Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1844)
- Date
- 1844-01-30
- Page
- Seite 37 (sequence 9)
- Language
- German
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37 vor Augen habenwundern sich, und dies mit Recht, warum denn dm Juden des benachbarten Mährens, in Beziehung auf welche die Familiengesetze noch weit strenger gehandhabt werden, keine solche Aussichten geboten worden. Soll wohl der Grund in dem Mangel eines tüchtigen Repräsentanten der mährischen Judenheit gesucht werdend Dies liegt sehr nahe. Denn, Fasset und einige andere mehr oder minder gebildete Rabbiner abgerechnet, wissen die mährischen Rabbiner blos, sich auf dem Felde des Talmuds zu bewegen; für politische Freiheit haben sie keinen Sinn, geschweige denn daß sie etwas dafür wirken sollten. Wie heilbringend wäre es daher für Mähren, wenn es Männer von politischen, bürgerlichen Sinn für sich gewinnen könnte. Doch überlasse ich diese Erörterung einem Andern, der die mährischen Verhältnisse bester kennt*). Geschichte der Jrrdeu-EmancLpatio« in dem Großherzogthume Baden. (Schluß.) Die Beschlüsse der Kammern waren aber dennoch nicht günstiger; auch diesmal wurde, nach langen, zeitraubenden Reden, dieser Gegenstand vertagt. Der fortgesetzte Kampf mit den reaktionären Schritten der Negierung verschlang alles Interesse; die Motion Rotteck's und die fortgesetzte Beschränkung der Verfassung waren das Schibolet des Lages. Bei dem Zusammentritt der Stände am 9. März 1837 wurden 7 Petitionen in Betreff der Emancipation der Juden eingereicht, für dieselbe 4, nämlich, von dem schon erwähnten Vereine, von der Gemeinde zu Heidelberg, der zu Mannheim, und von Dr. Ephraim Willstädter, mit Ueberreichung seiner „Geschichte der Juden"; gegen dieselbe 3. Auch diesmal trug die Majorität der Petitionskommission auf Vertagung an, und dieser Antrag, nebst dem der Minorität, waren in der Sitzung der 11. Kammer vom 15. Juli der Gegenstand der glänzendsten und gefeiertsten Reden. Für die Emancipation stimmten: Wader, Bassermann, Beck, Duttlinger, Gerbet, Grimm, Hoffmann, Knapp, Kroll u. s. w. und auch der frühere Gegner derselben, Welcker; dagegen aber Rotteck, mit einer Majorität von 16 Stimmen. Dieses ungünstige Resultat betrachteten dennoch die Juden schon als einen Fortschritt, da acht der intelligentesten Redner mit einer bemerkenswerthen Begeisterung für die Eman- *) Ist bereits von einem unserer mährischen Korrespondenten geschehen, und werden wir das nähere Detail in der nächsten Nummer mittheilen. Red. cipati.on gesprochen und nur vier Redner gegen dieselbe aufzutreten gewagt hatten. Ein anderer Fortschritt in Bezug auf die öffentliche Meinung zeigte sich bei dieser Verhandlung in einer Rede des Staatsminlsters Winter in der II. Kammer, worin er der falschen Interpretation des allgemeinen Gesetzes in Bezug auf Juden von Seiten der Beamteten und Gemeinden ein Ende machte. Die Iudenfrage ist in Baden zuerst besprochen worden, aber hier war es auch, wo der Liberalismus mit Bitterkeit und Heftigkeit gegen sich selbst kämpfte. In der Iudensache stand Welcker gegen Rotteck, Duttlinger gegen Itzstein, während sie sonst bei allen Fragen der Freiheit einig ihre Waffen führten. Die Rede Winters zeigte, daß die Gegner der Iudenemancipation für ein Phantom und für etwas Unehrenhaftes sich abmühen und daß alle ihre Argumente auf Lügen beruhen. „Die Juden haben," sagte Winter, „nach dem Gesetze alle Rechte der übrigen Staatsbürger, seit 1807, mit Ausnahme der Wählbarkeit zu Deputirten und Gemeinderäthen, und keine Interpretation ist im Stande, diese wegzuleugnen; aber, was noch mehr ist, sie waren dieser Rechte auch stets würdig; alle Vorwürfe der Gegner sind Verleumdungen." Dieses Zeugniß gab ihnen die Regierung 1837, ähnlich dem des französischen Ministers des öffentlichen Unterrichts im Jahre 1830, „daß die Juden die Würdigkeit zur Freiheit stets auf glänzende Weise bewährt." Nach diesem glänzenden Zeugnisse, trösteten sich die Juden über die Erfolglosigkeit ihrer Petitionen; es war ja überhaupt ein Jahr der erfolglosen Kammerverhandlungen in Bezug auf die Juden! In Hannover, Baiern, Sachsen, Sigmaringen und Hechingen, im englischen Unterhause, allenthalben kam die Emancipationsfrage zur Sprache, aber auch allenthalben erfolglos; das Jahr 1837 stand den Jahren 1831 und 1833 bedeutend nach. Nach 9 Jahren des Petitionirens auf jedem Landtage, erschienen die Juden abermals im Jahre 1839 vor den Ständen. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Heidelberg überreichten im Juni der 11. Kammer eine kurze, aber würdige Petition; den 24. Juni wurde die des „Vereins," der seit seiner Gründung diese Aufgabe stets erfüllt hatte, ebenfalls vorgelegt, und in der 41. öffentlichen Sitzung der H. Kammer wurde sogar eine Petition vieler Christen zu Mannheim „um endliche und völlige Emancipation der Juden" übergeben. Bei diesem Landtage zeigte sich zum ersten Male, daß die Majorität der Petitionskommission auf eine völlige Emancipation bei der Kammer antrug, was seit der Konstitution nie der Fall gewesen war; aber, ungeachtet dieses Fortschrittes in der Gesinnung der Kommission', blieben doch die am 18. Juli vorgenommenen Verhandlungen in der 11. Kammer erfolglos, und, mit 31 gegen 17 Stimmen, wurde der Eintrag auf Emancipation verworfen.