Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-01-30 · Heft 5 (30.1.1844) · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 5 (30.1.1844)
Date
1844-01-30
Page
Seite 38 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360310-2360316--4335-3530044
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

38 Trotz "dieser Hartnäckigkeit der Kammern im Festhalten des Unrechts, schritt die Gesetzgebung in Bezug auf die Judendennoch vorwärts. Den 28. August 1835 erschien ein Gesetz, daß die jüdischen Gemeinden aus den Geldbeiträgen der Gemeindekassen ihren Antheil.für jüdische Schulen zu erhalten haben, sowie sie auch aus den Gemeindewaldungen ihren Antheil empfangen. Den 24. Juli 1841 wurde den Israeliten aufgegeben, die Führung bürgerlicher Standesbücher, wie bei den Christen, einzurichten. In der Ständeversammlung von 1841 überreichten 68 Israeliten Mannheims eine Vorstellung „um Abänderung der noch beschränkenden Bestimmungen des Gemeindegesetzes viele christliche Bürger Mannheims, sowie der bekannte Verein , petitionirten um die allgemeine und völlige Emancipation. Aber auch dieser Landtag blieb ohne Erfolg und die Judensache hatte kein besseres Schicksal. Die Kammer hatte sich nun ganz in dem Judenhaffe eingesponnen. Desto erfreulicher fährt die Regierung fort, jede Scheidewand zwischen Inden und Christen zu vernichten. Im März 1841 wurde ein jüdischer Jurist, Di'. H. Oppenheim, zum Wirkungskreise eines Privatdocenten zugclassen; Kultus und Schulen werden auf das Liberalste unterstützt, und an Belohnungen des Gewerbfleißes der Israeliten läßt es die Negierung nicht fehlen. Im Jahre 1842 kamen 45 Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu Mannheim wieder der'den Ständen um Gleichstellung oder mindestens Modifikationen einiger den Juden entgegensrehenden Gesetze ein, und, wie schon so oft, bewährte diese treffliche Gemeinde ihre eiserne Geduld in der Forderung ihres Rechts.' In der Sitzung vom 16. Juli verlas der Abg. Züllig endlich den Kommissionsbericht über die Emanciparion der Juden, eben in so dummer, nichtswürdiger und beschränkter Weise und noch dazu so schrecklich langweilig, daß die Mitglieder der Kammer, nach der Flucht der meisten, am Schluffe der langweiligen Vorlesung auf 19 zusammengeschmolzen waren. Schweinefleisch, Sabbat, Aberglauben, Moral und noch viele andere Dinge waren die Gegenstände der peinigenden Langweile und um halb 2 Uhr seufzte der Präsident auf und schloß die Versammlung mit den Worten: das war das Vergeltungsrecht der Juden. Dabei war natürlich die Geschichte noch nicht zu Ende; der Bericht von Züllig mußte doch erst zur Berathung kommen, was auch wirklich im August geschah, während welcher Zeit noch zwei Petitionen gegen die Juden eingegangen. Was übrigens von der Berathung zu erwarten stand, war vorauszusehen, da alles konstitutionelle Leben, alle Beweglichkeit aus dem Ständesaal gewichen war. Endlich erschien der Tag der Berathung (im August) und nachdem Bassermann, Beck, Jung Hans, Rettig, Zittel, Tresurt u. A. mehr oder weniger für die Juden gesprochen, wurde endlich der Kommissionsantrag auf Tagesordnung mit Verweisung auf die Beschlüsse der Kummer seit 1831 angenommen. In der Verhandlung über die Emancipationsfrage hat die Kammer das deutliche Zeugniß abgelegt, daß sie ganz auf den Hund gekommen; denn wie die Beantwortung dieser Frage, so schleicht die Vertretung der heiligsten und wichtigsten Interessen des Vaterlands in absterbender Auszehrung hin; alle haben Phrasen, aber kein Einziger Herz und Muth; der Geist ist gewichen. In diesem Augenblick sind die Vertreter des badischen Volkes wieder versammelt,, die Petition der Mannheimer nie ermüdenden! Gemeinde ist auch erschienen und die Emancipation wird wieder besprochen werden und das Geschwätz zu keinem Resultat führen. Der Vorstand der Gemeinde zu Karlsruhe, der überhaupt aus den schlechtesten, erbärmlichsten Elementen zusammengesetzt ist, hat trotz der Aufstachelung in den öffentlichen Blättern, kein Bittschreiben eingereicht; auch der Oberrath und der von ihm vertretene Vewin schläft, Heidelberg und Dr. Oppenheim ist müßig, LaLenburg und Schwetzingen haben fast an den Landtag vergessen, nur Mannheim, wahrscheinlich durch Anregung des ehrenwerthen Di-. Lad enbür g, ist unermüdlich, wie die wahre Ehrenhaftigkeit es immer ist. Wer seines Rechts vergessen kann, der Hot es nie verdient. Es liegt etwas Rührendes in dem Erscheinen dieser Gemeinde vor den Kammern; seit 13 Jahren fordert sie Jahr für Jahr nichts als ihr Recht und die Kammern, die sich rühmen, die -Gerechtigkeit unter allen Völkern ganz allein zu besitzen, ist taub für die Stimme der Wahrheit. Aber was ist auch aus den Kammern geworden! Offenes Sendschreiben a n Herrn Doktor Gotlhold Stllomon, Prediger in Hamburg. Von dem Verfasser des Werkes: Die Juden in Oesterreich. 8ine ira et odio. Wenn man fm Bewnßtseyn eines redlichen Strebens und in der Genugthuung einer ehrenvollen Anerkennung desselben die stählende Kraft zum Kampfe des Lebens findet, so bedarf es wohl kaum der Verteidigung, sieht man sich eben so unerwarteter als unverdienter Weise an seiner Gesinnung verunglimpft: daß man sich vertheidigt. Doch kann auch nur eine Rücksicht, mächtig bestimmend für einen Mann von Ehre wie diese, mich von dem bisher befolgten Grundsatz abweichen lassen, einer polemischen Zeitrichtung fern zu bleiben, welche so leicht in subjektiver Gereiztheit gerade da ausarten läßt, wo die Würde einer guten und heiligen Sache vorzugsweise Ruhe und Mäßigung zu erheischen scheint, dabei aber eine Zeit und Kraft in Anspruch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.