Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 6 (6.2.1844)
- Date
- 1844-02-06
- Page
- Spalte 93-94 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mssionswesen. 94 93 I jjfuntntffen keinen Wirkungskreis erweist, die ihr Streben, i jhre Bildung und ihren Gemeinsinn verkümmern und verderben! ohne die verrosteten mittelalterlichen Ketten zu sprengen, liebem Juden sden Eintritt in den Staatsdienst, ja sogar S jn hsc geselligen christlichen Kreisen wehren. Auf diesen Theil \ Israeliten wollen und können die Bckehrungsgesellschaften Glicht wirken, diese überlassen sie ihrem'eigenen Schicksal, ihrer z eigenen Kraft und ihrem eigenen Muth, das Ziel ihrer Bestrebungm zu erkämpfen; nur die auf einer niedern Kulturstufe SLef Haiden glauben sie geistig bevormunden zu müssen^nicht für | ihre irdische Wohlfahrt, sondern für das Heil ihrer Seelen E glauben sie zu sorgen verpflichtet zu sein. Für diese Klasse mrden Missionen gestiftet, Traktätchen verbreitet und Gold | a(§ Köder ausgeworfen, um damit hier und dort eine § atme Judenseele für das große Reich Christi auszuangeln, ff Sind sie nun so glücklich, einen feilen Menschen zu finden, | sich äußerlich seinen väterlichen Glauben für einige ^Silberlinge abkaufen läßt, so wird er gleich zu einem ge- Ilehrten Rabbi erhoben, und die Missions-Berichter haben ans mehre Monate Stoff in der Jewish Intelligence von dein segenreichen Wirken der Bekehrung zu erzählen. Mit welchen Liraden wird nicht schon ein ganzes Jahr in dieser Monatschrift von dem höchftwichtigen Ereigniß berichtet, dH in Jerusalem 3 Rabbiner (?), die eben erst bei dem Missionär Ewald hebräisch lernen mußten (Juniheft S. 225), fid) zum Christenthum bekehrt hätten! Nun sind wir .aber so glücklich, einen hebräischen Brief von einem dieser sei lig gewordenen Rabbinen Herrn Abraham N i sa n aus Rußbnd, zu besitzen, den derselbe an den Hera us geber di e- | |et Blätter geschrieben hat, der am Besten im Stande h ist, dos Treiben der Juden-Mission zu enthüllen. Wir thei-!fi, daher den Lesern dieser Blätter, zu denen auch die Juden- | Mission, wie wir aus erwähnter Monatschrift ersehen, zu | Mm ist, dessen Hauptinhalt in der Uebersetzung mit. I „Da Ew. Wohlgeb. bereits berichtet wurde, daß drei h Männer aus unserer Gemeinde ihren Glauben verlassen und I dm christlichen angenommen haben, so halte ich mich verk Ochtet, noch hinzuzufügen, das ich einer von diesen war, | welche die Wahrheit mit der Lüge, den Weg des Heils mit | dem der Sünde verwechselt haben, daß auch ich mich von der Genußsucht dahin reißen ließ, diesen für den Lebenszweck zu | halten, und diese Genüsse durch die äußerliche Annahme | dm Christenthums zu erkaufen; denn wer nur Verstand be- | M, kann unmöglich jene vernunftwidrigen Dogmen in seinem l Innern aufnehmen. | Die nächste Veranlassung zu diesem meinen Religionsl Handel war erstens, meine drückende Arnntth, welche die Misf ^"äre benutzten, mich mit dem Geldschein zu blenden und 1 tn^ durch zugesicherte Reichthümer za verlocken; zweitens, r geselliger Umgang mit einem lasterhaften, niederträchtij M Menschen Namens Eleasar Lurie, dem schon längst kein ^setz und Gebot heilig war. Weil ich nun die Vorschrift l dl,^c ^chk ließ: „Geselle dich nicht zu dem Sünder" wurde ich in jenes Netz verlockt, das mich ganz zu verderben drohte. Die Hauptlockspeise der Missionäre ist aber — Geld, mit dem sie die Seelen zu kaufen suchen. Zwei Monate hindurch wurden wir mit Allem, was zum Lebensgenuß gehört, reichlich versorgt, und diese momentane Befriedigung unserer Bedürfnisse genügte uns noch nicht, und wir stellten noch die weitere Bedingung unseres Uebertritts, daß sie alle unsere Wünsche noch ferner befriedigen, uns mit Geld, Kleidungsstücken u. dergl. reichlich versehen müßten. Mit der Gewährung dieser Forderung haben sie uns nun verblendet. In der Zeit, als ich unter ihnen mich noch befand, habe ich mit Ernst ihre Handlungsweise und ihr Verfahren geprüft, und sah den Trug und die Täuschung, sowohl der Verleiter wie der Verleiteten; es wurde mir klar, daß die Juden - Christen nur äußerlich ein Bekenntniß ablegen, das sie im Innern verhöhnen, daß sie mit den Lippen die Trinität anerkennen und im Herzen nur den Einig Einzigen verehren. — Schmerz und kummervolle Tage verbrachte ich, bis ich mit Gottes Hilfe aus mir selbst den Muth und die Kraft erlangte, meine Seele vom gänzlichen Untergang zu retten. — Unbestreitbar und fest ist es, daß die Missionäre selbst die Wahrheit einsehen und ohne innere Ueberzeugung, nur mit leeren Worten uns glauben machen wollen, daß ihre Lippen ihre Gedanken verkünden. Es ist allgemein bekannt, daß die hiesige Juden-Mission an den verworfensten Menschen ihren Bekehrungseifer üben; so nahmen sie mit Freude einige aus Konstantinopel wegen Mord und Diebstahl verbannte Israeliten auf, die dort zum Istüm übertreten wollten, und die man wegen ihrer Verbrechen zurückwies. Diese verlockten sie durch Geld und irdische Genüsse, unterrichteten sie in der christl. Religion, und sind sie nunmehr gläubige Nazaräer geworden. Kann man aber von solchen Verworfenen sagen, daß sie aus Ueberzeugung, aus Princip sich zum Christenthum bekennen? —Eben so sicher kann man selbst von den Verführern, von den Missionären behaupten, daß sie nur aus Interesse und nicht aus innerem Berus und Wahrheitsliebe diesen falschen Standpunkt gewählt haben. Sie müssen ihren Vorgesetzten zeigen, daß sie etwas w i r k e n u n b leisten und nicht umsonst ihren Gehalt beziehen, daher jeder Ueberläufer zu einem Heiligen erhoben wird. Dankbar erkenne ich die göttliche Huld und Gnade an, die mich noch zur rechten Zeit, noch bevor das Taufwasser mein Haupt befleckte, die Gefahr erblicken ließ, die meiner Seele drohte, und so verließ ich meinen^, sündenhaften Wandel und kehrte zu meinem Gotte, zu meinem Volke zurück." So wie uns in diesem Schreiben das Treiben der Mission geschildert wird, müssen wir allerdings zugeben, daß bei der drückenden Armuth und bei der krassen Ignoranz der dortigen Juden, die I. - Mission einen ergiebigen Boden für ihre ausgesäeten Goldkörner finden werden, wodurch freilich das Iudenthum weder an extensiver noch intensiver Kraft etwas verlieren wird. Nichtsdestoweniger ist es dringende Pflicht