Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1844)
- Date
- 1844-01-02
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Fünfter Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken fü r Das Abonnement für mt Jahr ist 5 Lhlr. $Mn abonnirt bei allen Löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Br. Julius Fürfi. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an, jedem Dienstag regelmästig. Leipzig, den 2. Januar Inhalt. Palästina. Frankfurt a. M. Antwort des Hrn. Löwen stein, die Palästina-Spenden betreffend. — Deutschland. Hamburg. Wochenbericht. Leipzig. Statistisches. Gemeindeleben. — Oesterreich. Prag. Die böhmische Jnbensteuer. Hr. Landau. — Die Sa l. Heine'sche Stiftung in Hamburg. Leben Sal. Heine's. Wohlthatigkeitssinn desselben. Abbildung des Krankenhauses. -— LB. des Or. Palästina. Frankfurt <*♦ M., 22. Dec. 1843. A n tw o r t auf die Aufforderung des Hrn. von W. in Nr. 48 des „Orients" von 1843. Von L. H. Löwenstein. Um Zions willen werd' ich nicht schweigen. Und um Jerusalems willen nicht ruhn. Bis aufgeht wie Sonnenglan; sein Heil, Und seine Rettung wie eine Fackel aufflammt. Zes. LX1I, 1. Dem Wanderer in unwirthbarer Wüste, der sich lange vergebens nach dem Anblick eines Menschenantlitzes gesehnt, und dem dann plötzlich, unvermuthet, die ihm wohlbekannte Stimme eines Freundes erschallt, zieht rasch wieder der frische Muth in die erleichterte Brust ein, ihn belebend und stärkend zur Fortsetzung seiner mühevollen Wanderschaft; dieser Eine Ton bildet einen Hauptabschnitt in der Geschichte seiner Pilgerschaft und bringt ihn mit zauberischer Gewalt seinem Ziele näher, indem cs ihm die Freuden des geselligen Lebens, das er zu finden strebt, vor die hoffende Seele führt. So wer dem Recht und der Wahrheit die gebührende Anerkennung und Ehre zu verschaffen strebt und nach Monden und Jahren wüsten, unerquicklichen Kampfes mit den Verfechtern der Gewaltthatigkeit, des Uebermuths und der Lüge, plötzlich ganzunverhofft überrascht wird von der offenen und biedern Anrede eines edlen Mannes, der, nicht wohlnoch übelwollend den Personen, nur die heilige Sache des Rechts und der Wahrheit im 'Auge hat und aufrichtig das Licht sucht, ohne zu fragen, ob es von der Rechten oder von der Linken herleuchtet, ob dessen Strahl früher vorgefaßte Lieblingsmeinungen glänzend hervorheben, oder — ob er sie in unhaltbarer Blöße zeigen und ihr Dasein vernichten wird. Ein solcher Biedermann hat uns lange schon nothgethan in der vielbesprochenen Angelegenheit unserer armen Brüder in paläffina gegen il)ve Uli barm herzigen Tyrannen in Syrien und Holland — unserer armen, unglücklichen Brüder, die, unter dem dreifachen Joche drückender Armuth und zwiefacher Tyrannei seufzend, so viele Jahre hindurch vergebens ihren Herzzerreißerden Nothruf zu den wohlwollenden Brüdern im fernen Abendlande erschallen ließen r und die hilflos schmachteten, weil selbst ihre klagende Stimme, des Aermsten einzige, letzte Zuflucht, mit gewaltsamer Faust erstickt ward, bis endlich diese Stimme, unvermögend, der Wachsamkeit verworfener, wegelagernder Schergen zu entkommen, einen Weg fand zum allbarmherzigm Vater der Bedrängten, zu dem die Wege alle offen stehn aus den Mauern der Kerker und aus den Klauen der Wüthcriche. Eia solcher Mann, sagen wir, hat uns längst nothgethan, und der allmächtige Vater der Armen hat nun auch ihn gesandt, um kräftig und rüstig Hand aazulegen bei dem frommen Gotteswerke der Erlösung und Errettung hilssbedürftiger Brüder. Ja, cs ist wahrlich ein Finger Gottes, der offenbar hier waltet, und der anfangs so verzweifelten Sache unserer geknechteten Glaubensgenoffen, wenn auch wohl erst noch nach so manchen widerwärtigen Kämpfen, doch endlich den Sieg verschaffen wird. Frohlocket nicht allzufrüh, ihr Schildträger der Unterdrückung, pochet nicht allzusehr auf den Reichthum und den erlangten Einfluß eueres schuldbeflecktm Oberhaupts; der Arme hat einen Vater im Himmel, und der Gott, dessen Herrlichkeit in Jerusalem gethront, er wird nicht immer dulden, daß in jener heiligen Stadt Arglist und heuchlerische 1