Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 6 (6.2.1844)
- Date
- 1844-02-06
- Page
- Spalte 91-92 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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92 91 Studien. Geschichte der Samson'schen Freischule zu Wolfenbüttel. Missionswesen. ziehungsanstalt, und diese Regelmäßigkeit hat ohne Zweifel dazu beigetragen, daß in der Samson'schen Freischule während ihres 37jährigen Bestehens nur 2 Knaben gestorben und bedeutende Krankheiten (außer dem im Winter 1839 allgemein herrschenden Nervensieber) fast gar nicht vorgekommen sind. Dennoch ist Arzt und Wundarzt mit fixem Gehalt zum regelmäßigen Besuche der Anstalt verpflichtet. Jährlich erhalten die Freischüler mindestens einen vollständigen Anzug von Luch (oft noch ein Beinkleid mehr), und außerdem an Wasche und Schuhwerk so viel sie dessen bedürfen. Ueber diese Gegenstände wie über die nöthigen Schülutensilien wird eine sorgfältige Kontrolle geführt. Alle Knaben, auch die ärmsten, besitzen kleine Kassen, welche sich in Verwahrung des Inspektors befinden und durch einzelne Vermächtnisse Zubuße erhalten. Das Geld dient den Eigenthümern zu kleinen erlaubten Ausgaben und zum Wiederersetzen der muthwillig oder leichtsinnig zerbrvchnen Geräthe, und bietet ihnen oft die Mittel zur Ferienreise nach der Heimath. .Wenden wir uns jetzt zu der in der S. Fr. Sch. eingeführten Lebensweise. Die Knaben stehen mit den beaufsichtigenden Lehrern im Sommer um 5, im Winter um 6 Uhr auf, und versammeln sich, nachdem sie den Anforderungen der Reinlichkeit genügt, in einer Klasse oder dem Speisesaale zum gemeinschaftlichen Morgengebete, das von den Kindern abwechselnd mit Responsorien langsam vorgetragen wird^). Danach erhalten sie ihr erstes Frühstück, und bereiten sich zum Unterrichte vor. Dieser beginnt, mit täglich vorausgehender Musterung, im Sommer um 7, im Winter um 8, dauert mit Unterbrechungen 66) Morgens bis 12 und Nachmittags gewöhnlich von 2—5 Uhr. Die Nachmittage des Sonntags, Mittwochs und Sonnabends sind ganz frei, und außerdem hat jede Klasse noch einzelne freie Zwischenstunden, die, ebenso wie im Winter die Abendzeit, als Arbeitsstunden benutzt werden. Pünktlich um 12 Uhr wird zu Mittage, um 7 zu Abend gespeist. Während an den 6 Wochentagen der Inspektor selbst die Speisen vorlegt, nur e i n Lehrer aber an dem Mahle der Zöglinge Thci! nimmt, wird an den Sabbaten und Festtagen gemeinschaftliche Lasel des ganzen Hauspersonals gehalten und dadurch bewirkt, daß ein gewisses patriarchalisches Verhältniß stets vorherrschend bleibe. Die Stunden von 8 —10 Uhr Abends sind im Winter, je nach dem Bedürfnisse, den Arbeiten, den stillen Spielen oder andern freiwilligen Beschäftigungen^) gewid- 65) Das Mincha und Maarib-Gebet wird in eben so würdiger Weise zur bestimmten Zeit gesprochen. Dem Nachtgebete folgt am Freitag Abend noch ein deutscher Choralgesang; dem hebräischen Tischgebete ein deutsches. , 66) Zweites Frühstück um 10, Vesper um 4. Zwischen jeder Stunde eine Pause von 5—10 Minuten. 67) Am Freitage Abends liest ein Lehrer vor oder unterhält die Kinder sonst auf angenehme und belehrende Art. met, werden aber im Sommer fast unausgesetzt im Freien zugebracht. (Fortsetzung folgt.) Missionswefeir. Die Missions-Literatur, unerschöpflich indeNsch sindung neuer Mittel und Wege, um den Dogmen des Chrif stenthums den Weg in die jüdischen Herzen zu bahnen, wurde r .wieder mit einem Werke bereichert, von dem sich die Judcni Mission einen solchen ersprießlichen Erfolg verspricht, daß ft! solches m's Hebräische übersetzen ließ. Dieses Wunderwerk i heißt: „The Pilgrim’s Progress“ und in der Uebersetzung f „miN robn 'd", Der Ueversetzerj „n3J>n 1'NN" silgt | von demselben in der Vorrede: O'NIN'N ay hn nnm1? CD-unon D"rm Dmv run \ in "iind nvj mia id ^>N1^' rvo1? um m jj niDDio nrn mon hn nrn , rrns dj erb rmt> | )ie6d lnw p'nyn1? ypn i^pDi , d’Tin d'-dd | btyn ~idud erb djwi O'iM'N 'ijjdü’ ixv'? , nmy M jj rbar "pni , mia no , rmsran rra uw j /]idj nn D~pD ©“nbi una d1? id nhd!?), njn d-n nnrf> ) piyi boy nNK’1? , D^iyn mon mm1? ro' b^ J ."ndd D^iyn mpnD man id hn ns£i ntra j Also die Vorzüge der christlichen Moral und Sitttyj setze, hier in einer dialogisirten allegorischen Form dargeM, j sollen das bewirken, was die biblische Phantastik und M-i- | lyptik bis jetzt noch nicht vermocht hatten. Ist nun aber die 1 christliche Moral eine andere als die jüdische? Hat der Stis- ) ter des neuen Bundes seine Moral- und Sitten-Sprüche, die j den Kern seiner Religion ausmachten, nicht aus derselben Lej bensquelle — der heiligen Schrift und der Tradition — geschöpft, die den Israeliten noch heute die Kraft und Ausdauer jj veleihen, nicht abzuweichen von den Worten des Bundes, bei: | Gott am Horeb schloß, und ein „jüdischer Bruder" glaubt, | durch ein solches Machwerk, das wir tausendmal besser in älj teren und neuern Schriften besitzen, das Werk der Bekehrung t 6n masse bewirken zu können? Wozu bedarf es überhaupt, \ könnten wir weiter fragen, der Schriften und Traktätchen, die Wahrheiten das Christenthums zu verbreiten, hat doch die gepriesene christliche Liebe ganz andere Waffen und Wurfgej schosse, welche die geschlossene Phallanx des Iudenthums zum t weichen zu bringen vermöchte? Sollen jene Traktätchen etwa z wirksamer als die Entziehung bürgerlicher Rechte, als die : vielen Ausnahmgesttze, die noch immer Deutschlands Gejchj Hebung schänden, sein? Allein wir und die Missions-Gesellj schäften wissen wohl, daß Haß und Verfolgung, Lüge und Ver-! laumdung zunächst auf den intelligenten, gebildeten Theil der Israeliten wirkt; denn diese'fühlen am Meisten die drückende j Hand, welche sie zurückstößt von der Theilnahme und Milj Wirkung am öffentlichen Staatsleben, die ihren erworbenen