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Der Orient · 1844-01-02 · Heft 1 (2.1.1844) · p. Seite 6

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 1 (2.1.1844)
Date
1844-01-02
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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6 meine Stimme noch schlagender, wenn wir darauf hindeuten, welchen Belästigungen und Zudringlichkeiten Tag für Tag ein Mann ausgesetzt ist, der für Viele mit einer öffentlichen Wohlthatigkeitskasse identisch scheint. — Sa!. Heine ward zu Hannover im Jahre 1767 geboren. Fortuna lächelte nicht an seiner Wiege. Der einst Millionen besitzen sollte, verließ im siebzehnten Jahre die Vaterstadt mit 16 Groschen und einem Paar Lederner Unaussprechlichen. Der junge Mensch pilgerte nach Hamburg, auf gut Glück. Ec hatte weder Verwandte, noch Gönner oder Freunde dort, aber Muth im Herzen und einen tüchtigen Verstand im Kopfe. Seine Kenntnisse beschrankten sich auf nothdürftiges Schreiben, Lesen und Rechnen; indessen war Hamburg damals noch bei weitem mehr als heutzutage der geeignete Ort, der merkantilischen Thatkraft, und namentlich der Beweglichkeit, der emsigen Unverdrossenheit, dem Scharfblicke und der Elasticität des israelitischen Spekulationsgeistes in kurzer Zeit die günstigsten Erfolge zu sichern. Heine fand zuerst ein Unterkommen in dem zu jener Zeit bedeutenden Popert'schen Banquiergeschafte. Er verließ es, um sich mit einem Wechselmäkler zu associiren, dessen Sohn, der verdienstvolle Präses des Hamburger Handelsgerichts, Dr. Halle, Heine's einzige noch lebende Tochter zur Gattin hat. Später trat Heine selbstständig in dem Wechselmäklergeschäfte auf, und seiner Thatigkeit, Rührigkeit und strengredlichen Handlungsweise dankte er die beste Frucht, das allgemeine Vertrauen; seinem offnen, biedern Charakter wurde die wärmste Hochachtung. Im I. 1797 legte Heine durch das in Verbindung mit seinem Geschäftsfreunde Heckfcher etablirte Banguierhaus, welches später noch die Herren Levin Herb und Jakob Oppenheimer als Theilhaber aufnahm, den Grundstein zu seiner jetzigen finanziellen Größe. Das Haus bestand in gleichen Verhältnissen, doch mit immer wachsendem Ansehen bis zum Jahre 1818, wo die Association aufgelöst ward und Heine mit einem Vermögen von mehr als einer Million Thaler als alleiniger Cbef an der Spitze blieb. Von nun an entwickelte sich die ganze merkwürdige Spannkraft, der rastlose Fleiß, der fast nimmer irre gehende Scharfsinn, die rüstige Schlagfertigkeit des Mannes und jenes seltene Zusammenwirken von waghalsiger Spekulationslust und kühler Besonnenheit, welches in der hiesigen Handelswelt noch heute ein Gcgensiend des Staunens und wohl auch des Neides ist. Der Mannigfaltigkeit der Heinischen Unternehmungen kamen nur die glücklichen Erfolge gleich, mit denen sie gekrönt wurden. Freilich ward die Basis, auf welcher diese weitverzweigte Thätigkeit agirte, immer fester, immer solider. Die Firma: Sal omon Heine erlangte endlich einen europäischen Ruf. Sie steht, was Kredit und Achtung betrifft an keinem Handelsplätze der Welt den Rothschilds, Barlngs, Aguado's, Eskeles, Sina's und ähnlichen nach. Seine imposante Stellung erschütterte nicht, einmal das verhängnißvolle finanzielle Erdbeben deS Jahres 1825, welches, von London ausgehend, in Hamburg B. A. Goldsmith und Andere, in Frankfurt a. M. zwei der größten Banquiers, in Berlin den reichen Benecke, in Leipzig den verdienstvollen Neichenbach niederwarf und in seinen traurigen Folgen in ganz Deutschland tief empfunden wurde. ■— „Js was pafftet?" fragte Salomon Heine im gemüthlichsten SJeglige seiner Sprecharl und dickte für einen Augenblick verwundert vom Schreibpult auf. Und dann griff er in die Tasche und was er herauszog, war hinreichend, verschiedene wankende Hamburger Hauser vor dem Falle zu bewahren, Anderen, welche sich durch die Katastrophe unrettbar verloren sahen — zu denen sogar sein früherer Associe L. Hertz gehörte —, den herben Schicksalsschlag minder furchtbar zu machen. Hier wäre nun vielleicht der passendste Ort, eine lange Reihe der edelsten Handlungen aufzuzählen, welche uns von diesem seltenen Manne bekannt geworden sind, von denen viele, dem Thatbestande gemäß erzählt, eben so originell ausgeführt erscheinen würden, wie sie echte Humanität und das hochherzigste Fühlen, die lauterste Menschenliebe beurkunden. Raumbeschränkung gebietet uns indessen, nur Einzelnes zu berühren, was besonders hervorragt und nicht nur den Dank der Zeitgenossen, welche zunächst die Nutznießenden, sondern auch den Segen und die Verehrung der Nachwelt verdient und unzweifelhaft finden wird. Zum Andenken seines im Jünglingsalter in Italien verstorbenen, allgemein betrauerten Sohnes, Hermann Heine, stiftete der schwergebeugte Vater eine Vorschußkasse zum Besten israelitischer Handwerker und Gewerbtreibender, bestimmt, auch den Unbemittelten unter ihnen eine feste Lebensstellung möglich zu machen. Hunderttausend Mark Banko und die Zinsen einer russischen Staatsobligation von 40,000 Rubel setzte der treffliche Mann zu diesem Zwecke aus. Das Institut ist in den Bedingungen seiner Wirksamkeit so scharfsinnig und zweckmäßig organisirt, daß sein' ursprünglicher Fonds in demselben Verhaltniß sich mehrt, wie die Zahl der Vorschüsse steigt, welche geleistet werden. Letztere wurden im Minimum auf die Summe von 2000 Mark Ban ko im Maximum auf 5000 Mark Banko festgesetzt; der Vorfchußbedürftige stellt zwei sichere Bürgen und zahlt 2Procent Zinsen. Diese werden zum Grundkapital der Kasse geschlagen und so sieht sich dieselbe in den Stand gesetzt, in ihren Hilfsleistungen allmalig die ursprüngliche Zahl der Vorschüsse zu überschreiten. Bis zur völligen bürgerlichen Gleichstellung der Hamburger Israeliten mit den christlichen Einwohnern ist das berührte Institut einzig zu Gunsten der Ersteren errichtet; sobald aber jener Zeitpunkt gekommen — der uns, leider! noch in weiter Ferne scheint — wird kein Unterschied der Religion bei der Benutzung der Hermann Heine'schen Stiftung mehr in Betracht kommen. Warum es jetzt der Fall, bedarf wohl keiner Er-

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