Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 6 (6.2.1844)
- Date
- 1844-02-06
- Page
- Spalte 89-90 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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89 Studien. Geschichte der Samson'schen Freischule zu Wolfenbüttel. 90 e. Aeußere Einrichtung, Pflege, Erziehung (Unterricht und Disciplin). Das Lokal der S. Fr. Sch. besteht aus jenem altern die eigentliche Wohnung der Lehrer und Schlafkammern der Schüler enthaltenden Gebäude"), an welches sich ein Nebenhaus mit Synagoge und Speisesaal anschließt; so wie aus dem neuern 1821 erbauten Schulhause mit zwei großen Klassen, einem zur Bibliothek benutzten Saale, einem Waschhause und verschiedenen Lehrerstuben. Aus dem Speisesaale gelangt man in einen Garten, der eine kleine Turnanstalt und eine Kegelbahn enthält. Dies Lokal, in der neuesten Zeit vielfach verbessert, entspricht jetzt einigermaaßen der im Verhältnisse ge- £' ringen Anzahl der Zöglinge. Die Lehrzimmer sind freundlich ö' und groß, die Schlafkammern luftig und sehr gesund "), der l Hofraum mittelmäßig groß. Nur für die körperlichenUebun-; gen bei ungünstiger Witterung fehlt ein paffender (verdeckter) f Raum, sowie eine Vorrichtung zu Bädern in der kalten Jah- I reszeit"). Die Oberaufsicht über die Gesammterziehung der Kinder, r über sämmtliche Gebäude und Utensilien der Anstalt hat der l. Inspektor53) zu versehen. Er ist ebenso Direktor und b essrer Lehrer") wie Hausvater, hält (außer Betten und Schulgeräthen) das ganze Jnventarium nebst Heizung und ch Erleuchtung auf eigne Kosten, empfängt die Meldungen zur |- Ausnahme neuer Zöglinge") und sendet die Expektantenlisten, I Ccnsuren, Originalrechnungen rc. dem Administrator zu, dem k a' für seine Amtsverwaltung verantwortlich ist. K | Dem Inspektor zur Seite und seiner Direktion untergekordnet steht ein zweiter Lehrer"), der seit Joh. 1842 § die bisher allein geführte unmittelbare Aufsicht über die Knaben mit dem dritten Lehrer theilt, die Bibliothek verwaltet und den Direktor in dessen Abwesenheit zu vertre- § ten hat"). ¥■ 50) Dem ehemaligen Bet Ha-Midrasch. | 51) 5 zum Theil sehr geräumige Kammern (2 heizbar^ |!ür 19 Knaben und 2 Erwachsene. | 52) Auch diesen Mängeln wird die Administration in ihi cec fo thätigen Fürsorge gewiß bald abhelfen lassen.. | 53) S. M. Ehrenberg seit 1807. k 54) Die Zahl seiner Unterrichtsstunden betragen wöchentt lich 22. f 55) Die wesentlichsten die Aufnahme der Freischüler be-? senden Bestimmungen habe ich im Anhang 1U zusammens gestellt. b 56) Seit Ostern 1835 der Vers.-der vorliegenden Dar- ' stellung. l; Seine Vorgänger waren die 3 in der S. Fr. Sch. selbst j gebildeten: j 2. Zunz aus Detmold 1810—15 (jetzt Dr. phil. und | Seminardirektor in Berlin). j D. Haas aus Peine 1817—23 (gest. 1839 in Brüssel). M. Emanuel aus Halberstadt 1823—35 (jetzt Prij ^igelehrter in Berlin).!- ,v 5"0 Die Zahl seiner regelmäßigen Schulstunden beträgt j A ln jedes Woche. Der Unterricht in der feit Ostern 1838 eingerichteten dritte n (Vorbereitungs-) Klasse für Anschauungsübungen, Rechnen, Geographie, deutsche und hebräische Sprache ward im Anfänge, theils von dem zweiten Lehrer, theils von einigen im hiesigen Schullehrerseminare") gebildeten jungen Männern versehen ")* Zu Johannis 1843 trat ein ordentlicher dritter jüdischnr Lehrer ein, der hauptsächlich den Unterricht in der Elementarklasse und die Aufsicht außer den Lehrstunden zu besorgen hat"). Außerdem sind Privatlehrer für Geographie, (Kl. 1) Technologie, Schönschreiben, Singen"), Zeichnen") und Französisch 63) (Kl. 1) angestellt"). Sämmtliche Lehrer streben demselben Ziele zu, möglichste Ausbildung der körperlichen und geistigen Kräfte der Knaben innerhalb der für sie passenden Sphäre, und mit vorzüglicher Berücksichtigung der Individualität jedes einzelnen Kindes. Deshalb werden nicht blos das Unterrichts- und Erziehungswesen im 2(llgemeinen, sondern auch die Methoden des Unterrichts und die Behandlung jedes Zöglings häufig besprochen, und in steter freundlicher Eintracht wird ein Zusammenwirken erzielt, das nur den wohltätigsten Einfluß auf die Jugend ausüben kann. Zwei Lehrer schlafen unter den Knaben und nehmen abwechselnd an ihren Spielen und Spaziergängen Theil. Die größte Regelmäßigkeit und Ordnung in der ganzen Lebensweise ist Haupterforderniß jeder Er- 58) Der freundlichen Bereitwilligkeit, mit welcher der Direktor desselben, Hr. Ludwig, die S. Fr. Sch. unterstützt hat, sei hier öffentlich der innigste Dank gezollt. 59) Der Praparand Wolf Ost. bis Mich. 1838. — — Knolle Mich. 1838 bis Neujahr 1842. (Derselbe ward bei einigen durch Krankheiten hervorgerufenen Unterbrechungen von dem Seminaristen Becher, Grade und Beck ersetzt.) 60) I. Rosen thal, gebildet in dem Seminar zu Hildburghausen. Seine regelmäßigen Unterrichtsstunden belaufen sich auf 19. 61) Kantor I. H. D. Lohmann wohnte von 1815— 1817 in der Anstalt und unterrichtete anfangs auch in deutscher Sprache und Geschichte, später nur im Schreiben, Singen, Technologie, Geographie und Naturgeschichte, hat aber seit Mich. 1843 auch den Unterricht in den beiden letztern Lehrgegenständen abgegeben; Naturgeschichte an den dritten Lehrer, Geographie an den Informator Keck. — SeineVorganger waren: Kantor Nicolai 1807—8, Informator Lohmann 1808—10 (jetzt Prediger), Subkonrektor Buchheister 1810—15, unterrichtete Mathematik bis 1823 (jetzt Konrektor am Gymnasium). 62) Maler Thies seit 1831. Vor ihm: Mag. Bodenstein 1812-14, Maler Schröder 1614-25 (gest.), Maler Kohle 1825-^31. 63) Sprachlehrer Klügel seit 1831. Vor ihm Kand. Lindemann 1810 — 20 (gest.), Gymnasiallehrer Krämer 1820-31 (jetzt Prediger). 64) Den Unterricht in der einen Rechnenklasse versah einige Zeit (etwa 1815 16) der jetzige Stadtbaumeister Köllsch in Braunschweig. — Ueber den Talmudunterricht s. oben.