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Der Orient · 1844-01-02 · Heft 1 (2.1.1844) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 1 (2.1.1844)
Date
1844-01-02
Page
Seite 8 (sequence 15)
Language
German
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8 Behörden nicht und wiesen in der Vorstadt St. Paul! bereitwilligst einen Platz für das neuzuerbauende Hospital an. Am 10. Juni 1841 wurde in Gegenwart der höchsten Autoritäten , und einer sonstigen zahlreichen Versammlung der Grundstein gelegt und bei dieser Feierlichkeit eine auf Kosten der Gemeinde zu Ehren Sal. Heine's geschlagene Medaille in Silber und Bronze unter die Anwesenden vertheilt. Er selbst empfing ein gol-> denes Exemplar. Sie zeigte auf dem Avers sein Brustbild mit der Umschrift: ,,Salomon Heine. Menschenliebe ist die Krone aller Tugenden." Auf dem Revers befand sich die vordere Faeade des Krankenhauses, mit derselben Überschrift, welche sie gegenwärtig in der Vollendung tragt: Krankenhaus. Der d e u t sch - i s r a e l i t i s ch e n G e m e i n d e. Der seligen Frau Betty Heine zum Andenken erbaut von ihrem Gatten Salomon 5)eine. Hamburg, Anno 1841. Freundlicher und zugleich gesünder kann nicht leicht ein ähnliches Haus gelegen sein. Der schöne große Platz bildet ein Trapezoid, auf dessen Südseite das Hospitalhaus sich im einfachsten Styl erhebt. Es hat eine Lange von 227-| Fuß und besteht aus einem Mittelbau und zwei Seitenflügeln. Es ist zwei Stockwerk hoch, ganz kellerhohl, zum Theil mit Schiefer und zum Theil mit Asphalt gedeckt. Sammtliche Mauern und Wände sind massiv, die Keller fünf Zoll stark überwölbt. Dem eigentlichen Hauptgebäude gegenüber, an der Nordfeite des neuangelegten Gartens, welcher fast das ganze Hospital einschließt, liegt das Pockenhaus; vermuthlich auch für sonstige ansteckende Krankheiten bestimmt. Ein geräumiger Bleichplatz und Gemüsegarten findet sich gleichfalls. Die innere Einrichtung des Hauses ist nicht minder vortrefflich. Sie entspricht durchaus dem Zwecke, welcher dem Stifter vor Augen schwebte, und dem hohen Standpunkte, auf welchem sich gegenwärtig die Technik der Baukunst befindet; er war bewundernswert!) umsichtig im Anbringen dessen, was gleichzeitig praktischen Nutzen und innere Annehmlichkeiten gewährt. Verschie- . dene neue Erfindungen, namentlich in Bezug auf die Dampf-Kochapparate und die Wasserleitungen zum Behuf von Badern find hier zur Anwendung gekommen. Erfahrungen, die man in dem nunmehr 16 Jahre bestehenden allgemeinen Hamburger Krankenhause im Guten und Schlimmen gemacht, konnten bei der Einrichtung des neuen israelitischen benutzt werden, und keine andere jüdische Gemeinde Deutschlands dürfte sich eines solchen Musterhospitals zu erfreuen haben. Die Schwierigkeiten, dies Ziel zu erreichen, waren um so größer, da das Haus streng nach mosaischem Ritus hinsichtlich der Verpflegung der Kranken und Kostgänger geleitet wird, wodurch bei der Organisation des Ganzen Beschränkungen entstanden, wie man sie nicht geahnt hatte. — Eine Zierde des Hauses ist der nicht eben große, doch auf jeden Besucher tiefen Eindruck hinterlassende Betsaal. Ein in Berlin angefertkgter goldgestickter Sammetvorhang mit Worten des Dankes, in hebräischen Buchstaben, für den Gründer des Hospitals, verbirgt die heiligen Gesetzrollen — Tora —. Im Sitzungszimmer hangen, geschmackvoll umrahmt, die Bildnisse des Stifters und seiner verstorbenen Gattin, zu deren segensreichem Andenken das Stift erbaut ward. Niemand blicke ohne Rührung und tiefinnerste Verehrung auf das edle Paar. — Das Haus betreffend, bemerken wir noch, daß in den Krankenzimmern durch eine höchst sinnreiche Ventilation fortwährend die verdorbene Luft hinweggeschafft, bessere hinzugeführt wird. Die größeren Zimmer, sammtlich schöne Helle Räume, enthalten acht Betten und Alles, was den Leidenden irgend zum Nutzen und zur wünschenswerthen Bequemlichkeit dienen kann. Im obern Theile des Hauses ist eine Reihe kleiner, allerliebst eingerichteter Zimmer für einzelne Bewohner, zunächst für Pensionäre bestimmt. An sonstigen Räumlichkeiten nennen wir noch das Operationszimmer, welches das nöthige Helle Licht von oben und von zwei Seiten empfangt; die mit ihren Dampfkochanstalten wahrhaft großartige Küche; die beiden Badezimmer mitihren Vorrichtungen für Regen- und Sturzbäder; die Waschküche, die durch ein 30 Fuß langes Rohr in direkter Verbindung mit dem großen Dampfkessel der Hauptküche steht; endlich die Verbandküchen, im ersten und zweiten Stock, neben den Seitentreppen, befindlich. Nach dem Einweihungstage blieb das Betty-Heinestift für mehre Wochen dem schaulustigen Publikum geöffnet. Der Andrang der Besucher aus allen Klassen der Bewohner Hamburgs und Altonas war so groß,' daß Viele den Weg mehrmals zu machen sich genöthigt sahen. Ueberraschend reiche Gaben zum Besten der Anstalt strömten in die im Vorsaale ausgestellten Becken. Aus den Blicken und Worten der Spender, welche Relkgionsverschiedenheit auch zwischen ihnen herrschen mochte, sprach im vollen Einklänge die herzlichste Hochachtung für den Mann, welcher von dem Uebermaße der ihm gewordenen Glücksgüter so herrliche Werke schafft, der nicht einem Drachen gleich den Mammon mit dem stieren Blicke des Wahnsinns bewacht, sondern durch ihn die Schmerzen seiner armen Brüder lindert, ihre Thränen trocknet, die Gedrückten aufrichtet, dem müden, hilflosen Alter eine sichere Zufluchtsstätte schuf. — Wöge sein Name im ganzen deutschen Vaterlande in Preis und Ehren ertönen! Salomon Heine ist ein Biedermann, auf den nicht nur die Stadt, wo er, hoffentlich noch für lange Zeit, lebt und wirkt, nicht nur seine Glaubensgenossenschaft, — auf den die Menschheit stolz sein darf. M. Verlag von^K. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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