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Der Orient · 1844-02-06 · 6 (6.2.1844) · p. Spalte 85-86

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
6 (6.2.1844)
Date
1844-02-06
Page
Spalte 85-86 (sequence 3)
Language
German
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86 Studien.- Geschichte der Samson'schen Freischule zu Wolfenbüttel. I Sch. und des Inspektors die innigste Theitnahme vielerSchü- $ (er und Freunde des Instituts von Nah' und Fern sich aus- P gesprochen hatte, so konnte der Administrator im I. 1836 | mit wahrhaft erhebendem Gefühle auf das vollendete halbe!S Säculum seit Stiftung des ersten Bet Ha-Midrasch zurück- Men; denn die Samson'sche Freischule, obgleich von mensch- I lichcn Schwächen nicht frei, hatte in intellektueller, religiöser uni) selbst politischer Hinsicht viel geleistet, und ibr Einfluß erstreckte sich mittelbar weit über die Grenzen ihres scheinbaren Gebietes hinaus*-). Daß es auch an Anfeindungen nicht fehlen würde, ließ . sich erwarten 43), sie beschleinigten wohl nur die Ausführung | sangst gefaßten Entschluffes der Administration, jüngern I\ Händen die Verwaltung der Stiftungen anzuvertrauen und? diese stlbst durch die Kontrolle einer Staatsbehörde den Zu- 5. stlligkeiten des Privatbesitzes zu entziehen.- Das langjährige I Verhältniß zu dem bisherigen Administrator ward mit Wehß nmth gelöst, aber zugleich mit Vertrauen auch dieser letzte ß Vmvaltungsakt des würdigen Vorgesetzten von dem Personal | Hx S. Fr. Sch. angenommen. Der von der Regierung anß erkannte, mit den Rechten einer Korporation belichene„S a m- % son'sch e Le gaten fonds" kam demnach im Jahre 1840 | unter die Administration dreier Familienglieder, der vvi. | jurr. M. Cohen in Hannover und H. Jakobson in jf Berlin und des Kaufmanns H. Samson in Leipzig, die im f Sinne ihres Vorgängers, aber mit frischer, rüstiger Kraft f. fortzuwirken begonnen haben. Die S. Fr. Sch. wird von ü- 42) Nicht als persönliche Osteittation werde es angesehen, f: trenn einige Thatsachen (die überdies noch sehr vermehrt werden könnten) zum Beweise des Gesagten zur Oeffentlichkeit ■ gelangen. Daß die Lehrer der S. Fr. Sch. theils im freundlichen Verkehr mit ihren christlichen Kollegen standen, theils f. überhaupt eine geachtete, bürgerliche gesellschaftliche Stellung f von jeher entnahmen, ist nichts Auffallendes. Aber wie sie E hier schon gegen manches rostige Vorurtheil zu kämpfen im | Stande waren, so bot sich auch nicht selten Gelegenheit dar, | nach Hähern Sphären hin zu wirken.. Unter Anderm verlangte g und empfing der verstorbene Abt Knittel im Jahre 1819 von | dem Inspektor einen Bericht an das Konsistorium über den |; Zustand der jüdischen Schulen im Herzogthume Braunschweig, k Eben so infpicirte der Inspektor im December 1830 auf den i Wunsch des Schulvorstandes der jüd. Gemeinde zu Braunf schweig den -Religionsunterricht in der dortigen Schule und | ttstattete einen genauen Bericht darüber. So ist im Anhang | 1 erwähnt, daß sich oie Konfirmationen auch auf die Kinder | der hiesigen Gemeindemitglieder erstreckten und dadurch vielftch die religiösen Begriffe aufklärten und erhoben. | 43) Die Dankbarkeit und Pietät gegen Lehrer und Wohl- | lhater ist ein schöner Charakterzug im jüdischen Leben; und jo fatibtg soll es anerkannt werden, daß nur wenige der ehe- | malige Zöglinge der S. Fr..Sch. zu den Theilnehmern solcher | Auffindungen gehört haben. Nie aber konnte der Undank | ^uünistrator und Lehrer wankend machen, in den thätigen 0 Beweisen der Liebe selbst gegen die, welche in der Seele eines jeden Andern das Spiegelbild ihrer eigenen Schwäche zu j: erblicken wähnten und sich nicht scheuten, dem uneigennützigs uen Streben egoistische Zwecke unterzulegen. ihnen auch jetzt noch als wichtigster Theil des Legatenfonds anerkannt, sie hat von ihrer Selbstständigkeit nichts verloren, an äußerer Sicherheit viel gewonnen. Mt diesen Worten stehen wir schon inmitten der Gegenwart und treten aus der Geschichte über zur unmittelbaren Anschauung. Ist es mir daher gelungen, in den bisherigen Abschnitten eine geschichtliche Uebersicht der verschiedenen Stadien in der Entwickelung des Instituts zu liefern, so möchte ich in dem Folgenden ein Totalbild der S. Fr. Sch., in der aus der Vergangenheit entwickelten Gegenwart dem Leser vor Augen stellen. 4. Die Gegenwart. Eine rein objektive Darstellung der Zeitgeschichte ist bekanntlich ein gar schwieriges, vielleicht unmögliches Unternehmen. Mit dieser Erklärung entsage ich zugleich der Unparteilichkeit in dem folgenden Abschnitte und mache nur auf das Vertrauen Einspruch, daß ich nach meinen Kräften mit Bewußtsein die Wahrheit sage, und daß verhehlte Mängel der Anstalt zugleich Mängel in meiner Einsicht beurkunden. Die Gegenwart rechne ich historisch vom Jahre 1840 an, werde aber häufig die Vergangenheit mit in den Zusammenhang bringen müssen. a. Zweck und Beruf der S. Fr. Sch. Es sei mir hier gestattet, einige einleitende Worte vorauszuschicken, die wohl dazu beitragen können, den richtigen Gesichtspunkt für alles Folgende festzustellen, allerdings jedoch nur als meine Privatansi'cht anzusehen sind. Die Frage, ob Erziehungsanstalten überhaupt nothwendig sind, liegt so nahe, daß ich sie vor Allem erörtern müßte, wenn nicht eben die große Anzahl derselben in allen civilisirten Staaten sich als Lhatsache geltend machte und das Bedürfniß offenbarte. Ob dieselben aber absolut wünschenswerrh sind, ob sie die Erziehung des elterlichen Hauses, die Liebe der Mutter, die tausend Bande, durch welche die Kinder an Geschwister und Verwandten geknüpft werden, ob sie endlich den Verkehr mit Nachbarn und Freunden ersetzen können, das sind bedeutungsvolle, nicht mit kurzen Worten zu erledigende Fragen. Was sollen wir es leugnen? Die Erziehungsanstalt ist in der That nur ein schwaches Surrogat für das Elternhaus, wenn dieses seinen wahren Beruf erfüllt. Aber gerade in dem „wenn" ist der entschiedene Lebensgrund einer Erziehungsanstalt für Knaben 44j ausgesprochen. Der Knabe wird vom Vater erzogen; wer weiß es aber nicht, wie gewaltig die Geschäfte des Bürgerberufs den Mann umdrängen, wie wenig Zeit, wie wenig Fähigkeit er noch öfter besitzt, seine Kinder selbst zu erziehen; wie sogar häusliche, lokale Verhältnisse die Annahme eines Hauslehrers oft verhindern? Was bleibt den für das Wohl ihrer Kinder besorgten 44) Mädchen sollten nie aus dem Familienleben hinaustreten, wenn die Noth sie nicht zwingt. 6 *

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