Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 1 (2.1.1844)
- Date
- 1844-01-02
- Page
- Spalte 5-6 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kurze Anzeigen, lieber die Beschneidung in histor. und dogm. Hinsicht. K | nl(t eigener Kraft aufzusinden, und die schwankenden Syste- | nie bec Philosophie , wo immer eins das andere verdrängt, I scheinen uns gar nicht geeignet, eine so hohe Meinung von fl jenen Denkkräftigen zu begründen, welche von ihrem selbst- | Mutten lustigen Throne stolz und verächtlich herabsehen l ^lf die demüthigen Menschenkinder, die im Gefühle ihrer [ Schwäche bekennen, daß sie einer höheren Leitung bedürfen, t; um den Weg des Lebens aufzusinden. Wir rufen Euch mit dm Worten des Dichters zu:?■ Es giebt mehr Ding' im Himmel und auf Erden \ Als eure Schulweisheit sich träumen läßt! | Nun ehre ich zwar gerne jede aufrichtige Ueberzeugung, wennsie auch noch so sehr von der meinigen abweicht, und I ich gestehe deshalb auch Ihrem Nationalismus, so gut wie s jeder andern religiösen Ansicht das Recht zu, sich geltend zu machen, wenn er anders offen und redlich zu Werke geht, sich I f(ir das ausgiebt, was er wirklich ist, und mit redlichen Wassen die ihm gegenüber stehenden Ansichten bekämpft. In diei; str Beziehung jedoch scheint mir Ihr Beginnen am meisten i Tadel zu verdienen. Denn anstatt daß Sie gerade heraus I; hätten sagen sollen: wir kennen keine göttliche Offenbarung K mehr an, nur schöpfen die göttliche Wahrheit nicht mehr, wie s die früheren Geschlechter gethan, aus der Lehre, welche bisher für die göttliche gegolten, sondern aus den Schriften der Weit fcn und Philosophen 5 die Abstraktion, der denkende Geist soll ( fortan der höchste Richter in göttlichen wie in menschlichen i Dingen fein, anstatt daß Sie diese Ihre innere Gesinnung II frei und offen hätten an den Tag geben sollen, verschanzen ' Sie sich dann hinter dem Mosaismus und gebehrden sich so, t. als ob Sie diesen als Princip Ihrer neuen Lehre zum Grunde legten, während Ihnen Moses mit seiner Lehre nicht mehr, ja noch weniger gilt als Plato, Aristoteles, Spinoza und | Hegel mit ihren Systemen, da Sie diese ohne Zweifel für l weiter fortgeschritten in der allgemeinen menschlichen Enti Wickelung halten, als jenen. Wäre Ihnen der Mosaismus | mit seiner Fortbildung, die er allerdings durch die Propheten, $ d. h. vermittelst dieser von Gott selbst erhalten hat, wirks. liches Princip, so hätten Sie statt des schwankenden, im?; ^unde nichts sagenden Satzes: I ,/Wir erkennen im Mosaismus die Möglichkeit einer unf beschränkten Fortbildung" Ia etwa so sagen müssen: Wir erkennen als Grundlage unseres Glaubens und als Richtschnur unseres Lebens die Lehre Mosis an, welche wir einer unbeschränkten Fortbildung fähig halten. Cie wären dann freilich immer noch außerhalb der Sphäre des Offenbarungsglaubens geblieben und kein Offenbarungs- I gläubiger hätte Ihrem Unternehmen Beifall zollen können. Aber doch würden Sie wenigstens etwas Positives vorange- \ ^llt, und die mit Ihnen Gleichgesinnten würden wenigstens f; haben, um welches Panier sie sich schaaren sollten.!' ^er selbst diese Position scheint Ihnen schon zu beschränkend gewesen zu sein, so weiten Spielraum auch dieselbe dem denkenden Geiste lassen mochte. Sie haben es deshalb vorgezogen, Ihren Hauptsatz so zu stellen, daß durchaus keine Verbindlichkeit irgend einer Art für Sie daraus hergeleitet werden könnte. Da nun aus dem bisher Gesagten zur Genüge hervorleuchtet, warum ich mich gedrungen fühle, Ihr Ansinnen, dem Reformvereine beizutreten, zurückzuweisen, so werde ich mich in Betreff der beiden andern Grundsätze, welche Sie an die Spitze der neuen Lehre zu stellen für gut fanden, um so kurzer fassen können. (Beschluß folgt.) Kurze Anzeigers. 1) Ueber die Beschneidung in historischer und dogmatischer Hinsicht. Ein Wort zu seiner Zeit. Den Denkenden in Israel zur Prüfung vorgelegt von Bar Amith aü Franks, a. M. 1843. 8. I. C. Hermann. 20 S. Der magere Inhalt des kleinen Büchleins, welches entweder vom Reform-Verein ausgegangen oder von ihm veranlaßt zu sein scheint, besteht aus drei Paragraphen, die zwar in logischer Aufeinanderfolge hingestellt sind, aber einer strengen wissenschaftlichen Durchführung durchaus entbehren. Die 3 Paragraphe sind: 1) das eigentliche Gesetz der Beschneidung. In diesem wird Gen. 17, 4 — 14, als das positive Gesetzes- Gebot nackt hin gestellt und dann daraus 5 Punkte gezogen, von welchen das Hauptsächlichste, daß die Beschneidung ein Bundeszeichen, daß auch die hausgebornen oder erkauften heidnischen Sklaven beschnitten werden müssen und daß Eltern oder Herren, welche diese bei ihren Kindern oder Untergebenen unterlassen, keine Strafe zu erleiden haben. Die Bestimmung der Beschneidung für alle Zeiten oder eine menschliche Straft für das unbeschnitrene Individuum findet der Verf. nicht in jenem Texte. 2) historische Entwickelung des Gesetzes. Hier geht der Verfasser die auf die Beschneidung bezüglichen Stellen, wie Gen. 2l, 3.4.; Ex. 4,25. 26.13, 43 — 48*; Lev. 12, 3. Dt. 10, 16. 30, 6 u. s. w., durch, dann auch das, was Iosephus von den Idumäern und Izates erzählt (Alterth. XIII, 17. XX, 2), wovon dann der Verf. zu unserer kabbalistischen Ansicht über die Beschneidung übergeht. 3) die übrigen Bundeszeichen. In diesem § bespricht der Verfasser die Tesillin und den Sabbat. Aus dieser dreig erhellten Darstellung zieht der Vers, das Resultat, daß 1) ein Vater^ der sein Kind nicht beschneiden läßt, mit keiner Straft zu belegen sei; 2) daß auch das unbeschnittene Individuum, wenn es das 13. Jahr erreicht, keine bürgerliche Straft zu erleiden habe und 3) daß eine jüdische Behörde Konsistorium oder Sanhedrin — die Beschneidung ausheben, ja sogar dafür die Taufe einführen kann. In Bezug auf diese Resultate ist aber zu bemerken: 1) ist der dritte Punkt nicht im Entferntesten erwiesen; 2) sind die ersten zwei Punkte, als nur 1*