Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 5 (30.1.1844)
- Date
- 1844-01-30
- Page
- Spalte 67-68 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Studien. Geschichte der Sarnson'schen Freischule zu Wolfenbüttel. K7 lichen Vermächtnisse, mehr als 100,000 Lhlr. betragend >), waren zunächst -armen Familiengliedern geweih't, entweder zur Unterstützung der durch Unglücksfälle Verarmten oder zur Ausstattung armer Bräute oder zur Erziehung der Kinder. Den beiden frommen Brüdern Herz Samson (Landrabbiner und Kammeragenten) zu Braunschweig und Philipp Samson in Wolfenbüttel war es Vorbehalten, zu dem letztgenannten Zwecke ein Denkmal zu errichten, das ihre Namen mit Segen auf die späteste Nachwelt bringen wird. Schon gleich nach dem Tode des Samson Gu.mpel -stiftete dessen Sohn Herz Samson, von einem hinterlassenen Legate-seines Vaters, in Braunschweig eine Art Talmudschule mit einer Privatsynagoge, die er jedoch als ein Kloster (Klaus) für jüdische Gelehrte, weniger als Unterrichtsanstalt für Knaben ansah, obgleich auch er sich später oft dahin aussprach, dies Institut (wie auch nachher geschehen ist) mit dem umfassendern in Wotfenbüttel zu verbinden. Denn hier richtete Philipp Samson am 4. Juni 1786 eine talmudische Lehranstalt (&mDn m) ein, nachdem auch er, wie sein Bruder, schon im Voraus (1781) eine Privatsynagoge für sich und das demnächstige Personal seiner Anstalt erbaut hatte. Dieses Bet Ha-Mdrasch ward theils von den Zinsen einiger Vermächtnisse, theils durch Zubußen von seiner Seite erhalten und endlich nach seinem Tode (am 4. Deebr. 1805) testamentarisch für immer fest sundirt. Zehn Jahre später, am 20. Septbr. 1796, nach dem Tode des C. A. Herz Samson, brachten auf dessen vorher ausgesprochen Wunsch seine Gattin und seine Kinder ein bedeutendes Kapital zusammen zur Stiftung eines zweiten Bet ha-Midrasch in einem andern Hause zu Wolfenbüttel, das seitdem selbstständig neben dem ersten in ähnlicher Einrichtung fortbest and. Die Direktion aller drei Anstalten und die Administration der Fonds hatte Philipp Samson bis zu seinem Tode (1805). Dann übernahm sein Schwiegersohn und Neffe, der Banguier Isaak Herz Samson die Administration-) aller Samson'schen Stiftungen, und nach einem kurzen anarchischen Zustande wurden die beiden Wolfenbüttel'schen Institute gänzlich umgestaltet, am 5. April 180^ unter dem Namen S a m so n 's ch.e Frei schule vereinigt und im Jahre 1808 auch das Samson G u m p e l 'sch e Stift hinzugezogen. Nach und nach vergrößerte sich das 'Lokal und die Anzahl der Zöglinge, nachdem der Administrator mit weiser Vorsicht die Kapitalien selbst in den ungünstigen Kriegeszeiten verwaltet hatte. Die Regierung begünstigte die Stiftungen, ließ ihr aber stets ihren Charakter als Privatanstalt, und nicht tief genug anzuerkennen ist die Aufopferung, mit welcher der 1) S. „Armenordnung .für die Stadt Wolfenbüttel" S. 20 f. 2) Anfangs unter Mitwirkung seines Schwagers, des nachmaligen Konsist. Präsidenten Jakobson. S ä m m tliche Mit er den entsagten damals der Theiln aYme an d er Ad min i st ra ti o n. Administrator die Verantwortlichkeit und Mühe so lange Zeit allein trug. Endlich berief derselbe eine aus 3 Rechtsgelehrten seiner Familie bestehende Kommission, übertrug diesen die Anfertigung der Statuten, und gab dann die Verwaltung der Fonds an drei Familienglieder ab, welche drei verschiedene Zweige der Familie repräsentiren sollten. Mit der Bestätigung der Statuten im Jahre 1840 wurden sämmtliche Stiftungen unter dem Namen Samson'- scher Legatenfonds als moralische Persönlichkeit von dem Herzogl. Staats - Mini st er i u m anerkannt und unter die allgemeine Kontrolle des Stadr-Magistrats zu Wolfenbüttel gestellt. Der Samson'sche Legatenfonds erhielt dadurch alle Rechte einer vom Staate anerkannten milden Stiftung, zugleich aber die Befugniß, seinen privativen Charakter im Innern und Aeußern zu bewahren. In der neuesten Zeit (1841 .und 1842) sind der Samson'schen Freischule von 2 altern Lehrern der Anstalt -) eiche kleine Kapitale zugefloffen. Außerdem besitzt das Institut, neben andern Lehrmitteln, eine nicht unbedeutende Bibliothek im talmudischen und pädagogischen Fache, und eine von meinem Vater, dem Inspektor der Schule, aus eignen Mitteln gestiftete und durch Zuschüsse verschiedener Menschenfreunde vergrößerte Sch ulkasse, die zum Besten abgehendcr armer Zöglinge oder zu kleinen außergewöhnlichen Vevgniigungen für die Knaben verwandt wird. II. Innere Geschichte nnb EntwickelrmgSgang der gestifteten Schulen. A. Die Zeit des Bet ha-Midrasch jj (1786—1807). I Wenn ich es unternehme,. hier den Zustand der alten Talmudschulen zu schildern, geschieht dieses natürlich nicht durch eigne Anschauung. Dennoch darf ich meine Worte verbürgen, da sie auf den mündlichen und schriftlichen Berichten 1 einiger noch lebenden Schüler jener Anstalten beruhen*), und j ich keine Mühe gescheut habe, die wenigen vorhandenen Nachrichten und Dokumente, so weit sie mir zugänglich waren, mit Diskretion, aber mit voller Wahrheitsliebe zu benutzen. j Ueber den Zweck und die allgemeine Stellung beider Schulen existiren keine Urkunden. Durch die Revenuen der | oben angegebenen Legate, die größtentheils in alter frommer Weise aus dem Zehnten von der Einnahme entsprangen, stist tere Philipp Samson im Jahre 1786 das erste Bet-! Ha-Midrasch, dessen Direktor er blieb, und das er un- * 3) Den frommen Männern Rüben Polli und Bär B l u m e n t h a l. 4) Mein Vater trat schon 1789 in seinem 15. Jahre in die Anstalt, und meine verehrten Freunde die HH. DD. Jost und Zu nz lebtengetrennt in beiden Stiftungen bis zu deren Umgestaltung.