Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 6 (6.2.1844)
- Date
- 1844-02-06
- Page
- Spalte 83-84 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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83 84 Studien. Geschichte der Sarnson'schen Freischule zu WolfenLüttel. Daß unter so eigenthümlichen Verhältnissen von einem festen Plane für das Ganze, einem klar ausgesprochenen Ziele, bei den verschiedenartigen Elementen, die zu vereinigen waren, nicht die Rede sein konnte, liegt auf der Hand. Religiosität, eine moralische Grundlage und möglichst hohe Ausbildung ward angestrebt und, wie der Erfolg zeigt, auch vielfach erreicht. Fast 30 Kinder waren schon für das bürgerliche Leben gebildet. 3. Feste Gestaltung und erneuerte Blüthe der F r e i s ch u l e. 1816 —1840. Kaum war das Kriegsgetöse verhallt, das Vertrauen wiedergekchrt , so blühte die Samson'sche Freischule von Neuem auf und galt seit dem I. 1816 als ein Asyl für die Erhaltung des väterlichen Glaubens. Von allen Seiten kamen Bitten um Aufnahme in die Anstalt. Schon 1816 konnten wieder 12 Freischüler ausgenommen, und deren Zahl wuchs 1820 bis auf 17 "). Längst war das bisherige Lokal als zu beschränkt anerkannt; man hatte daher schon 1811 einige Stuben des Nachbarhauses in Miethe genommen. Aber auch dies genügte nicht einer Anzahl von 25 Knaben und den Anforderungen der Neuzeit. Durch die unter der rechtmäßigen Negierung nachbezahlten Zinsen und durch weise Sparsamkeit sah sich der Administrator in den Stand gesetzt, in den Jahren 1820 und 1821 einen großen Anbau vornehmen zu lassen, der freilich bedeutende Vortheile gewährte, aber dennoch nicht ganz den gehegten Erwartungen entsprach und so sehr den ursprünglichen Kostenanschlag überstieg, daß die Zahl der Freischüler nochmals auf 14 verringert wurde, dann aber sich bis auf 19 (eine kurze Zeit sogar 21) wieder hob 36). — Durch das Gefühl der Sicherheit in den politischen Zuständen und die regelmäßige Auszahlung der Zinsen ward nun das richtige Gleichgewicht zwischen Freischülern und bezahlenden Zöglingen hergestellt. So unverkennbar der Vortheil ist, den die Vermischung der Kinder armer und reicher Eltern den Schülern und der ganzen Anstalt gewährt, so fest ward 34) Für die Juden nur das Vertrauen auf Ruhe; die für Deutschlands Freiheit gekämpft und geblutet, sahen sich plötzlich als Fremde behandelt und aller der Rechte beraubt, die ihnen sogar die Fremdherrschaft gewährt hatte. 35) Die Schule hatte 1816: 12 Frschler, 6 Pens., 2 Halbpens. *) 1817:12 — 8—2 — 1818: 16 — 7—2 — 1819; 16 — 8—1 — 1826: 17 — 4 — — — *) A n m e r k. Hat b p e n si o n ä r e sind Knaben, welche eine mäßige Summe als Kostgeld bezahlen, sonst aber als Freischüler gelten. 36) Vom I. .1821—29 schwankt die Zahl der Freischüler zwischen 14 und 16, die der Pensionäre zwischen 4 und 6; seit 1830 sind stets 19 Freischüler und 1—2 Pens. von jetzt an darauf geachtet, daß die Pensionäre nie das Uebergewicht erlangen konnten , ihre Zahl daher nie bis zur Hälfte der Freischüler-Zahl stieg. — Ebenso fest ward überhaupt das Ziel in's Auge gefaßt, das die S. Fr. Sch. erreichen sollte. In dem ersten Jahrzehend unsers Abschnittes zeigte sich nur noch ein Schwanken zwischen dem Anstreben nach höherer Gelehrtenbildung und der Vorbereitung für die mehr praktischen Geschäfte des bürgerlichen Lebens. Beides suchte man zu erreichen; viele Knaben besuchten das Gymnasium, der Lehrplan blieb mit Unterrichtsfächern ange-! füllt37), dem Talmud waren noch 10 Stunden gewidmet,! und aus der Anstalt ging eine nicht unbedeutende Anzahl! Gelehrter hervor, von denen einige wieder sogleich als Lehrer! in der S. F. Sch. benutzt oder auswärts angestellt wurden,! .Andere sich zu Aerzten heranbildeten, noch Andere aber nach j vollendeten Studien traurig vor der verschlossenen Baba \ des Staatsdienstes standen und — oft nach schweren imiern j Kämpfen — zur herrschenden Religion oder zu einem andern j Stande übertraten. Die geringe Aussicht auf eine verbes- | serte Stellung der Juden in Deutschland^), so wie die 1 Ueberzeugung, daß es besser ist, einem Ziele intensiv j mit allen Kräften nachzustreben, als sich über viele Gej biete auszubreiten und — die körperliche Bildung hinterher j geistigen zurückzulassen, führte die S. Fr. Sch. zu tem jj Standpunkte einer jüdischen h ö h e r n Bürgerschnle, | dem sie seitdem im freudigen, frischen Weiterstreben treu gej blieben ist. Nur ausnahmsweise ward den hervorragende!! | Talenten ") der Besuch der Gelehrtenschule gestattet. Satem | und Griechisch verschwanden von dem Unterrichtsplane, die I Talmudstunden wurden verringert und fielen zuletzt gm; j aus 4°); dagegen wurden Technologie und Naturgeschiche | eingeführt, die Schreib- und Rechnenstunden vermehrt, unb J neue Methoden verdrängten die alte Lehrweise41)* * Nainciu- | lich aber gewann seit 1823 die zweite Klasse an R cum, | indem die Trennung in zwei Klassen vollständiger durchsjj führt und ein bestimmter Lehrer für dieselbe angestellt wurde. j Durch diese durchgreifenden Veränderungen ward die jj Wirksamkeit der S. Fr. Sch. allerdings in engere Schmu; ken eingeschloffen; desto schöner aber gedieh sie innerhalb ihres j bescheidnern Kreises; und wie schon i. I. 1833 bei der (zu- * fällig etwas verspäteten) 25jährigen Jubelfeier der S. Fr. 37) Einen Stundenplan aus dem Jahre 1818 p iw Anhänge. 38) Die neueste Zeit bringt auch den Juden Menschenrechte wieder in Erinnerung, vielleicht wird die freudige Hosinung zur Wahrheit, daß wenigstens die konstitutionellen Staaten bald dem schönen Beispiele Kurhessens folgen werden. 39) Und den Pensionären auf besonderes Verlangen. 40) Im Jahre 1841 nach dem Absterben des alten Talmudisten. Der Talmud würde jedoch, in dem Falle wieder eingeführt werden, daß das Bedürfniß einzelner Schüler es erforderte. 41) Manches hierher Gehörige wird der folgende Abschnitt im Zusammenhänge bringen.