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Der Orient · 1844-01-30 · Heft 5 (30.1.1844) · p. Seite 39

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 5 (30.1.1844)
Date
1844-01-30
Page
Seite 39 (sequence 13)
Language
German
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39 nimmt, welche größtenteils ersprießlichern Bestrebungen entzogen werden. Da ich von solchen Ansichten hauptsächlich geleitet und mit Vertrauen auf die innere Triebkraft der von mir verfochtenen Angelegenheit eine Entgegnung der Angriffe Hrn. Bauer's auf mein Buch unterließ, so konnte es mir nur willkommen sein, daß Sie, geehrter Herr in Ihrer Schrift; Bruno Bauer und seine gehaltlose Kritik über die Iudenfrage Hamburg 1843, auch jene Aufgabe einzubegreifen scheinen. Zch mußte aber zuvörderst zu meinem Befremden wahrnehmen, daß Sie das Buch, welches Bruno Bauer selbst bedeutend genug erachtet hatte, um ihm einen nicht unerheblichen LheiL seiner Schrift zu widmen, nur aus der letzteren kannten, während es doch zum erstenmal in solcher Zusammenfassung die wenig bekannten Zustände von Hunderttausenden Ihrer Glaubens - und Leidensgenoffen bespricht, und aus diesem Grunde gültigen Anspruch auf die volle Kenntnißnahme eines Mannes Ihrer Stellung hatte. Berührte mich dies auch in persönlicher Beziehung unangenehmer, wenn gleich ich mich über die Aufnahme des Buches in gewissen Kreisen, im deutschen Publikum selbst, und sogar darüber hinaus weit über Erwartung zufrieden gestellt sah: so müßte mein Erstaunen noch ungleich zunehmen, Sie auf die bloße Kunde hin von einigen aus dem Zusammenhang gerissenen Stellen sich Aeußerungen gestatten zu sehen, die bei aller schroff entgegengesetzten Denkart des Antagonisten selbst zu dessen stets urban und gemessen gehaltenen Ausdrucksweise einen seltsamen Kontrast bilden. Es heißt nämlich in Ihrer Broschüre S. 128: „In dem oft genannten Buche über die Juden in Oesterreich" berichtet Bauer, berufe sich der Vers, auf christliche Prälaten, die dem Iudenthum das Zeugniß gegeben haben, daß sein Moral- und Socialgesetz mit dem Moral- und Socialgesetz der Christen Ein und dasselbe sei." „Daß Bauer diese Selbstverlaugnung tadelt und rügt ist das Einzige, worin ich ihm beistimme, denn ich finde sie lächerlich. Als wenn die Sonne sich von den Planeten., die sich um dieselbe bewegen, ein Attest wollte ausstellen lassen, daß sie die Urquelle des Lichts sei, und von ihrem Lichte allen Wandelsternen mittheile. Wenn aber Bauer, in dieser Selbstverlaugnung, deren der moderne Jude fähig sei, (der moderne Jude, als wenn sich alle moderne Juden zu so etwas erniedrigten) eine Argument für das illusorische Judenthum finden will, so ist er wiederum wie gewöhnlich von seiner fixen Idee befangen, die ihn nie zur Wahrheit kommen laßt. Auch selbst noch in diesem letzten Augenblick, wo sich der Jude aufgegeben Zu haben scheint (aufgegeben, weil Einer unter Tausenden die Schwachheit hat, die so eben gerügt ward) erhält es sich (das ist was Bauer illusorisches Iudenthum nennt!) denn eben ll'ne Christen, auf deren Zeugniß er sich beruft, sind (nun kommt die fixe Idee) so unkritisch wie er selber ist u. f. w. Glauben Sie, geehrter Herr: die Ausdrücke „lächerlich und Schwachheit" so fremd und mistönend sie in mein Ohr klingen, würden keine Entgegnung meinerseits provocirt haben, da ich über dergleichen hinaus bin. Bekanntlich ereignet es sich leicht,, daß dem Einen lächerlich erscheint, was dem Andern Xrhaben und heilig, und schwach, was dem Andern wild und gemäßigt, weil diese Begriffe zu nahe an einander ls.a)u/^um nicht gelegentlich verwechselt zu werden. Allein da Sie das Wort Erniedrigung gebrauchen, so würde es mir ehrlos erscheinen, dazu zu schweigen, wenn gleich Ihre eingestandene Unbckanntschast mit mir und meinem Buche eine schnelle Beschwichtigung zuließe. So störend es mir übrigens sein muß, mich von Ihnen an einer so verletzbaren Stelle angegriffen zu sehen, so ist es mir doch hinwieder lieb, dabei Anlaß zu einem Wort zu finden, das mir schon längst auf dem Herzen lag. Wenn ich nämlich schon im Eingänge von der Rücksichtslosigkeit unserer heutigen Polemik sprach, so gilt dies insbesondere von derjenigen, worin wir uns gegen unsere eigenen Kampfesgenossen mit s o großer Selbstgefälligkeit ergehen, daß es den Anschein hat, als sei das Blickenlaffen der Geisteswaffen dabei das Hauptsächliche. Mir erscheint sie sogar Angesichts des Gegners verwerflich, und dem . Gedeihen unserer Sache nachtheilig, und darum will ich, wenn ich-auch manches über das gedachte Buch mir öffentlich geschenkte Lob als unverdient zurückweisen muß, unbescheiden genug sein, nicht ein Gleiches in Hinsicht desjenigen zu thun, das mir über die Erfassung des difficile est satyram non scribere zuerkannt ward. Daß wir selbst aber, umringt von Feinden und Uebelwollenden, wie wir es noch immer sind, mit Behagen unsere giftigsten Pfeile in die eignen dünn genug besäeten Reihen der Mitkämpfer absenden, und Jenen zum willkommnen Spektakel uns von freien Stücken zu einander zerfleischenden geistigen Gladiatoren machen, wie unsere Voreltern gezwungen, es im römischen Circus leiblich thaten: das will mich eben nicht sehr weise und löblich bedünken. Fürwahr 1 wenn wir der Unbill von Jahrtausenden, gleich einer festen und undurchdringlichen Mauer getrotzt haben, so ist von solchem Widerstande viel dem einen Bestandthcile des Mauercements unserer innigen Verbrüderung zuzuschreiben. Golt verhüte, daß da die Haderwasser durchsickern mögen; denn in so lange wir unfern Menschen - und Unterrhanenpflichten genügen, haben wir solchen festbindenden Kitt nicht leichtfertig zu zertrümmern, vielmehr ihn — unbekümmert ob der absichtlichen Miskennung unserer Feinde — zu unfern erlaubten und heiligen Zwecken noch fester zu machen, eingedenk des Großen und Wunderbaren, das unsere Zeit mittelst des Affociationsgeistes hervorrief, das dann auch uns am ersten zur durchgreifenden Verbesserung unserer Zustände nach innen und außen verhelfen dürfte. Wem ich dies sage? Am wenigsten sollte ich es Ihnengeehrter Herr, der Sie ein Geistlicher und Prediger, mithin zur Verkündigung von Liebe und Milde unter uns gewiß mehr berufen sind, als ich der Laie es fein kann; am wenigsten Ihnen, der Sie in Ihrem schätzbaren Buche

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