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Der Orient · 1844-01-23 · Heft 4 (23.1.1844) · p. Seite 28

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 4 (23.1.1844)
Date
1844-01-23
Page
Seite 28 (sequence 7)
Language
German
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28 Juden (z. B. 1833 m der Streckfuß'schen Angelegenheit). — Das Ende des I. 1843 hat besonders zwei wichtige Angelegenheiten in Betreff der Juden unerledigt gelassen, die auch im neuen Jahre wiederum eine lebhafte Diskussion herbeisühren dürsten: die Lage der Juden in Rußland und Polen, für die wieder ein schwacher Hoffnungsschimmer zu leuchten scheint und die Frankfurter Refocmvereinsbestrebungen. Auch ist es wahrscheinlich, daß die bürgerliche Gleichstellung der Juden in Würremberg, Baden und Hamburg zur Sprache kommen wird. Noch gespannter ist die allgemeine Aufmerksamkeit auf die preuß. Landtagsabschiede, besonders auf den für Rheinpreußen. — In Ungarn sind die trefflichen Vorkämpfer der Emancipation auf dem Reichstage leider nicht durchgedrungen. — In Posen sollen die jüd. Finanzen in sehr guter Ordnung sein. Die Vorsteher der Korporation scheinen besonders der Oeffentlichkeit sehr hold zu sein. — Beim Schluffe des Jahres werfe ich noch einen kurzen ^Rückblick auf diejenigen polit. Organe in Deutschland, die die Judensrage ohne Vorurtheil und mit lebendigem Eifer besprochen haben. Dahin gehören:'die (seitdem unterdrückte) Rhein. Zeitung, die Köln. Zeit, (seit Hermes Rücktritt), die Aachener, die Düffeldorfer, die Trierer, die Berner, die Hamb. Neue Zeitung, der Grenzboteu, die Zeitintereffen, das Vaterland, die Mannh. Abendzeitung, der Sprecher (in Wesel), Biedermann's deutsche Monatsschrift, die Kömgsberger Kriegs- und Friedenszeitung, Jung's Königsberger Literaturblatt, die Hamb. lit. und kcit. Bt., der Telegraph in Hamburg, die Berliner Vossische Zeitung, die Posaune (in Hannover) und mehre der kleineren Leipziger Zeitschriften. Die meisten Nachrichten über jüd. Verhältnisse lieferte auch im I. 1843 die Deutsche (ehemals) Leipziger Allg. Zeitung, deren Redaktionsprincip dies unlösbarste Rathsel ist. So sprach jüngst einer ihrer Korrespondenten von fast allen europ. Völkern, die in der Göler- Haber'schen Raufsache ihre Repräsentanten gestellt haben sollten. Haber sei der Repräsentant des jüd. Volkes gewesen. Ein Katholik der Repräsentant der Juden; Herr von Haber, der reiche karlistische Kavalier, der Vertreter einer unterdrückten, vom Pöbel, von Fanatikern und adeligem Vollblut gehetzten Glaubensgenoffenschaft, sind diese unvereinbaren Kontraste zusammengestellt, nicht eher boshaft als lächerlich zu nennen? Und nun gar die Juden ein Volk zu nennen l — Das Franks. Journal, leider zu gleicher Zeit das politische Organ des Franks. Reformveins (das kirchliche ist der in Hersfeld bei Schuster erscheinende „Israelit des 19. Jahrh.^ vom Lengsfelder Rabbiner Dr. M. Heß) und der badischen Aristokratenclique, vertheidigt der D. A. Z. gegenüber den Satz, daß den Juden jede gesonderte Wolksthümlichkelt fremd sei. Ob auch die badischen Kammern, wie wir hoffen und wünschen, diese Ansicht (heilen, wird der Erfolg der eben ergangenen Petition der Karlsruher Gemeinde um völlige Emancipation lehren*).— O e st e r r e i ch. PlMH, 1. Januar. Die böhmische Judensteuer — „genug der Deklamationen" werden Ihre Leser gewiß ausrusen; aber leider soufflirt der Staat noch immer: Judensteuer, und unsere Steuerdirektion ermüdet nicht, alljährlich ihre Tragödien zum Besten unseres Staates aufzuführen, worin Bannflüche, Eidesverletzungen und noch mehre unheimliche und grauenerregende Gespenster die Hauptrollen — wenn auch nicht mit Beifall — spielen. Es ist allerdings wahr, daß die Finanzen unseres Staates die Aufhebung der Jndensteuer nicht erlauben; aber schrecklich, daß es wahr ist, daß wir Juden diese Wahrheit mit unserem Blute besiegeln müssen. Zwar wird eine Aenderung stattflnden in — dem Personale: wir werden nämlich an der Stelle der H. H. Wiener und Docmi.tzer zwei andere Direktoren erhalten; der Leibzoll aber ist unsterblich! Der achte Januar-! dies ist der verhängnißvolle Tag, an dem die Zügel der böhmischen Juden in die Hände zweier neuen Direktoren übergehen werden. Nicht genug, daß wir jährlich mehr als 200,000 fl. CM. geben müssen, weil unsere Genealogie etwas verschieden ist, haben mir noch Direktoren, Kontrolleurs, Schreiber rc. zu besolden. Dem Charon ein Obolus! „Wie ist aber diesem Uebel abzuhelfen?" Die Steuerdirektion werde aufgehoben, die Herren Banquiers und Fabrikanten bezahlen Jeder zehn bis zwanzig Tausend Gulden jährliche Judensteuer, dann wird wohl mancher Weg, der bis jetzt zu uneben war, gebahnt werden müssen. Uebechaupt ist, so lange die Steuerdirektion agirt, keine Aussicht, daß der Staat zu souffliren aushöcen werde. Er erhalt das Pachtgeld ohne Mühe, steht nicht die Thranen, welche das Geld erpressen, der Bemittelte wird gedrückt, der Reiche verschont. Muß aber einmal der Staat selbst das Vermögen seiner Unterthanen decimiren, dann soll er auch Tausende Kerker für die Meineidigen öffnen, oder— soll seine Unterthanen, im neunzehnten Jahrhundert, vor den Augen Europas, aus dem Lande jagen. Zolkiejv, 5. Jan. (Nekrolog.) Am 30. Decbr. 1843 starb zu Zolkiew, Kreisstadt in Galizien, in seinem 75. Lebensjahre Hr. Gerson Letteris, Jnha- *) Mit diesem letzten Wochenberichte des vorigen Iahreö hört diese Form der Mittheilung auf; der Schreiber jener Berichte in Hamburg wird an deren Stelle Berichte über Hamburg und über den ihm nahe liegenden Norden emfenden. Derselbe Korresp. wird auch im Februar die Rückblicke aus das verflossene Zahr mittheilen. R ed.

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