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Der Orient · 1844-01-23 · 4 (23.1.1844) · p. Spalte 59-60

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
4 (23.1.1844)
Date
1844-01-23
Page
Spalte 59-60 (sequence 6)
Language
German
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59 60 Kritiken. Der Pentateuch rc. von H. Arnheim. einfacher Satzverhältniffe, die sich in vier Elemente oder Glieder zerlegen lassen." Herr A. nennt eine solche Konstruktion eine proportionale, und zwar deshalb, weil in derselben wie in einer arithmetischen Proportion das erste Glied zu dem dritten und das zweite zu dem vierten in einem gewissen Bezüge steht. Daß ein solches Verhältniß der Glieder in der Poesie stattsinde, haben, wie A. auch bemerkt, schon Lowth (de sacra poesi hebraeorum p. 376 ff.), der Biur zu Exod. 15, 1 und Andere bereits erwähnt; daß aber auch in prosaischer Diktion jener eigenthümliche Parallelismus Geltung hat, ist eine sehr verdienstliche Bemerkung unseres Autors, die wir hier gern wiederholen und zu deren tieferen Begründung und durchgreifenderen Nachweis wir recht sehr ermuntern. Nur durch Annahme eines solchen Sprachgesetzes auch in der Prosa ist es unserem Verf. gelungen, in mehre dunkle, bisher gänzlich unverstandene oder doch wenigstens mißverstandene Stellen Licht und Ordnung zu bringen. Einige derselben mögen hier als Beispiele einen Platz finden. Exod. 23, 21 konstruirt A. folgendermaaßen: .V'Bpp? B ‘b $pa yEtf) Dip^n .pffr b n re^ Bl 'u yro\ y&x 'n b inm b^r\ *6 b Deut. 14, 24. Aus doppelten Gründen nämlich wird die Wallfahrt für dich beschwerlich sein: wegen der weiten Reise nach dem fernen Orte und wegen des Reichthums der Gaben, als Erfolg des göttlichen Segens. rrön D%sn üös '2 1'18Y2?p>2c väb rrpn *6 iniri Dmt. 20, 19. „Denn davon kannst du essen, da der Mensch vom Baume des Feldes (lebt); haue ihn nicht.um, damit (die Stadt) vor dir in Belagerungsstand zu bringen. Zum Theil nach Ibn Esra. Außer der Rücksicht auf den Nutzen scheint ein noch tieferes, sittliches Motiv in dem Verbote zu liegen: „das Lebenspendende sollte nicht Zerstörungsmittel werden". Zur Identisicirung des Menschen mit dem Baume, der jenem Nahrung gewährt, wird sehr glücklich das bulgarische Sprichwort: „Jeder Eichbaum ein Vulgär", verglichen, insofern nämlich die Mast dieses Baumes das Thier fett macht, das seinen Hauptreichthum ausmacht. In Rücksicht auf andere Belege verweisen wir auf das Werk selbst. Diese wenigen Excerpte mögen hinreichen, darzuthun, wie sehr dies Werk sich als Ertrag einer tüchtigen Arbeit herausstelle und wie viel Herr A. durch dasselbe beigetragen, den Weg zu den heiligen Schriften des alten Bundes zu entsteinigen und zu ebenen. Bibelforscher, die es mit uns erfahren haben, wie, trotz der vielen Ausleger, die der Pentateuch als ein Buch gefunden hat, das zu allen Zeiten im Leben wie in der Religion seine Stelle eingenommen, derselbe immer noch der Erläuterung und Erklärung bedarf, werden unserem Verf. gewiß nicht das Verdienst absprechen, nicht nur auf viele bisher fast gar nicht gefühlte Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, sondern sie auch glücklich gelöst zu ha? ben. Unterstützt von außerordentlicher Kunde des alten Sprachschatzes, hat er den von Vielen fest geglaubten Boden aufgewühlt und locker gemacht, und weit entfernt, sich mit dem allbeliebten Hergebrachten zu begnügen, mit einem seltenen Scharfsinne, einer lebensvollen Anschauungsgabe und einem analytischen Verstände, die Grammatik in seinen Untersuchungen mit schätzbaren Bemerkungen bereichert, die Lexi'ccr um manche falsche Data vermindert und somit für den Körper (sit venia dieto) des Pentateuchs aufs Beste gesorgt. Aber die heiligen Schriften haben auch einen Geist und auch für diesen hat Hr. A. Vortreffliches geleistet. Was frühere Interpreten dekretirt und als unbestreitbar hingestellt, oft als unhaltbar nachweisend und höchst geistreich bestreitend, liefert er auf eine überraschende Weise in ingeniösen Neuverjuchen nicht selten Besseres und Verbürgteres. Aber außer den mannigfachen neuen Erklärungen verdient auch das in dem Werke vorherrschende, eifrige und gewiß lobenswerthe Bemühen anerkannt zu.werden, eine edle Freimüthigkeit des Urtheils mit einer entschiedenen Ehrfurcht für das Bestehende zu vereinen und zwischen Religion und Wissenschaft ein solches Verhältniß eintreten zu lassen, das den Theologen imb Philosophen gleich zufrieden stellt und sie versöhnt. Dcr Geist, der die Auslegungen A's durchdringt, zeugt ebenso sch von tiefer religiöser als von ästhetischer Ergriffenheit buch die Gewalt des Wortes und stellt diestlben auf denjemgm Standpunkt, der sich eines Theils im Zusammenhänge mit der Tradition hält, anderen Theils sich als einen Fortschritt ausweist. Solche Vorzüge, glauben wir, dürften wohl geeignet sein, dieses Buch zum Eigenchume der Masse zu machen und ihm die Anerkennung und den Beifall der Bibelforscher zu erwerben. Sind wir indessen weit entfernt von einem unbedingten Iurament in verda magistri und geben mir vielmehr gern zu, daß sich hier und da gegen die Auslegungen unseres Autors streiten lasse, ja daß manche Deutungen desselben eine scharfe Kritik erfahren mögen, so muß doch ein jeder Unbefangene mit uns diese Pentateuch-Ausgabe im Ganzen als eine Bereicherung der exegetischen Literatur cmsehen und zugeben, daß in derselben Vieles geschehen ist, um die Worte des Urtextes zur klaren Anschauung und zum deutlichen und sichern Bewußtsein zu bringen, so daß dieselbe, den früheren Arbeiten des Verf. sich würdig anreihend, neben den ähnlichen Leistungen eines Herxheimer und Philipps»» keinesweges als überflüssig erscheint. Wir scheiden von Hw. A. mit der ausgezeichnetsten Hochachtung und der Versicherung, daß unter denen, die ihm für die aus seinen Werken gezogene Belehrung herzlich Dank wissen, Referent gewiß nicht der letzte ist. Möge es Herrn A. recht bald wieder

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