Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1844)
- Date
- 1844-02-13
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ein eigenes Mißgeschick mit ihren Vertretern zu haben, was aber freilich Manchen gerade genehm ist; Lilienthal hat zur Bescheinigung des harten Mases beigetragen, und Vary sucht diesen Ukas zu vertheidigen. Vary, der Konvertit, wird nun mit Lilienthal, dem Chasidim-Rabdi, in Petersburg Zusammentreffen, und sie werden in ihren Handlungen gegen die Juden sympathisiren. Aus Westphalen, 30. Jan. Die pharaonischen Zeiten werden wieder heraufdeschworen. Es ist nämlich das Gerücht allgemein verbreitet, daß unsere lieben westfälischen christlichen Mitbrüder damit umgehen, ein Gesetz gegen die Vermehrung und Fortpflanzung der Juden hervorzurufen. Unsere lieben Mitbrüder sollen zu diesem menschenfreundlichen und gottgefälligen Schritte durch einen Genealogen veranlaßt worden sein, der ihnen ihre Abstammung von den Pharaonen bewiesen hatte. Fürth, 1. Febr. Um dem Judenritter Ghillany das Handwerk zu legen, suchte die hiesige Gemeinde um Konfiskation der Ghillany'schen „Judenfrage"*) nach; allein unsere bayerische (Sie sehen, baß ich selbst in der Orthographie ein konservativer Bayer bin) Regierung geruhte allergnädigst, die Bitte zurückzuweisen. Barmen, 22. Jan» Gestern wurde zum zweiten Male der Jahrestag des Einzugs Alexanders in Jerusalem gefeiert, nicht jenes Alexanders des Macedoniers, sondern des Lord-Bischof Alexander, der als Jude aus Wöllstein, Schächter und Kantor war, und durch eigenthümliche Umstande vom Schächter bis zum Bischof avancirte. Die Wahl der Heiligen in der Gegenwart hat in der That viel Ähnlichkeit mit dem sogenannten Jahrhundert des Heils; Rothschild wird in Zeitungskorrespondenzen zum Friedensfürsten kanonisirt und der jüdische Schächter Alexander wird zum Lordbischof erhoben und kann Kirchenfeste bestimmen. Wir erleben es am Ende noch, daß ein Jude seirws servorum d. h» Pabst wird, wozu er durch seine unbürgerliche Stellung vorzüglich disponirt ist. Doch ich kehre Zur Einzugs-Feier zurück, die deshalb im Missionshause begangen wurde, weil Alexander als der Schutzheilige der Missionen angesehen wird. Wie noch bis auf den heutigen Tag zum Andenken an den Auszug aus Egypten die Juden Mazzot zubereiten, so hielt man es bei dieser Feier des Einzuges für angemessen, einen „Hilfsverein für Israel" zu gründen, welcher sich dem Hauptverein zu Köln anschließen soll; denn unsere lieben Barmener haben eine solche dreieinige wahrhaft christliche Liebe für die Juden, daß sie weder Mühe noch Kosten scheuen, recht viele Israeliten für die Gendarmerie der himmlischen Seligkeit anzuwerben, und sie suchen die Erde ihnen nur deshalb .*) Wem fallt nicht das ty/ jtPpD DHD bei diesen Fragen ein! D. K. zu verleiden, um sie für den Durchbruch der Gnade empfänglich zu machen. Der Hilfsverein zählt jetzt 50. ord. Mitglieder und Präsident dieser kleinen Heerde ist Dr. Richter, der Vieles von dem Segen des Jerusalemer Bisthums zu erzählen wußte. Da wurde gutodec leichtgläubig erzählt, daß der Bischof bereits seit seinem Dortsein 11 Judenseelen für das Geschäftshaus Vater und Comp, befördert, obgleich der beseligte Sprecher aus dem Oriente*) den Schlüssel Petri zu diesem Mysterium bekommen harre; namentlich wäre es Hrn. Dr. Richter sehr zu wünschen, daß er, so ihn die Wahrheit interessirt, auch die Missionsmittheilungen in diesem Blatte läse. Berlin, 2. Febr. Das Erscheinen des neuen Judengesetzes mit seinem Jsolirungsprincipe soll uns in kürzester Zeit bevorstehen und ich glaube nicht, daß wir bei der Entschiedenheit des Königs etwas durch publicistische Debatten ausrichten werden; nur die Allgewalt der Zeit oder des Zeitgeistes kann es ausgleichen, weil dieser noch entschiedener ist. Das Princip unseres Königs ist das der historischen Schule , wozu er schon als Kronprinz durch seine Befreundung mit Rieb uh r und S a v i g n y gelangte; aus diesem Principe sind die eigenthümlichen Bestrebungen Preußens seit 1840 überhaupt zu erklären. Preußen soll, diesem Principe gemäß, ein souveräner Staat mit historischer Grundlage, und daher mit vom Souverän abhängigen Standen sein, und die alte Kasteneintbeilung des Adels und der Bürger, die Vorliebe für Korporationen innerhalb des Bürgerthums und in diesem Sinne auch das Judengesetz sind nur Ausstrahlungen dieses Princips. Die Juden sollen innerhalb eines eng gezogenen Kreises Rechte und Freiheiten erhalten, aber dafür diejenige Gemeinschaftlichkeit mit den Christen aufgeben, die sie schon besitzen» Die Staatsbürger sollen eine Korporation bilden, für die allgemeine Gesetzgebung sollen sie das Recht ihres Choschen Mischpat wieder erhalten. Frankfurt a. M., 12. Jan. (Schluß.) Wir wollen hier — so kurz als möglich — darthun, wie der RV. sich darüber ausspricht. Die erste Erklärung darüber erschien im Programme selbst. Es heißt darin, „unsre Erklärung soll nur die Stellung, welche viele Israeliten schon längst innerhalb ihrer Religion eingenommen haben, auch nach Außen hin in deutlicher Grenze bzeichnen, und so dem Staat und der öffentlichen Meinung gegenüber vertrauungsvoll jeden Rückhalt aufheben, jede eigensüchtige Tendenz schwinden lassen- Daher bedarf diese Erklärung keine Aufzahlung von positiven Anerkenntnissen, sondern hat blos den Zweck, dasjenige, was man uns bisher aus Gewohnheit, als zrr unserm religiösen Bekenntnisse gehörig, imputirte, von uns abzuwälzen." — Ebenso drückt sich Dr. Creizenach ) Vergl. Nr. 6. Red.