Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 2 (9.1.1844)
- Date
- 1844-01-09
- Page
- Spalte 23-24 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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23 24 Studien» I. Lrigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer. Herrschaft der Welt verschaffen sollte, sondern wir bauen unsere Hoffnung hauptsächlich auf diejenigen Aussprüche der gottgesandten Propheten, in welchen dem Messias eine größere, eine edlere Bestimmung zugetheilt wird, nämlich die Rettung und Erlösung der ganzen Menschheit, die Vereinigung aller Nationen zu einem friedlichen Reiche im Dienste des einzig wahren Gottes. Das erste, das vorzüglichste Mittel, wodurch das göttliche Reich herbeigeführt werden kann, ist aber in unfern Augen eben die Lehre des Herrn, die reine und unverfälschte. Je mehr diese an Kraft und Einfluß in unsrer Mitte gewinnt, desto mehr nähern wir uns dem sehnlich erwarteten Zeitpunkte der Erlösung. Und daher müffen wir auch jeden Versuch, der darauf berechnet ist, uns von der reinen Gotteslehre abzuführen, alles Ernstes von uns weisen; als einen solchen Versuch glauben wir aber auch den von Ihnen beabsichtigten Meformverein bezeichnen zu müssen. Zedwitz, im Nov. 1843. Gutmann, Distriktsrabbkner. Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer. (Im Auszuge übersetzt und mitgetheilt.) (Fortsetzung.) Er hatte, da alle Weisen getödtet waren, volle Freiheit, nach Willkür Erklärungen geltend zu machen, hinzuzufügen und wegzunehmen vom geschriebenen Gesetz, was die Lehrer, denem die Wahrheit am Herzen liegt, niemals hätten gutheißen können. Doch stimmten ihm zu jener Zeit Viele bei, weil er seine Bestimmungen auf eine Tradition des Moses selbst vom Sinai her znrückführte. Indem also viele den Worten des Simeon Glauben schenkten, fielen sie ab von der Regel des ganzen Israels , welches dem folgte, was geschrieben steht in der Schrift, und so entstanden zwei Sekten; die einenahm Simeon's Kabbala an und heißt die Rabbanitische, die andere blieb auf ihrem Grunde seststehen und nannte sich Kara'im, verwarf alle Zusätze zum schriftlichen Gesetz und hielt sich an die althergebrachte Lehre. — Obgleich der Herausgeber des Buches Kusari unter jenem Priester, dessen Mutter nach dem Urtheil der Weisen einen Flecken haben sollte, den Iannai Alexander versteht, so ist es doch durch das Zeugniß des Josef, sowie aus 'andern Gründen gewiß, daß die Gemahlin Simeon's, welcher dies Schuld gegeben wurde, nicht die Mutter, sondern die Großmutter des Iannai Alexander war und daß also nicht Iannai, sondern Hyrkan jener Hochpriester war. Die Zeit, während welcher dieser Hoherprister war, ist, da die Angaben so sehr abweichen, nicht mehr sicher zu bestimmen: Was wollte aber Eleafar, in dem er dem Hyrkan vorwirft, daß seine Mutter rhhn sei, und die Farisäer, in dem sie den Alexander damit beschimpften, daß er aus solchem Blute entsprossen sei? Das Wort n^ri bedeutet überhaupt profan, illegitim. .Nun aber war die des Hyrkan keine illegitime, sondern man nannte seine Mutter wegen der Gefangenschaft, in die sie gerathen war, so. So erklärt es auch R. Abraham Ben David und andere. Moses verbietet aber nirgends den Priestern eine Frau, die Kriegsgefangne gewesen ist; denn hierin liegt keine Schuld, sondern ein Unglück. Das ganze Israel sammt den Weibern hatte dieses Schicksal! mehr als einmal. Alle Priester und Leviten des zweiten Tempels werden von Esra nnfal vq genannt. Aber hierum unbekümmert verboten die Urheber des Farisäismns -cm j Priester eine gefangene Frau, obwohl sie Jüdin und aus ed-! lem Geschlecht entsprossen war, um einen Zaun um das Ge-; setz zu machen, weil sie während ihrer Gefangenschaft gemis-! braucht worden fern konnte, und dieß dennoch ihrer Ehre we-! gen verbarg, wie R. David ganz recht bemerkt. Ob aber die j Mutter des Ioh. Hyrkan wirklich von den Heiden gefangen worden ist, scheint ungewiß zu sein. Josef läugnet es | zwar (Antiquit 13, 18); aber von der andern Seite wird es wahrscheinlich sowohl durch 1 Makk. 1, 34. 2, 28, wo die j Wegführung von Weibern und Kindern nach der Einnahm j Jerusalems durch Antiochus erzählt 'wird, als auch dadurch j daß die Farisäer den Vorwurf bei Iannai Alexander, während des Gottesdienstes zu wiederholen wagten. Auch hat weder Hyrkan noch Alexander die Thatsache abgeläugnet; ja Aristobul, der Sohn Hyrkan's, hat sogar die daraus gezogene; Folgerung zugegeben, indem er das Priesterthum freiwillig niederlegte, denn man kann kaum glauben, daß er dieß deswegen gethan habe, weil er das Amt verachtete. Wir mW . aber nun untersuchen, worauf gestützt R. Simeon Ben Schetach,; aus Alexandrin zurückgekehrt, mehr als ein Anderer sich # men konnte, hd byivt minn N">n ntap h ww* Es liegt auf der Hand, daß da zu Alexandrien platonische und andere Philosophie gelehrt wurde und die Egyptier nach uralter Sitte aus den hieroglyphischen Zeichen Geheimnisse herausdeuteten, Simeon eben so wie Philo und Origenes das Aegorisiren und das künstliche Erklären lernte, während der Zeit seines Aufenthalts daselbst einige Kenntnisse in dieser | Kunst erlangt und die Erklärungsmethode auf .das heil. Ge- ] setz angewandt habe, wodurch er alles Mögliche aus der heil. j Schrift ableiten konnte, vermittelst der bekannten Kunstgriffe, welche später die Rabbinen auf Gematria, Notarikon, Temura rc. zurückführten. Da nun keiner der alten j Lehrer übrig war, der seine Künste verspotten und die elenden Gründe widerlegen konnte, machte er sich breit mit einer j Kabbala und einer verborgnen Art das Gesetz zu erklären, j die von Moses selbst herrühren sollte. Da er außerdem durch j sein Amt und durch die Verwandtschaft mit dem Ethnarchen; in großem Ansehen stand, so ist es nicht zu verwundern, wenn er in jener finstern Zeit durch die Unwissenheit des Volks und die Bewunderung des Verborgenen Beifall fand. Nach j ausschickung dieser Begebenheiten wird es nicht schwer |cw