Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-01-02 · 1 (2.1.1844) · p. Spalte 13-14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
1 (2.1.1844)
Date
1844-01-02
Page
Spalte 13-14 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8555529-9890798-9890799--3379-3529997
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

13 I. Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karaer. 14 vergangen? Warum sind wir denn verachtet (Mal. 1, 6.7), t)|e Knoten des Gehorsams besser anziehen, das unbestimmt Gelassene entscheiden und nützliche Zusätze machen. So thaten fte z. B. mit der Sabbatsseier, so mit den Gesetzen über die Verunreinigung. Das Verbot, fremde Frauen zu heirathen, ward soweit ausgedehnt, daß auch eine hebräische Bürgerin, wenn sie eine Zeitlang die Gefangene eines fremden Volks gewesen war, für profan galt, wie wir gleich von Hyrkan's Matter hören werden. Man schrieb mit Fleiß mehr vor, als iin Gesetz gefordert wurde, damit, wenn je das Volk eine Übertretung des Gesetzes der Lehrer sich zu Schulden kommen ließe, es doch innerhalb der Grenzen des göttlichen Gesetzes verbliebe. Hier ist der erste Ursprung der menschlichen Traditionen in der Religion und des farisäischen Aberglaubens zu suchen. Denn bei der Hervorhebung und Einprägung solcher Zusätze durch die Lehrer entstanden, die Beschästiger mit dem Gesetze, W Aaidaioi^ hebr. D^TDn (die Guten), die mm nm D^poiy, welche mehr thaten, als sie zu thun verpflichtet waren. Und während nun diese das göttliche Gesetz mir menschlichen Erfindungen, das Getreide mit Stroh vermengten, warfen andere, indem sie in dem Gegensätze zu weit gingen, das Getreide zugleich mit dem Stroh weg, wie die Sadducäer, die mit jenen menschlichen Lehren Mich eines nicht geringen Lheiles der göttlichen Offenbmmgen und Verheißungen sich entäußerten. Andere, wie die Essäer,. welche zu einer besondern Gesellschaft sich vereinigten, vernachlässigten sammt den abergläubischen Gebräuchen auch die heiligen Einrichtungen des Tempels, die Opfer und We, und zogen sich in philosophische Einsamkeit zurück, da sie in der Meditation und der Ausübung der Tugenden, vorzüglich der Liebe, den wesentlichen Gehalt der Religion setzten. Die aber, welche an der ganzen, aber alleinigen H. Schrift Welten, hegten dieselbe Ansicht, wie unsre Karäer. Die aber Stroh und Getreide, mündliches und geschriebenes Gesetz aus gleich frommen Gehorsam befolgten, erhielten den Na- Mn Farisa'er, wegen ihrer abgesonderten erkünstelten Lebensart. Als dieses Gift lange Zeit im Geheimen sich verbreitet batte und die Irrthümer allmälig cmporgewachsen waren, erhoben endlich diese Meinungen um die Zeit des Hochprießers Jonatan, des Bruders von Iehuda Makkabi nach dem Bericht Josef's (Aritiqu. XIII, 9) ihr Haupt. So lauge aber dieser Farisäismus unter Wenigen sich einichlich, mehr in der Praxis vorhanden war als im Gesetz, Stolz und Heuchelei den Schein einer Frömmigkett erlogen, täuschte er viele, sogar auch den Ethnarchen und Hochfester Johann Hyrkan, der ihn Anfangs sehr begünstigte "ud sich sschst batm unterrichten ließ. Bis endlich durch ein unerwartetes Ereigniß ihr Stolz und ihre Frechheit im Tadel des Schnarchen die Freundschaft gänzlich zerstörte und bwße Unruhen herbeiführte. Die Geschichte erzählen Jolss, Pseudo - Gorjonides, der Hebräer, die Rabbinen öfters, sowie auch die Karäer, woraus man ihre Wichtigkeit erken- UCtt kann. Sie möge hier im Auszuge so wie sie Rabbi Kaleb, der Weise, erzählt, stehen. Als der König Hyrkan sicher von außen her zu Jerusalem regierte, stellte er seinen Fürsten und den Dienern des Heeres von Juda und Binjamin ein großes Gastmahl an. Als er nun mit allen Weisen jener Zeit bei Tische saß, sing er an, seine Thaten, seine Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Wohtthätigkeit, sowie seine Bereitwilligkeit, Rathschlägen zur Besserung zu folgen, zu rühmen. Da dem eben, was er von sich sagte, die Weisen beistimmten, so fügte er hinzu, daß er auch in Zukunft ihnen folgen und auch keinen Tadel über das, was er thäte, übelnehmen wollte, ausgenommen in der Gerechtigkeitspflege. Da? sprach einer der Weisen, Eleasar: Es lebe der König Hyrkan in Ewigkeit! Wenn du aber so gerecht sein willst und die Rüge, die von der Wahrheit kommt, vertragen kannst, wie du dich rühmtest, so geh und steige vom Throne des Priesterthums herab,, und es genüge dir die Herrschaft über das Reich. Auf die Frage des Königs, warum er dies thun fottte^öab er zur Antwort: Weil deine Mutter zur Zeit des Königs Antiochus in die Gefangenschaft geführt worden ist, äls^die Heiden deinen Vater Simeon auf dem Berge belagerten, wo seine Weiber gefangen wurden und er selbst sich durch die Flucht rettete, die Weiber aber wiederkamen, als er die Feinde überwunden hatte. Schon vorher war die Meinung verbreitet worden, als sei Hyrkan deshalb für profan zu achten» Als dies nun der bejahrte Mann hörte, der schon 40 Jahre Priester gewesen war, gerieth er in großen Zorn, ließ alle Weisen tobten und den Eleasar verbrennen, und seitdem gab es großen Streit zwischen den Königen aus dem Hause der Ehosmonäer, die auch Priester waren, und zwischen den Weisen. Es folgte dem Hyrkan in der Regierung sein jüngster Sohn, Jannai Alexander. Dieser übertrug noch bei seinen Lebzeiten die Herrschaft an seinen Bruder Aristobul, den er sehr liebte. Aristobul hielt sich des Priesterthums nicht für würdig, und erhob dazu seinen zweiten Bruder Antigonus; seine Mutter aber und den jüngsten Bruder setzre er gefangen, weil er von ihnen für seine Herrschaft fürchtete. Als beide ältere Brüder gestorben waren, kam die Herrschaft an Jannai. Nachdem dieser seine auswärtigen Feinde besiegt hatte, und er bei der Feier des Laubhüttenfestcs das Opfer auf den Altar bringen wollte, warf ihn ein Schüler der Weisen mit einer Dattelfrucht vor die Stirn. Als nun der König Jannai darüber ergrimmte und seine Diener die Weisen über diese Beleidigung der königlichen und priesterlichen Würde zur Rechenschaft aufforderten, rief einer unter ihnen dem Jannai zu: Wehe dir, Sohn der profanen Mutter, was machst du dich breit? was maaßest du dir das Priesterthum an? da du von einer profanen Mutter geboren bist, so bist du keineswegs , des Priesterthums würdig. Jannai rief darauf zu den Waffen, und seine Miliz tödtete an diesem einem Tage in der Vorhalle des Tempels sechs Tausend. Außerdem ließ er von den Weisen noch 3000 umbringen, und der Streit zwischen beiden dauerte, bis fast alle umgekommm waren, und nur 800 der ersten Ordnung hatten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.