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Der Orient · 1844-02-13 · Heft 7 (13.2.1844) · p. Seite 52

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 7 (13.2.1844)
Date
1844-02-13
Page
Seite 52 (sequence 7)
Language
German
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Ln einem Briefe in der Freund'schen Zeitschrift nicht unbestimmt genug aus, daß die Gesinnungen und Ansichten nicht zu erkennen wären, wenn ec darin sagt: „wir fühlen gleichwohl, daß vaterländische Gesittung sich mit der Beibehaltung der historischen Kruste des Judenthums nicht vereinen läßt." Im letzten Cickular des RB. heißt es nun ganz deutlich: „Man hat uns aus die Folgen unseres Beginnens aufmerksam gemacht, und angeführt, daß solches gegen die gerechten Ansprüche unserer Glaubensgenossen im Allgemeinen auf bürgerliche Gleichstellung mit ihren christlichen Mitbürgern benutzt werden könnte. Dieses war uns selbst nicht entgangen. Allem war dies mit dem seitherigen Zustande des Judenthums weniger der Fall? sind aus demselben nicht ebenfalls Einwendungen gegen jene Ansprüche hergenommen worden? und soll die Sonne nicht leuchten, weil sie auch Giftpflanzen zeitigt?" — Es könnten diese Misdeutungen genügen. Aber wir gehen noch einen Schritt weiter, um zu zeigen, daß die Meinung, nur diese Form könne uns die Emancipation bringen, wirklich schon angesangen hat, Wurzel zu fassen, und wie sehr es daher nothwendig ist, schon aus diesem Gesichtspunkte die Reform zu bekämpfen. Wenn dergleichen Grundsätze von Juden selbst ausgehen, finden sie gar zu leicht Anklang, und man glaubt in seinem Rechte zu sein, wenn man sich daraus stützt. So enthält die Aachner Zeitung, die wir doch mit vollem Rechte zu den besten Blattern rechnen, einen Artikel (in Nr. 320), der für die Emancipation geschrieben. Es heißt darin: „die praktischen Gegner der Emancipation bringen zuerst die Unverträglichkeit des jüdischen Ceremoniells, namentlich die Sabbatfeier mit der nun einmal angenommenen Lebensnorm zur Sprache. Aber es versteht sich von selbst, daß ein Jude, der ein Amt übernimmt, eben auch die Pflichten des Amtes erfüllen muß, sonst wird es ihm rechtlich entzogen; der jüdische Refocmverein greift täglich mehr um sich (?), die angesehensten, freidenkendsten, jüdischen Gelehrten dringen schon auf Aufhebung der nur auf den Orient sich beziehenden Religionsvorschriften, sie stellen schon die Berlegung des Sabbat in Aussicht rc." — Dies eine Beispiel mag genügen, um auf die nachtheiligen Folgen aufmerksam zu machen, die der RV. dem Judenthum und den Juden bringen kann. Es ist unbestritten, daß dieser Artikel in der besten Absicht geschrieben ist;— wem ist die Schuld nun zur Last zu legen? — Man sieht es, wie man dem RV., und nur dem RV. die Möglichkeit einer Lösung der so vielfach besprochenen Fragen unterlegt. Wenn der Jude als Mensch dem Christen gleichgestellt wird, wie will man da noch in der Religion ein Hinderniß finden. Wenn der Christ eine Professur erhalten sott, fragt man ihn, ob er zum Abendmahl geht, oder den Ruhetag heilig halt, ob er die Dogmen seiner Religion glaubt, ob er das Ceremoniell der christlichen Religion beobachtet? Wenn der Christ als Mensch genügt, warum nicht auch der Jude? Ist nicht die Moral, die höchste Potenz in beiden Religionen dieselbe? Was soll denn aus denen werden, die nicht zum RV. gehorn, aber schon lange auf derselben Höhe der Einsichten stehen, wie dessen Mitglieder? Macht dieses halbe Hundert eine Ausnahme von den hundert Tausenden, die auch Juden sind und es bleiben wollen? Mögen immerhin die religiösen Institutionen mit den Staatseinrichtungen im Widerspruch stehen, insofern jedes Individuum dieselben Principien enthalt,, die für jedes andere gelten, so ist die in ihm zu Stande gekommene Gestaltung derselben nur partikular, und darum mögen wir auchdas Hmderniß, die Vorschriften der Religion mit dem Leben zu vereinen, wie es Vielen Bedürfniß ist, nicht für so groß halten. Wenn es aber in dem erwähnten letzten Cirkulac heißt: „Allein war dies mit dem seitherigen Zustande des Judenthums weniger der Fall? sind aus demselben nicht ebenfalls Einwendungen gegen seine Ansprüche hecgenommen worden?" so können wir uns nur wundern, wie man den Muth hat, solche Trugschlüsse zu veröffentlichen! Das ist doch aber das Unrecht, das ist der Kamps? Dagegen wurde protestirt, daß man der Religion den hindernden Grund vindicirte, daß man sich fälschlich auf die Religion stützt, wenn man die Emancipation verwei-, gert. Soll man aber deswegen die Religion verlaugnen, weil sie von Feinden der Freiheit mit allem Unrecht als Hinderniß bezeichnet wird? Wir verlangen die Gleichstellung als ein Recht, nicht als eine Gnade, für deren Erlangung man Opfer bringen soll l Und wie ganz ohne Zusammenhang ist es, den Vorwurf, den der RV. als wohlverdient selbst anerkennt, dadurch wegphilosophiren zu wollen, indem man sagtdie jüdische Religion ist auch als ein Hinderniß betrachtet worden!! — Mit Windmühlen kämpfen wir nicht! Daß aber dem RV. auch das Heiligste nicht heilig ist, das zeigt ein Artikel in der Mannh. Abendzeitung vom 22. Oktober, in welchem auf das Buch eines gewissen Vary aufmerksam gemacht wird Dieser Artikel hat ganz das Ansehen eines ossiciellen Artikels, und es kann nicht geläugnet werden, daß er von einem Mitgliede des RV. ausgeht. Wahrend sich überall Stimmen erheben für das Schicksal der unglücklichen Juden in Rußland, wird hier gesagt, daß die Maaßregeln der russischen Regierung sehr in Ordnnng-waren, daß die Juden erst den RV. annehmen müßten, daß darin ihr einziges Heil zu finden wäre rc. — Was laßt sich da weiter sagen! Man lese jenen Artikel und man wird staunen! Wir hielten es damals für Pflicht, Urtheite, wie sie in jenem Artikel ausgesprochen waren, zu berichtigen, und überzeugten uns, daß bk besseren Blätter nähere Berichtigungen gern aufnehmen, die Mannheimer selbst nicht ausgenommen. Es ist ein Unglück, daß man —

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