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Der Orient · 1844-01-30 · Heft 5 (30.1.1844) · p. Seite 35

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 5 (30.1.1844)
Date
1844-01-30
Page
Seite 35 (sequence 5)
Language
German
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35 ohne Gemeinde in ihm gesehen wird? — Wir kommen nun an das von Ihnen begehrte Kriterium und senden der Redaktion des „Orients" beiliegend den Abdruck eines Erlasses des deutschen Bet-Din zu Jerusalem d. d. 18. Jjar 5597, eines Erlasses, dessen Inhalt wir dermalen, wo es sich dlos um Nachweisung und Verifikation über die Authenticität der Aussteller, ihrer Namen und ihrer Eigenschaften handelt, noch völlig unberührt lassen, indem wir hier blos, als zu unserm gegenwärtigen Zwecke genügend, auf das darunter stehende Nidimat des portugiesischen Bet-Din in London, bestehend aus den HH. l) David Meldola, Präses, 2) Elimelech Mudaher und 3) Abraham Haliva, Hinweisen, als in welchem Vidimat vom 8. Lebet 5599, das deutsche Bet-Din zu Jerusalem als aus folgenden Personen bestehend offiziell anerkannt wird: 1) Hirsch Josef, 2) Mordechai Avigdor, 3) Abraham Salomon, 4) Nathan Saadias, 5) Salomon David Rüben und 6) Un'ah Sabbatai Chajim. Da auch auf demselben Blatte, übrigens in Bezug auf den Inhalt des Erlasses, das aschkenasische (deutsch-englische) Bet-Din zu London, bestehend aus den HH. 1) Jsrabl Levy, 2) Aron Levy und 3) A. L. Barnett, auf Verordnung des sel. Oberrabbiners Hrn. Salomon Hirschell, unter'rn 7. dess. Mts., sodann auch noch Sir Moses Montefiore unter'rn 19. Adar 5600 (nachdem er, wie er dabei bemerkt, im Monat Lammus 5599 persönlich in Jerusalem gewesen), ihre resp. Zeugnisse ausgestellt haben, so unterliegt es keinem Zweifel, daß auch diese Herren gegen das Zeugniß des portug. Rabbinats in Betreff des Personals des deutschen Bet-Din von Jeausalem nichts zu erinnern hatten. Da nun hoffentlich 5<)t\ Lehren dermalen noch nicht alle Rabbinate in Palästina abgesetzt hat, so werden Sie, Herr Redakteur, zugleich ersucht, diesen Abdruck mit obiger Anzeige hinsichtlich des zu nehmenden Weges rc. an Ihren geehrten Korrespondenten Hrn. v. W. zu befördern*). Bei dem lebhaften Antheil, dem Hr. v. W. und die Israeliten Oesterreichs an der Erforschung der Wahrheit in dieser Sache nehmen, darf ich wohl zuversichtlich erwarten, daß er, den doch die Sache wahrlich im Grunde auch gleich nahe angeht wie mich, sich ohne Verzug direkt an das deutsche Rabbinat in Jerusalem wenden wird, um von diesem nicht allein über die hier angegebenen Verhältnisse im Schooße der portugies. Gemeinde, sondern auch über alles ihm dunkle und Zweifelhafte überhaupt vollständige und authentische Berichte zu verlangen, und erbiete ich mich hiermit wiederholt, auf Verlangen des Hrn. v. W. die noch vor Erscheinung meiner obenangezeigten Schrift eintreffenden Aktenstücke auf meine Kosten abdrucken zu lassen. Dies Alles soll übrigens Lediglich zur vollständigen Beruhigung und Aufklärung des Hrn. v. W. und des mit ihm zweifelndenLheils des Publikum geschehenz denn zu unsrer Überzeugung ist durchaus nichts m e h r erforderliche daher wir auch kemesweges eine Verpflichtung anerknncn, in der Zwischenzeit mit unsrer Anklage einzuhalten und das schauderhafte Unwesen indessen provisorisch ungestört walten zu lassen. Lassen Sie es nur gut sein, Hr. v. W.; das Publikum als oberster Richter möge immerhin, nach der gewöhnlichen Proceßordnung, Klage, Vertheidigung und Widerklage vernehmen; zur Zeit der Beweisführung werden wir sicherlich im Termine nicht fehlen. (Beschluß folgt.) Deutschland. Wiirtemberg, 3. Jan. Den evidenten Beweis, daß nur von der allgemeinen bürgerlichen Freiheit die Emancipation der Juden ausgehen kann, liefert uns jede einzelne Staalengeschjchte. Wo die Gewalt das Scepter ist, wird das Volk in Fesseln liegen, wo aber der Regent btc freie Verfassung adoptirt, da wird der Bürger frei und friedlich wohnen. — In unserm Süden, an den Gestaden des Nekars, vom Ursprung der Donau bis Ulm, wo jetzt ein Bollwerk, man weiß nicht, gegen französische Uebergriffe, oder gegen östlichen Barbarismus erbaut wird, zieht mit dem bessern Volksbewußtsein auch ein allgemein milderer Sinn in die Herzen der Bürger und Höhergestellten für Juden und Judenthum ein. Bei dem ersten öffentlichen Gerichtsverfahren in Würtemberg und fast in ganz Deutschland diesseits des Rheins, beim Gerichtshöfe des Jaxtkceifes zu Ellwangen — ward ein Jude, Dr. Ellinger, Rechtskonsulent in Mergentheim, vom Justizhofe zum öffentlichen Vertheidiger eines schwer Angeklagten berufen, und brachte es wirklich, gegenüber dem durch seine parlamentarische Laufbahn berühmten Staatsanwalt, Oberjustizrath und Ständekammerabgeordneter, Ho tzinger, dahin, daß der Gerichtshof 1 Jahr und 2 Monate von der beantragten Zuchthausstrafe fallen ließ. So war das Vertrauen, das man iu das Talent und auf den Fleiß des jungen jüdischen Advokaten setzte, ehrend gerechtfertigt. Dem Vernehmen nach, soll unser sehr geachteter Oberjustizprokurator Pflaum in Ellwangen, Landsmann des Ellinger, — beide sind aus Pflaumbach — nächstens als Defensor in einem sehr verwickelten Kriminalfalle austreten. Die Gemeinden Steinbach und Banfeld sind durch die Güte unsers geliebten Königs reichlich bei dem Erwerb und Bauihrer neuen Schulgebäude unterstützt wordem Auch das jüdische Waisenhaus hat das Königs- Paar beim Jahreswechsel königlich bedacht. Die würtemberg. Rabbinen Gabriel Adler in Oberdorf und M. Löwengardt in Jebenhausen sind vom Frankfurter Rabbinat um Gutachten über die Beschneidungsfrage angegangen worden und haben sie auch abgegeben — zuversichtlich werden sie mit den übrigen eingegangenen dem Druck übergeben werden. Hr. Adler *) Ist geschehen. Red.

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