Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1844)
- Date
- 1844-01-30
- Page
- Seite 36 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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hat sein Manuskript, „Responsen über schwierige kasuistische Falle und Reformfragen" beendet und wird es der Presse übergeben. Das Rabbinat Freudenthal wurde dem Rabbiner Grünwald in Lehcensteinsfeld übertragen, er hat es schon angetrecen, wurde von der Gemeinde freundlich empfangen und von dem königl. Bezirksbeamren würdig installirt. Der schwab. Merkur hatte von Sontheim aus einen herzlichen Nachruf an Grünwald in seinen Spalten, nur wäre es wünschenswerth gewesen, daß jener Lobruf frühere Wirren unberührt gelassen hatte. Das Rabbinat Lehrensteinsfeld wird provisorisch durch einen Rabbinatsvecweser verwaltet. — Dr. Karl Weil, Assessor der israet. Oberkirchenbehörde, der unecmüdet für die völlige Emancipation der Juden in Würtemberg wirkt und schafft, bekämpft in seinen konstitutionellen Jahrbüchern das Pcincip der Unduldsamkeit. Unter seinem Banner schaacen sich die Ritter der Publicistik und streiten gegen Bruno Bauer und seinen Troß. — Im Orient spricht sich in einer Mittheilung aus Jurburg tiefes jüdisches Mitgefühl für die armen Glaubensbrüder in Polen aus, der Korrespondent will in allen jüdischen Bethäusern für die Gedrückten beten lassen; Hr. Rabbiner Adler hat schon langst in den Schlußgebeten seiner Predigten, dieser armen Geknechteten gedacht. Die ganze Judenheit dürfte unter den Streichen jenes Ukases bluten, die Rigaer Schulkommissi'on würde wedelnd die schwere Peitsche küssen, sie hat ja einen Lehrer durch Gottes und des Kaisers Hilfe erlangt! Königsberg, 5. Jan. Auf die Petition der hiesigen Gemeinde an die russische Regierung, den inhumanen Ukas aufzuheben, ist von Seiten des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten die Antwort erfolgt, daß die Bedenklichkeiten nicht so erheblich sind, um Rücksicht darauf zu nehmen. Daß Tausend Familien Haus und Heerd verlassen müssen, heimatlos dastehen, hat für die russische Regierung keine Bedeutung! Was nicht Alles in unsrer Zeit noch geschehen wird, ohne daß man darüber erröthet. Minden, 4. Januar. Man thut den hiesigen Bürgern Unrecht, wenn man die berüchtigten Herren Marcard und Treumund Wahrlieb — von welchem Letztem es keineswegs gilt: „Wie sein Name, so ist er" — als die Repräsentanten derselben ausstellt. Denn während die judenftindlichen Schriften jener Skribenten von dem größten und intelligenten Theile der Bürgerschaft mit Indignation ausgenommen worden, spricht eine erst erschienene Schrift „der Judenfresser und Presser", die eine geißelnde Satyce auf jene zwei Kämpen ist, fast allgemein an. — Auch halte ich eine Widerlegung in Schriften für würdiger und erfolgreicher, als das Zuhilferufen der Polizei, das von vielen Seiten angerathen, worden. Es genügt nicht, wenn der Haß gegen die Juden momentan unterdrückt wird, sondern er muß in seiner Grundlosigkeit blosgestellt werden. Der Haß, nicht blos die Folgen desselben müssen schwinden. Berlin, 8. Jan. Bruno Bauer hat, wie Ihre Leser aus Nr. 2 erfahren, das Judenthum wieder auf die Folter der Dialektik gespannt. Ist aber auch nur ein Glied des Judenthums verrenkt worden? Nein! Und dies ist auch unmöglich bei Bauer. Er begreift nicht das Judenthum, das allen Stürmen bis jetzt getrotzt hat, und darum greift ec es an. Am schlagendsten bekundet B. seine Unkenntniß des Judenthums in seiner „Literaturzeitung". Was seine Gegner Positives gegen ihn vorgebracht haben, das laßt er klüglich bei Seite; richtet aber seinen kritischen Blick/ der unter Preußens Eensur an Schärfe verloren hat, aus die Ergüsse des beleidigten Gefühles. B., dem der Mensch das Höchste ist, will im Juden den gekränkten, durch falsche Auffassung verletzten Menschen nicht anerkennen. Daher kommt es, daß er es mit Hirsch als gekränktem, beleidigtem Juden zu thun hat; den Kritiker Hirsch aber fast ganz ignorirt! Zwar dürfen wir noch kein bestimmtes Urtheil fällen, da B. bis jetzt blos den ersten Artikel geliefert und die Arbeit Salomon's sowie die Kritik im „Orient" gar nicht berücksichtigt hat; man kann aber leicht vom Anfang auf den Fortgang schließen. Oesterreich. 7. Januar. Bereits im Jahre 1842 wurden die Gesetze bezüglich der Erlangung einer Heiratskonzession dahin modisicirt, daß Schullehrer und Rabbiner die Eclaubniß zum Heiraten haben, wenn auch diese Eclaubniß sich nicht auf deren Kinder erstreckt, sofern dieselben nicht das Amt ihrer Eltern bekleiden, was allerdings inkonsequent ist. Nun steht aber in Aussicht, daß die für Prag bestimmte Zahl von 8600 Familienstellen vermehrt werden soll. Das Gubernium hat nämlich den Kreisämtecn eröffnet, daß der König geneigt sei, die systematisirte Zahl der Familienstellen zu vermehren, worüber die Kreisämter Gutachten zu erstatten haben. Müssen wir uns einerseits dieser neuen Konzession freuen, so ist es andrerseits traurig, daß die Juden noch immer unter Ausnahmsgesetzen leben müssen. Wozu nämlich eine systematisirte Zahl? wozu ein numerum fixum? Warum sollen nicht für die Juden dieselben Gesetze gelten, wie für die übrigen Bewohner des Landes? Und vergessen wir nicht, daß wenn auch die Zahl der Familienstellen vermehrt wird, die Erlangung derselben aber noch immer mit einen bedeutenden Kostenaufwands verbunden ist. Der „ewige Jude" ist nicht ganz sagenhaft.. — Die minder Engherzigen unserer Gemeinde, Jene, welche nicht blos das liebe „Ich"