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Der Orient · 1844-02-06 · Heft 6 (6.2.1844) · p. Seite 46

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 6 (6.2.1844)
Date
1844-02-06
Page
Seite 46 (sequence 11)
Language
German
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Worte über den Zweck dieses Festes gesprochen, die Toaste auf das Wohl I. I. K. K. Maj., des alLerdurchlauchtigsten Kaiserhauses, und des durchlauchtigsten Erzherzog-Landes-Chef's aus, welche mit einem .einstimmigen, stürmisch wiederholten Lebehoch! in allen 3 Sälen beantwortet wurden! Hierauf brachte unser würdiger Herr Vorsteher Landau dem anwesenden Herrn Hofrath und Stadt-Hauptmann, Edlen von Muth, und dem Herrn Appellations-Rath und Bürgermeister Z. Müller ein Lebehoch! welches Ersterer dadurch erwiederte, daß derselbe einen Toast auf die ganze jüdische Gemeinde und ihre Vertreter, ausbrachte. Innigst ergriffen von solch' seltener Eintracht spendete der anwesende Fabrikant Herr Ignatz Leederer 50 ff. C.-M. für christliche und jüdische, und der ebenfalls anwesende Herr David v. Tritsch 25 - ff- C.-M. zur Bekleidung jüdischer Armen. Am Schluffe wurden jedem der 250 Bewirtheten, durch den sammtlichen israel. Handlungsvorstand, und zwar Herrn H. L. Kuh, Ernst Weh li, Gottlieb Wehl'i, Wolfgang Löwen feld, und Ezechiel Kuh, 20r C.-M. auf die Hand gegeben. So endigte ein Fest der Huldigung treuer Unterthanen, so endigte ein Liebesmahl, das keinen Glaubens- Unterschied anerkannte, so endigte ein Fest brüderlicher Eintracht, an dem schon jetzt sich das Wort des Propheten bewahrheitet: „Es wird dem Licht anbrechen, wie der Morgen, unb dein Heil bald emporsprießen." Offenes Sendschreiben an Herrn Doktor Gvtchold SaloMVN, Prediger in Hamburg. Von dem Verfasser des Werkes: Die Juden in Oesterreich» (Schluß.) Und welch' ein schlagenderes Zeugniß gäbe es denn gegen die Verächter und Verläumder der jüdischen Doktrinen, als eben dasjenige christlicher Kirchenfürsten, die sich von vorherein zu politischen Gegnern der Juden stempeln, und läßt es sich verkennen, daß noch jüngst als man sich nicht entblödete, die gräßlichste Blutschuld auf das Iudengesetz zu laden, eben auch das Zeugniß christlicher und christlich gewordener Theologen als das vollgültigste zur Abwehr erschien? Wo würde also selbst im fälschlich angenommenen Sinne, hier das Lächerliche, Schwache oder gar Erniedrigende stecken? Und wie wenig paffend sich hiernach der Vergleich herausstellt: „als ob die Sonne sich von den Planeten, die sich uiu^dieselbe bewegen ein Attest wollte ausstellen lassen, daß sie die Urquelle des Lichtes sei und von ihrem Lichte allen Wandelsternen mittheile," so ließe sich darauf eingehend noch immer bemerken, daß in so lange die Planeten sich wirklich bisher mehr mit Untersuchung der an der Oberfläche der Sonne sichtbar gewordenen Flecken als mit Erwägung des Lichts und der Wärme, die sie aus ihr schöpfen, beschäftigt hatten, ein derartiges Attest gar nicht so überflüssig erschiene, am wenigsten aber, wenn die Sonnenbewohner sich auf irgend einem Planeten etwas auszuwirken vorhätten. Möchte übrigens der Lag bereits herangebrochen sein, wo wir in unserm allgemeinen Wandel eben so unverkennbar als Ausströmungen unseres Gesetzes wie Licht und Wärme als die der Sonne erscheinen! Und nun verehrter Herr, darf ich wohl gewärtigen, daß Sie nicht länger auf Aeußerungen bestehen werden, die Ihrer und meiner unwürdig sind, — in denen aber (und dies zu meiner jedenfälligen Beruhigung in Verhältnissen, die nur eine solche gestatten) sich eine sehr achtbare Klasse unserer Glaubensgenossen involvirt fände, indem es im Vorwort zu den Debates in the House of commons fov removing the civil disabilities of the jews, London 1834, Seitens des herausgebenden Komitees des Emancipationsvereins in England heißt: „The jews xviLI be satisfied to rest their character as men and as citiyens on the testimony, ■which. an honourable feeling of candour has wrung front their opponents (see in particular the speeches of the Archbishop of Canterbury and of the fiishop of London.) Ich erlaube mir, aus diesem Anlaß noch Einiges Ihren mir übrigens sehr schätzbaren Entgegnungen der Bauer'schen Einwürse gegen mein Buch anzufügen. So finde ich unter dankenswerther Anerkennung Ihrer Schutznahme des aufgestellten Satzes, man habe bei den Verordnungen gegen die Kananiter zwischen dem Stand des Gesetzgebers und der weitern Ausbildung des Volks zu unterscheiden, doch noch einen Moment hervorzuheben. Bauer stützt nämlich seine Einwendungen auch darauf, daß die angegeführten Anordnungen gleich andern Gesetzen aus dem Volksleben und Volkscharakter hervorgegangen sein müßten, was einmal im Widerspruch zu seinen spätem Behauptungen steht, jedenfalls aber nur eine halbe Wahrheit ist. Denn wie hätten die weltberühmten Gesetzgeber sich zu ihrer gefeierten Größe emporschwingen können, wenn sie au Niveau ihrer Zeit geblieben wären? Ein Moses, ein Lykurg, ein Solon, ein Konfucuis haben sich alle über die Bildung ihrer Zeit erhoben; haben sie aber darum doch in manchen Stücken unterschätzen können, und mußen jedenfalls in vielen von der weitern Volksentwicklung überholt werden: der pragmatische Historiker wird darum den Atheniensern die Milderung der drakonischen Blutgesttze eben so wenig verübeln, als dem jüdischen Volke die der gesagten Anordnungen. Wie wenig aber die Perfektibilität der Gesetzesauffaffung außerhalb des Iudenthums liegt, und wie abhold Moses selbst einer blinden

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