Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1844)
- Date
- 1844-01-23
- Page
- Seite 27 (sequence 5)
- Language
- German
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27 gleich auch die anderen Punkte von großem Interesse uns erscheinen. Die Stände unserer Provinz, natürlich nur Polen, und um so mehr Polen, als sie durch ihren Egoismus und Indolenz Polen verhandelt, haben in ihren Beschlüssen nachgesucht, die jüdischen Schenkwirthe und die Kleinhändler mit Getränken zu vermindern. Der König in seinem Landtagsabschiede lehnte diesen Wunsch ausweichend ab, vorgebend, daß die Regierung bei den jetzigen legislatorischen Berathungen über die Judenemanciparion in Preußen auch diesen Punkt in Betracht ziehen wurde und prüfen, ob wirklich die jüdischen Schenkwirthe im Misverhaltmß zu der Bevölkerung stehen. Die Regierung ist vom Gegentheile überzeugt; denn in der That sind die Gewerbe auch in dieser preußischen Provinz schon wie in den andern verhaltnißmaßeg vertheilt, worüber jeder Reisende sich eine Ueberzeugung schaffen kann. Aber zu bedauern ist die Schlechtigkeit und die Gemeinheit des polnischen Adels, der bei jeder Aeußerung nichts weiter als Judenhaß prodociren kann, wie man ja ein Gleiches in Galizien sieht, wo der demoralisirte Adel alljährlich nur gegen die Juden petitionirt, sein eigenes Unglück, seine eigene Sklaverei vergessend. Man muß hier die Verhältnisse kennen, um zu begreifen, wie tief gesunken, wie moralisch verdorben dieser adelige Auswuchs des polnischen Volkes bei solchen Petitionen erscheint. Der Hauptreichthum des posner Adels besteht in seinen Brennereien, und obgleich Preußen die furchtbarsten Steuern aus dieses Gift gelegt, so hat sich der Adel dennoch nicht abschrecken lassen, weil er in eigener Unfreiheit sich noch glücklich schätzt, durch dieses Gift die Bauern zu Sklaven zu machen. Früher waren ausschließlich Juden die Pachter des Adels, oder besser der Adtt ließ sich durch die Juden, denen kein anderer Weg der Existenz offen stand, reprastntiren, und es ist kaum glaublich, welche Bestechungen, welche Schmeicheleien der polnische stolze Adel verwendet hat, um nur Juden zu Pachtern zu haben. Seit 1808 hat aber das polnische System, wo jeder Edelmann als Selbstherrscher sich gerirte, aufgehört und der Jude hat sich von dem Edelmanne emancipirt und zu andern Erwerbsquellen gewendet. Selbst diejenigen, die noch Schenkwirthe blieben, haben nur im Interesse der Gesammtheit, aber nicht in dem des Adels ihre Geschäfte eingerichtet, was natürlich zur Folge hatte, daß der Bedarf an geistigen Getränken sich um Z vermindert hat. Dieses weiß die Regierung und sie hat oft genug die Fortschritte der Juden anerkannt. Freilich sieht sich der polnische Adel dadurch in seinem Lebenselement bedroht; das einzige Mittel, um seinem Müssiggange zu fcöhnen und die Bauern, wie in alter polnischer Zeit, zu unterjochen, ist ihm abhanden gekommen, und den Aerger darüber laßt er an den Juden aus, die es freilech herbeigeführt. Freilich hat der bessere Theil des Adels dieses selbst eingesehen und, um sich von gänzlicher Verarmung zu schützen, sich überhaupt dem Handel zugewendet; sie haben Bazare errichtet in den meisten Städten und handeln wie die gewöhnlichen Juden; aber Handel und Industrie erfordern eine unermüdete Thätigkeit und dazu mag sich die verknöcherte adlige Insolenz noch nicht herablassen, und sie müssen es zu ihrem Verdrusse sehen, daß ihre Güter von Tag zu Tag mehr in die Hände der fleißigen Deutschen übergehen. Posen hat schon seit 20 Jahren aufgehört eine polnische Provinz zu sein; das Aufdämmern einer literarischen Beweglichkeit, von einem Panslavismus angesteckt, beginnt auch allmallg wie ein Meteor zu verschwinden, da der Adel nicht nur materiell, sondern auch geistig impotent ist. Von Posen kann man mit Recht behaupten, daß das. germanische Element es völlig erobert, und zu dieser Eroberung haben in der That die Juden bedeutend beigetragen. In der ganzen Provinz ist es nicht mehr möglich, daß ein polnisches Theater bestehen, daß eine polnische Hochschule gegründet, ja nicht einmal polnische Vorlesungen geholten werden; was die Zuhörer wollen, dafür giebt es nur deutsche Lehrer, und was einzelne polnische Lehrer wollen, dafür giebt es keine Zuhörerschaft. Alles geistige Leben hier liegt nur im deutschen Element und die 143 jüdischen Elementarschulen der Provinz, die durch und durch deutsch sind, haben das deutsche Element bis in die untersten Regionen getragen. Der Buchhandel, die Leseanstalten sind in den Händen der Juden und unter den an deutschen Hochschulen Studirenden aus unserer Provinz sind f Juden. Darum fyatte der König in seinen Abschiede vollkommen recht, wenn er sagt, daß für eine polnische Universität hier keine polnische Hörerschaft vorhanden sei; aber der Haß ist blind, und diese Blindheit ist das Misgeschick der Polen. Hamburg, 31. Decbr. (WB. v. 24—31. Deo. 1843.) Vor Kurzem gedachte ich einer von dem kürzlich verstorbenen Lübecker Syndikus Buch holz verfaßten Schrift über jüd. Verhältnisse, deren Titel ich in dem Kataloge der Lüb. gememnütz. Gesellschaft gesunden, ohne daß sie selbst mir je zu Gesichte gekommen. Ein in Lübeck wohnender Freund giebt mir über dieses Buch folgende Auskunft: Es ist betitelt: „Aktenstücke, die Verbesserung des bü rgerlichen Zustandes der Israeliten betreffend, herausgeg. und mit einer Einleitung versehen von Karl Aug. Bnchholz, Dr. jur. etpliil., ausübenden Rechrsgelehrten zu Lübeck/' — Die Einleitung (81 Seiten) giebt sein Raisonnement für Emancipation, die Aktenstücke bis S. 157, Edikte von Preußen 11. März 1812, Mekt.-Schwerin 22. Febr. 1812, Badisches vom 13. Januar 1609; Bairisches 10. Juni 1813, Dänisches 29. März 1814. Auszug aus der neuesten tuederland. Konstitution nebst Dekret vom 2. Sept. 1/96". — Auch ein anderer Buchholtz, der (ebenfalls 1843 verstorbene) preuß. Regierungsrath, schrieb Einiges über 4 *