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Der Orient · 1844-01-02 · Heft 1 (2.1.1844) · p. Seite 7

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 1 (2.1.1844)
Date
1844-01-02
Page
Seite 7 (sequence 13)
Language
German
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Läuterung; hingegen muffen wir hinzufügen, daß Sal. Heine im Allgemeinen bei seiner fast immer großartigen Wohlthatigkeit niemals den Christen oder Juden, sondern nur den Menschen, den hilfsbedürftigen Bruder ins Auge faßt. So hat ec zum Bau oder zur Begründung christlicher Kirchen oder Schulen die ansehnlichsten Summen beigesteuert. Als die Ottenser vor einigen Jahren eine neue Schule errichten wollten und zu diesem Zwecke eine öffentliche Kollekte veranstalteten, wandten sie sich zuerst an Heine, mit der Bitte, die Subskriptionsliste zu eröffnen- Heine bemerkte, es würde sich sonderbar ausnehmen, wenn er, als Jude, an der Spitze stände, und er ersuchte die Kollektirenden, sich zunächst an einige der begütertsten christlichen Einwohner Hamburgs zu wenden, den fehlenden Rest des zu Erreichung des Zweckes nöthigen Geldes aber von ihm zu erwarten. Die Liste wanderte sofort zu einem Nachbar Heine's, der, von dem Borhergegangenen in Kenntniß gesetzt, sogleich die Halste der im Ganzen nöthigen Summe Unterzeichnete und zwar mit der Randglosse! „Aus christlicher Liebe". 'Nun kam der Bogen wieder zu Händen Heine's und dieser Unterzeichnete die zweite Hälfte des Baukapitals, mit dem Bemerken: „Aus jüdischer Liebe". — Im Widerspruche mit Leuten in ähnlicher Stellung, welche für sich selbst, der Vortheile einer guten Erziehung verlustig gegangen, auf alle höhere Bildung mit Verachtung und Geringschätzung blicken, weiß Salomen Heine vielmehr diese ihrem ganzen Wecthe nach zu schätzen, und mancher Künstler und Gelehrte empfing von ihm die edelmüthigste Unterstützung, die freundlichste Förderung seines Strebens. Namentlich wünscht er eine tüchtige Bildung der ihm gtaubensverwandten Jugend. Die israelitischen Freischulen Hamburgs beziehen seit langer Zeit jährliche regelmäßige bedeutende Unterstützungen aus Heine's Kasse; Einzelnen ihrer Zöglinge, fähigen Köpfen, für die er sich interessirle, Studirenden und Andern hat er selbst in die Ferne Beweise seines Wohlwollens gesandt, und der vielbeschäftigte Mann fand Zeit, Angelegenheiten dieser Art mit derselben Pünktlichkeit zu erledigen, als hatte es sich um den Abschluß eines Staatsanlehens gehandelt. Das Wort Staatsanlehen bringt uns die Brandschreckenstage des Jahres 1842 und ihre Folgen ins Gedachtniß. Von den 32 Millionen Mark Banko, welche Hamburg damals bedurfte, konnte S. Heine allein 8 Millionen übernehmen. Diese Tharsache geben wir freilich nicht als eine That der Wohlthatigkeit, denn es handelte sich im Grunde nur um ein glänzendes Geschäft, das von Manchem gern gecheilt worden wäre. Wohl aber liegt hier ein Beweis vor von den ansehnlichen Mitteln, über welche Heine zu gebieten hat. Dennoch ist sein Vermögen, der allgemeinen Ansicht zufolge, bei weitem nicht so großartig, wie es jüngst vom Morning Herald schätzt ward und daraus in gleicher Summe durch -eine Menge deutscher Blätter lief. Es war dort die Rede von 4 Millionen Pfd. Sterl.; hier spricht man, als Maximum, von 1 Million 17 Millionen Mack Courant. Immerhin eine hübsche Summe! — Uebrigens konnte ein so furchtbares Ereigniß, wie der Hamburger Brand, unmöglich vorüber gehen, ohne Heine's Edelmuth in großartigster Weise aufleuchten zu taffem Für die Hilfsbedürftigen Unterzeichnete er eine Summe von 100,000 Mark Courant, und eine große Zahl der Obdachlosen empfing auf seine Veranstaltung für längere Zeit warme Speisen und sonstige Bedürfniffe. Heine selbst gehörte schon am zweiten Tage der Feuersbrunst zu den Abgebrannten. Sein schönes Haus am Jungsernstiege ward, um den weiterrn Fortgang der Flammen zu hemmen, wie die Gasthöfe „Alte Stadt London" und „Streits Hotel", seine Nachbarn, am Freitag, den 6. Mal, Nachmittags, in die Luft gesprengt. Wie man uns erzählte, schlug Heine die ihm gebührende Versicherungssumme zum Besten der städtischen Feuerkaffe aus. Ferner war er es, der am Tage der Wiedereröffnung der Börse dem beabsichtigten Diskontowuchec mehrer Wechselhausec durch die Erklärung, alle respektablen Papiere zu 4 Prozent diskontiren zu wollen, mit einem Male ein Ende machte. So wurden durch ihn viele schwankende Häuser sicherem Sturze und mindestens den ärgsten Verlegenheiten entrissen. Vielleicht erschien er damals des Ehren bürgecrechts von Hamburg nicht unwürdig. — Wir kommen zu Heine's neuester Stiftung, welche, wie einer der Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Herr W. D. Hertz, in seiner Einweihungsrede eben so schön als wahr bemerkte, „ein Monument ist, strahlender als Erz und Marmor, begründet in den Herzen dankbarer Nachkommen." Im Jahre 1840 fühlte die hiesige israelitische Gemeinde das unabweisbare Bedürfniß eines neuen Armen- und Krankenhauses. Der Bau ward beschlossen und eine Versammlung angesetzt, in welcher berathschlagt werden sollte, wie die vorläufig veranschlagten 80,000 Mark Banko herbeizuschaffen wären. Auch Salomon Heine war, nebst mehren der angesehensten Gemeindemitglieder, in jener Versammlung gegenwärtig. Zum allgemeinen freudigen Erstaunen erklärte er sich sogleich bereit, die Gesammtsumme zu zahlen, falls man das neue Hospital zu Ehren seiner im Jahre 1837 verstorbenen Gattin benennen und ihm selbst einen Stand in der Synagoge, wenn'eine solche mit dem Hause verbunden werde, gewahren wolle. Welch lautere Pietät des Herzens liegt in diesen anspruchslosen Bedingungen. Dem dankbaren Zugestandniß von Seiten der Gemeindevorsteher folgte die baare Auszahlung der 40,000 Thaler, welcher Summe später, als der Kostenbedarf den ersten Anschlag bedeutend überstieg, mit gleicher Bereitwilligkeit fernere 16,500 Thalec hinzugefügr wurden. So vielem Edelmuch widerstanden selbst die städtischen

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