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Der Orient · 1844-02-06 · Heft 6 (6.2.1844) · p. Seite 47

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 6 (6.2.1844)
Date
1844-02-06
Page
Seite 47 (sequence 13)
Language
German
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47 und abgöttischen Verehrung sich zeigte, haben Sie selbst, weit besser als ich vermöchte, und zum Lheil in der vorliegenden Schrift dargethan. Eben so treffend beleuchten Sie auch das Unlogische in Bauer's Diatriben gegen meine Betrachtung der Juden als „Wahrheitskämpfer." Gewiss d:e Wahrheit, für welche die Juden Jahrtausende lang kämpften und duldeten, ist "keine Privatwahrheit, und wenn auch eine alte, doch gottlob keine veraltete; vielmehr hält sie, als Kern aller in der civilisirren Welt bestehenden Religions- und Sittengesetze, noch immer siegreichen Stand gegen die allerneuesten Wahrheiten,, die wir durch Bauer und seine Anhänger „erst gekriegt haben." Gesetzt aber, das Judenthum sei dem Parsenthum vergleichbar, der reine Monotheismus mit seinen Lehren der Gerechtigkeit und Liebe und, seinen glorreichen Kämpfen gegen Molochthum, Baalthum, Heidenthum aller Aet, eben nicht mehr als ein Jrrthum anderer Art gewesen, und reducire sich auf eine subjektive oder Privatwahrheit: erschiene darum der Dulder für eine solche in sittlichem Betracht minder ehrwürdig? Und bedürfte es, um einem Columbus oder Galilei sittliche Grosse zuzuerkennen, der Bewährung ihrer Sätze, oder genügte es nicht vielmehr, schon an ihren kühnen Kämpfen für dieselben? Ob die von mir angeführten Männer schöpferisch in die ' Geschichte der Menschheit eingegriffen und Entdeckungen gemacht haben, „die uns die Gesetze des natürlichen und geistigen Universums enträthselt haben oder nicht," darüber dürfte wohl das Pubklikum minder befangen und flüchtig als B. B., wohl auch anders urcheilen. Es ist eine in Qualität und Quantität hochachtbare Versammlung Abgeschiedener aus alten Zeiten und noch jetzt Lebender, und auch außer den darun- - (er von Ihnen Angezogenen noch so Mancher, von dem sich ■ solches Verdienst nur mit unglaublicher Vermessenheit lostrennen lässt. Und dennoch bin ich mir der Unvollständigkeit dieser Liste, wie sie bei meinem Standpunkte sich ergeben mußte, gar sehr geständig. Aus den seither nachträglich dar- .. über gesammelten Notizen will ich lediglich einen Passus aus einer kleinen in der Ferne wohl wenig bekannten Schrift an- ' führen, die sich eben so im schlagenden Gegensätze zu der Bruno Bauer'schen Behauptung befindet, wie sie zu,mier nicht minder animostn gestellt ward. In der außerordentlichen Beilage zur Lst. med. Wochenschrift No. 38 Jahrg. - 1842 heißt es gegen Proft Rosas: „Nicht wir, mehrere griechische Schriftsteller, ja sogar mehrere christliche Kirchen- - väter behaupten, daß die Wissenschaften von den Hebräern ausgegangen sind. So z. B. sagt Hermippus, ein von Origeneo angeführter griechischer Schriftsteller, in seiner Biographie des Pythagoras, dieser Philosoph habe einen Lheil der Lehre, ' welche er nach Griechenland gebracht, von den Juden entlehnt. Numentius, ein Pythagoräer, sagt nach dem Zeugnisse des Kirchenvaters Eusebius (Praep. Evang. 1, 9) von Plalon:" Er war der atheni enfische Moses. Tatian (im 2ten Jahrhundert vor CH.) bewies in seinem Werke, 8 daß' die religiösen Vorstellungen der griechischen Weltweisen und ihre Ansichten aus der Quelle der mosaischen. Schriften abgeleitet, aber von denselben verfälscht wurde. Doch beschränkt Tatian seine Behauptung des Zusammenhangs der griechischen Philosophie mit der heil. Schrift der Juden auf die Religion. Sein Lehrer Justin dev Märtyrer, der im 89. Jahre n. CH. zur Welt kam, in der stoischen und pythagoräischen Philosophie unterrichtet war,, und dann die christliche Religion annahm, behauptet sogar (Just. Mart. Cohort. ad Graecos), dass alle philosophischen Kenntnisse .der Griechen überhaupt aus den Schriften der Juden abstammen. Eben dies war die Meinung des Kirchenvaters Clemens von Alexandrien (Admonit. ad Glentiles). Ihm ist Platon ein Schüler der Hebräer und nach seiner Meinung stammen die vornehmsten Lehrer der griechischen Philo s o p h i e von den Juden her. „Unter den Neuern äußern sich' aber Männer wie Buhle, Tiedemann, Tennemann u. a. m. im ähnlichen Sinne. Endlich habe ich mit weiterer Anerkennung der gewichtigen Belege zu erwähnen, die Sie zu meiner Behauptung, ein entdecktes Christenthum sei eben nicht schwerer als ein entdecktes Judenthum zu schreiben, so angemessen darbringen. Doch kann ich hierbei den Wunsch nicht unterdrücken, daß Niemand — wenigstens aus unserer Mitte — sich zu solchem ungeeignetem Versuche verleitet finden möge, und es vielmehr christlicher und jüdischer Seite aus die Entdeckung abgesehen werde, die früher angezogene Identität in den Sitten und Moralgesetzen wahrzunehmen, als welche uns zum mindesten gegenseitige Anerkennung, Achtung und Liebe zuführen müsste, und den Tag in größere Nähe rücken würde, da die Gottesverehrung die Eine und Allgemeine seyn soll! Und nun, geehrter Herr! muss ich wie beim Eingang so, indem ich mich Ihnen beurlaube abermals, gegen Koneessivnen protestiren, die Sie in Erörterung der mein Buch betreffenden Stellen glauben, machen zu müssen, und zwar in dem Abschnitt, welcher die Überschrift: der Jude in dem absolutistischen Staate trägt. Ganz so wie Sie es zusammenfassen, will B. B. die Juden belehren, daß ihrem Elend nicht eher abzuhelfen sei, als bis das Elend überhaupt geschwunden, d. h. bis das Princip des absolutistischen Staats gestürzt ist. In diesem habe Niemand wesentlich ^Staatsbürger rechte, nicht der Jude allein sei mit außerordentlichen Lasten beschwert, und in verschiedenen Provinzen verschiedenen Gesetzen unterworfen, nicht sein Kultus allein besteuert, auch die Christen müssten zur Erhaltung der Kirche steuern, sich taufen und geistlich für die Ehe einsegnen lassen, und wären somit, wennsie auch in keinem Verband mehr mit der Kirche stehen, gezwungen, religiöse Akte zu begehem u. s. w. Woraus Sie geehrter Herr, sich vernehmen lassen: „Wenn wir auch an der Wahrheit aller dieser Aeußerungen nicht zweifeln, und es schmerzlich empfinden, daß wir an unfern christlichen Mtbrüdern so viele Leidensgefährten haben,

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