der Herbigkeit der Form und des Ausdruckes abspiegelt, habe hinreißen lassen, welche leicht misverstanden und noch leichter misdeutet, am leichtesten aber als judenfeindliches Argument benutzt werden kann. Obwohl ich nun voraussetzen darf, daß Hr. Dr. St. mich als den Verfasser des angegriffenen Wochenberichts kannte, was auch aus dem Schlüsse seines Schreibens hervorzuleuchten scheint, so will ich doch dadurch, daß ich diese Entgegnung mit meiner Namenschijfre unterzeichne, jeden diessalligen Zweifel beseitigen. Ich hoffe dann, daß mir Hr. Dr. St. die Gerechtigkeit widerfahren lassen wird, einzuräumen, daß ich die Redlichkeit seiner Absichten zu schätzen weiß, und demselben Zwecke wie er von ganzer Seele huldige. Um so weniger wird er es mir aber verargen können, wenn ich andere Mittel für die geeigneteren zur Erreichung des Zieles halte und mich namentlich mit der von ihm gewählten Form der Bekämpfung des judenfeindlichen Sinnes nicht einverstanden erklären kann. Auch ich werde dem Iudenhasser keine Zugeständnisse machen, ja ihn nicht einmal einer freundlichen Begegnung, geschweige denn eines vertrauten Umganges würdigen, aber wo ich nur Irrthum, Misverstandniß, Mangel an Erkenntniß der wahren Sachlage erblicke, da suche ich durch Ueberzeugung wirken und die Nebel des Vorurtheils durch zweckdwnliche Belehrung zu zerstreuen. — Daß nun Hr. Dr. St. die Ehre der Anregung der norwegischen Judenfrage von sich ablehnt und auf Herrn Wergeland übertra- M wissen will, hat mir einen neuen Beweis von feiner Bescheidenheit gegeben, wiewohl ich mich darin schwerlich geirrt, wenn ich ihm nach wie vor einen entschiedenen moralischen Einfluß auf die legislative und literarische Erörterung der Frage in Norwegen vindicire. Auch wird Hr. Dr. Sr. mir gerne emraumen, daß das Erscheinen einer Emancipationsschrift in dänischer Sprache vorzugsweise durch seine Bemühungen, denen sich eine kleine Anzahl geachteter Hamburger und Altonaer anschloß, bewirkt wurde. Ueber das Mehr oder Weniger des ihm gebührenden Antheils an der ehrenvollen Mission des norweg. Storthings in dieser Angelegenheit zu streiten, fällt mir indessen nicht ein, sondern die letzten Sätze der Erklärung des Hrn. Dr. St. sind es hauptsächlich, mit denen ich dissentire. Ich habe deutsche und dänische Naturforscher und Aerzte, die sich zum Judenthume bekennen, aufgefordert oder richliger dringend gebeten, sich im Sommer 1844 nach Christiania zu begeben, um den dortigen Versammlungen beizuwohnen und die persönliche Anerkennung der Juden, die leider noch immer für die Vorstufe zur Anerkennung ihrer praktischen und kirchlichen Rechte gelten muß, durch ihre Gegenwart, ihr Wissen und Benehmen fördern zu Helsen. Hr. Dr. St. erklärt sich unbedingt gegen den von mir empfohlenen Besuch. Er hält es für schmählich und mit seinen Begriffen von Ehre unverträglich, von dem königlichen „Geleitsbriefe" Gebrauch zu machen. Aber es scheint ihm entgangen zu sein, daß es mit diesem sog. Geleitsbriefe eine andere Bewandtnis hat als mit den früheren sächsischen rc. — Indessen hält er selbst „Geleitsbriese" nicht für absolut verwerflich, er spricht sich nur dahin aus, daß kein Gelehrter sich auf einen solchen stützen soll. Aber kann denn wohl Etwas, was dem Gelehrten zur Schande gereicht, für den Kaufmann erlaubt sein und vice versa das für diesen Unehrenhafte für jenen sich zum Ehrenhaften stempeln lassen? Ich habe kein Recht, mich zu den Gelehrten zu zahlen, noch weniger gehöre ich dem Kausmannsstande an; da mir aber nicht der Stand, sondern der Charakter als Werthmesser für den Menschen gilt, so scheint mir eine solche Aufstellung moralischer Kategorien verderblich, ja, um mich kurz auszudcücken, viel verderblicher als die Benutzung eines Geleitsbriefes. Mich wenigstens sollte, wenn ich mich durch meinem Beruf zum Zutritte zur norweg. Naturforscher- Versammlung qualisicirte, der Landessprache nur einigermaaßen mächtig und mit, wenn auch sparsamen, Mitteln zu einem kurzen Aufenthalte in Christiania versehen wäre, keine Macht der Welt abhalten, die Reise dahin zu unternehmen. „Aber, wie verträgt sich dies mit Ihren Begriffen von Ehre?" werden Sie, geehrter Herr Doktor, mir vielleicht einwenden. — „Es widerstreitet denselben nicht im Mindesten", antworte ich Ihnen, „obwohl ich oft genug als Rigorist verschrieen worden bin". Gehen wir nur einfach auf die Entstehungsweise des mehrerwähnten königl. Geleitsbriefes zurück. Haben die Juden ihn erbeten? Nein, er ist aus freien Stücken ertheilt worden. Wer hat ihn erbeten? Es waren die designirten Vorsitzer der skandinavischen Naturforscherversammlung, insbesondere die Herren Professoren Haust een und Holst, welche, einem, nach der einstweiligen Remotion des die Aufnahme der Juden in Norwegen bezweckenden Vorschlages im Storthing des I. 1842 lautgewordenen Wunsche gemäß, in ihrem eigenen Namen und im Interesse der, jeden Unterschied des Ranges, Standes und Bekenntnisses negirenden und aufhebendea Wissenschaft sich mit der Bitte

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