Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 1 (2.1.1844)
- Date
- 1844-01-02
- Page
- Spalte 7-8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Meth. Lehr- und Lesebuch v- Dr. Dessauer. Derech le-Emuira v. Dems. v von bürgerlichen Strafen redend, nicht als Resultat der Unwichtigkeit der Beschneidung anzusehen, sondern nur daraus zu erklärten, daß wir für religiöse Uebertretungen keine bürgerliche Strafen haben, und endlich 3) geht gerade aus den drei Paragraphen hervor, daß die Beschneidung das heiligste, wichtigste und unerläßlichste Symbol des Iudenthurns fei. Der Vers, hat für den Reform-Verein nichts gewonnen. Was wir aber aus diesem Büchlein gewinnen ist die Erklärung einiger uralten Gebräuche, deren Ursprung der Verf. nachweist und die wir, ganz wider den Willen des Verf.'s, gerade durch seine Aufschlüsse erst recht achten lernen. Diese Gebräuche sind: 1) dem Knaben am Lage der Beschneidung einen Namen beizulegen. Auch andere alte Völker hatten einen bestimmten Lag für die Benamung des Kindes; die Römer den neunten für Knaben und den achten für Mädchen, die Griechen den zehnten; die Israeliten, gestützt aus Gn. 21, 3. 4. — wählten den Beschneidungstag, den achten für Knaben. 2) Der Gebrauch des Chol-Kr ei sch, (von bin profan und Kreisch 8. v. u. Ruf, Nennung). Es entstand nämlich im Mittelalter, namentlich in Deutschland, die Sitte, neben dem hebräischen, sogenannten heiligen Namen tr-pr), der für die Synagoge und das religiöse Leben bestimmt war, auch einen profanen, landsittlichen Namen für das gesellschaftliche Leben zu geben, welcher aber als profaner nicht am Beschneidungstage gegeben wurde. Knaben sowohl als Mädchen erhalten daher diesen Namen erst am vierten Sabbat nach der Geburt, wenn die Wöchnerin zum ersten Mal wieder die Synagoge betritt. Dieser Gebrauch hat sich , schon zum Lheil verloren. 3) Die Repräsentation des Knaben nach vollendetem ersten Jahre im Hause des Herrn. Gestützt auf 1. Sam. 1, 24 wurde nämlich der Knabe, nach vollendetem ersten Jahre, namentlich nach dessen Entwöhnung, an man Sabbar in die Synagoge eingcführt und gleichsam dem Herrn präsentirt. Es wurde in eine Wickel gehüllet, die zur Umwindung der Gesetzrolle bestimmt war, worin des Kindes Name und Geburtstag mit Gold oder Silber eingestickt war. Dieser Gebrauch ist aber schon feit sehr lange abgekommen und schien früher auch nicht verbreitet gewesen zu sein. Aus der kabbalistischen Periode haben sich die Gebräuche eingeschlichen: 4) die abgeschnittene Vorhaut mit Erde zu bedecken, um auf den Fluch der Schlange hinzudeuten. Zeror Ha-Mor zu Gn. 3, 14. 5) Einem Knäblein, das vor dem achten Lage gestorben, vor der Bestattung einen Ritz an der Vorhaut zu machen, als Symbol der Beschneidung, um dasselbe der jenseitigen Gemeinschaft mit den Heiden zu entziehen. Bechaji zu E\. f. 27. Aus dem Mitgetheilten ist nun ersichtlich, daß man sogar in einem schlechten Buche zuweilen Manches findet. psS Kann ich aber auch von diesem Buche nicht viel Gutes sagen, so würde ich über das zunächst zu recensirende, nämlich über das treffliche Buch von Dr. Bergson, um so mehr Gutes zu sagen haben. 2) I. Methodisches nach lückenlosen Stufen geordnetes und möglichst vollständiges Lehr- und Lesebuch für israel. ligions- und deutsche Schulen und Privatlehranstalten zugleich auch als erster Lheil des Derech leemuna ($c(igionslehre in Beispielen). Enthält in drei Abtheilungcn: a. Den ersten deutschen und hebr. Leseunterricht nach der v e re i n t e n L a u t i r- und M u n d st e ll un ggr Methode in Verbindung mit dem Schreirunrerricht. d. Die bibl. GeschO (gesteigerte Leseübung) bis zur Zerstörung des zweiten Leinpels, für alle 3 Kl. stufenmnßic, geordnet. c. Gottes geoffenbartcs Wort oder die Glaubens¬ und Sittentehre der israel. Religion, nach des Lcttcs Worten in den unentbehrlichsten zum Memoriren paffenden Bibelsprüchen für alle drei Klassen verhältn i ß m ä ß i g nach ihren Fähigkeiten unb R e - griffen rubrizirt und geordnet. Anh. 1 Gebe tchen für die 1. u. 2. Kl., Anh. 2 Gebetchen für die dritte Klasse und Feiertagsschule. 11. Derech l e e m u n a od. Samml. lehrreicher Gesch. n. Erzählungen zur Erweckung echter Religiosität rc. zunächst für die israel. Jugend von Dr. I. H. Dessaua. Erlangen 1843. 8. Bn I. Palm. Wenn in einer so schreiblustigen Zeit wie die mische, man mit Recht möglichst vorsichtig mit dem Ankäufe u. kt Empfehlung neuer Schriften sein muß, so fand sich Referent um so angenehmer überrascht, in vorstehenden, wahrhaft praktischen Werken wieder einmal etwas Lüchtiges, Beachtenswertste, und Brauchbares zu finden. Um so mehr müssen bei du Beurteilung eines solchenSchulbuches, alle persönlichen Rücksichten außer Acht gelassen, und gewissenhaft — es belast das Wohl unserer Jugend — das Lobenswerte anerkannt, U Fehlerhafte getadelt werden. Ein Blick auf den — freilich etwas weitläufigen — Mci des Lehr- und Lesebuchs giebt uns schon einen kleinen Begnjs von seinem reichhaltigen Inhalte. Der als Schriftsteller scheu rühmlich bekannte Verfasser kommt auf den glücklichen Gedanken, das anerkannt Brauchbare der Lautir- und Muii^ stellungsmethode zu vereinigen, was ihm auch auf eine überraschende Weise gelang, wodurch er der Gründer einer nmn Methode wird, und wofür ihm gewiß jeder Lehrer, der wie Referent, einen Versuch damit anstellt, den gebührenden Dank zollen wird. Man glaube ja nicht, daß es ein Leichtes sä, ein gutes Schulbuch für den Elementarunterricht zu schreiben, und höre, welch ein beachtenswertes Geständniß selbst ein Pestalozzi darüber ablegt: „Und wenn meine Einbildungskraft, sagt er, mich heute um hundert Schritte weiter trieb, als ich festen Boden fand, ging ich morgen 160 Schritte wieder rückwärts, tausend und tausend Mal glaubte ich mich meinem Ziele näher, fand dann wieder plötzlich, daß dieses vermeinte Ziel nur ein Berg ist, an den ich stoße." Und woher kamen ihm diese unüberwindlichen Hindernisse bei dem Elementarunterrichte? Weil er selbst nicht lange genug in der Schule gelehrt hatte, und dadurch aufs neue den alten pädagogische Grundsatz bestätigt: Regeln und Lheorien bilden keine Erzieher und Lehrer. Das mag der Verfasser obiger Werke