Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-01-02 · Heft 1 (2.1.1844) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 1 (2.1.1844)
Date
1844-01-02
Page
Seite 2 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360310-2360312--4295-3529984
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 - Tücke triumphire über die schwachen, die unglücklichen Trümmer einer Gemeinde, die einst hier sich seine Priestergemeinde nannte. Seitdem wir, Hr. Kirchheim und ich, uns die schwierige Aufgabe gestellt, unsere Brüder im Heilgen Lande von der Geißel des amsterdamer Pharao und seiner, syrischen Kreaturen zu befreien, hatten wir es fast ununterbrochen bald mit Jntrigue und Hinterhalt, bald mit unzugänglichem, schroffen Vorurtheil, bald endlich mit zaghafter Halbheit zu thun, die, selbst bei gewonnener richtigen Einsicht, dennoch, wo nicht die Flüche, so doch die Verdächtigungen und persönlichen Anfeindungen der Gegner fürchteten. Man hielt mich hier von Seiten des Unterkomitö's mondelang mit scheinbaren Vergleichsunterhandlungen hin, angeblich um so den Armen in Palästina auf gütlichem Wege und mit Vermeidung eines öffentlichen Skandals die nöthige Hilfe zu verschaffen , in Wahrheit aber, wie sich herausstellte, um Zeit zu gewinnen, unterdessen die Beiträge für das Jahr 1842 — und resp. ebenso 18i3 zu erheben und dem Herrn Principal nach Holland zu remiNiren» Man besprach und beschloß in meiner Gegenwart, so im Herbst 1842 wie 1843, das Komitv solle und wolle sich behufs direkter Erkundigungen nach Jerusalem, dann nach Alexandrien, endlich nach Konstantinopel wenden — nur sollte ich bis zum Eingang der Antworten alle öffentliche Schritte ein stellen. Aber als ich auf die Ausführung solcher Beschlüsse ernstlich drang, erklärte man mir zuletzt, man werde Hrn. Lehren in Amsterdam auffordern, daß er jene Erkundigungen einziehe und dem Komitu deren Ergebniß.mittheile,' worauf dann dieses Komitv seine Beschlüsie fassen würde« — So ward es denn immer klarer und gewisser, daß mit dem hiesigen Unterkomitü ebensowenig als mit dem amsterdamer Hauptkomitv ein gedeihliches gütliches Abkommen möglich, daß es diesen Herren nimmermehr um Ermittlung der objektiven Wahrheit, sondern lediglich um die Vcrtheidigung ihrer Parteifache — zu welcher sie die Präsidentschaft des Herrn Lehren erhoben hatten — zu thun war, mir kurzen Worten, daß diese Herren sich keinesweges wie selbstständige Verwalter für die Armen von Palästina, sondern vielmehr wie Geschäftsträger und Kommis des Hrn. Lehren betrachteten, die mit ihrem Herrn und Meister stehen und fallen würden und die, wie mir denn auch in der That Kulp noch am 29. Nov. 1843 erklärte, sich nicht berechtigt glauben, die eingesammelten Beiträge einem andern als eben Hrn. Lehren, der sie doch eigentlich „ v e r sch afft" habe, zur Vermittlung zu übergeben. Ebenso hielten sich diese Herren „ n i ch t berechtigt," zur Erforschung der Wahrheit irgend beizurragen, und so kam es, daß, trotz aller desfaltsigen Bemühung, das nach Jerusalem gegangene Erkundigungsschreiben vom 24. Okt. 1842 von keinem einzigen K om i t e m 11 g l i c b e m L t u nL e r ze i ch n e t wurde!! Wahrscheinlich hatte Hr. Hirschel Lehren befohlen: „cyn 2h. jDEEM riüNm, wjn n{**v p, jwn wj?i, vm) mm V iXDli 2^/1, yOK»" — was zu deutsch heißt: „Im Trüben ist gut fischen und im Dunkeln ist gut munkeln!" In diesem trostlosen Stande der Dinge konnte uns nichts erwünschter sein als die Dazwischenkunft eines Edelmannes, der sogleich bei seinem ersten Auftreten in der Sache ebenso seine warme und innige Theilnahme, wie seine parteilose Unbefangenheit auf's entschiedenste beurkundet und den wir hiermit in Hrn. von W. herzlich willkommen heißen! Einem Mann gegenüber, der mit so gerader Offenheit seine Herzensmeinung den beiden Parteien unumwunden hinsagt, bedarf wohl dieselbe Tugend keiner weitern Entschuldigung, und so fürchten wir keinesweges von Hrn. v. W. irgend misverftanden zu werden, wenn wir mit ihm eine gleich offene Sprache in der festen Zuversicht reden, daß diese-Sprache bei ihm ein ebenso williges Ohr finden wird, als der seinigen bei uns zu Theil geworden. Denn diese Sache, wenn sie zu einem ersprießlichen Ziele endlich gelangen soll, bedarf vor Allem redlicher und offener Männer, die sich gegenseitig verstehen und verstehen wollen und die der Wahrheit, sobald sie solche erkannt, die gebührende Ehre nicht vorcnthalten, auch wenn sie dabei einen früher» Jrrthum aufgeben und bekennen müßten. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Hamburg, 13. Dec. (WB. vom 10. —17. Dec. 18^3) Die Ernennung des Herrn Leopold Stein, bisherigen Disiriktsrabbiners in Burgkundstadt im Konichr. Baiern, zum zweiten Rabbiner in Frankfurt a. Mwurde im nördl. Deutschland zuerst durch einen Franks. Korresp. des Alton. Merkurs bekannt, und zwei Tage später durch eine in der Preuß. AUgem. Zeit, enthaltene Privatmittheilung bestätigt» Die Wahl soll unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Souchay stattgefunden haben und eine einstimmige gewesen sein. Man wünscht gewiß überall, wo man wie in Hamburg, Herrn Stein persönlich, oder auch nur aus seinen liter. Leistungen kennen gelernt hat, der Frankfurter Gemeinde Glück zu einem solchen Geistlichen. Manche andere Gemeinde, wie die Kasseler, wird innig bedauern, daß sie der Frankfurter nicht zuvorgekommen. Indessen ist Herr Stein eben in Frankfurt mehr als irgendwo und irgendwer am rechten Platze und selbst die Reformfreunde werden diesem ihren, aus dem Standpunkte des fortschreitenden Rabbinismus stehenden Gegner ihre Achtung und Anerkennung kaum versagen können. — Ohnehin sind gegenwärtig die Blicke aller Juden mehr nach Nord- Deutschland, zumal nach Preußen, und nach Rußland und Polen gewandt. Mit ängstlicher Spannung sieht man neueren und näheren Nachrichten von der russischen und polnischen Grenze entgegen. Im Allgemeinen sind die Hoffnungen aller Menschenfreunde, daß die russ. Negierung ihre barbarischen Beschlüsie znrücknehmen werde, sehr gering. Herzzerreißend, haarsträubend und empörend zugleich ist, .die neulich in der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.