Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1844)
- Date
- 1844-01-09
- Page
- Seite 15 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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15 konnte Unterzeichneten Erklärung in hiesigen und auswärtigen Blattern die Gläubigen zu möglichst reichlichen Gaben nach Palästina, jedoch natürlicherweise ausschließlich durch die Verwittelung des amsterdamer Hauptkomite, d. h. nicht für das Hospital und die Schule, aufgefordert, wogegen denn andererseits von Seiten der unermüdlichen Gegner kräftig und rüstig angekämpft wird. D. A. Z. Karlsruhe, 26. Dec. 1843. Die israel. Gemeinde hier, welche ungefähr 1100 Seelen zähl!, ist durch die Volksaufregung bei der v. Haber'schen Duellangelegenheit so unangenehm berührt worden, daß sie sich nach vielfachen Berathungen endlich entschließt, eine Petition an die Landstände des Großherzogrhums gelangen zu lassen, worin um völlige Gleichstellung und endliche Emancipation gebeten werden soll, in der festen Ueberzeugung, daß nur eine völlige Gleichstellung einen Judenhaß des Pöbels entwaffnen könne. Die Gemeinde zu Karlsruhe unternimmt die Abfassung und Absendung der Petition ganz auf eigne Faust, ohne die jüdischen Gemeinden zu Mannheim, Heidelberg, Ladenburg, Schwetzingen rc. zu Rathe zu ziehen, theils um in ihrem Bestreben nicht aufgehalten zu werden, theils aber auch in dem festen Vertrauen, daß jene Gemeinden durch das Beispiel jener in der Residenz ohnehin aufgemuntert werden dürften, wie es schon auf dem denkwürdigen Landtage von 1831 geschehen ist. In keinem Lande Deutschlands sind die jüdischen Schul- und Kirchenverhältnisse in so erfreulicher Weise geordnet als in unserm Großherzogthum, aber auch in keinem waren die Emancipationsbestrebungen so heftig und doch so fruchtlos, und es ist kein Wunder, wenn das Häuflein von 20,000 jüdischen Badensern nach dreizehnjährigem fruchtlosen Mühen endlich indifferent geworden ist, sodaß es fttzt erst eines solchen äußern Anlasses bedurfte, um den Vorstand anzuregcn. Schon bei der Ständeversammlung von 1841, nachdem den Israeliten ausgegeben worden, die Führung bürgerlicher Standesbücher, wie bei den Christen, einzurichten, überreichten 68 Israeliten Mannheims eine Vorstellung „um Abänderung der noch beschrankenden Bestimmungen des Gemeindegesetzes," und viele christliche Bürger Mannheims petitienirten um die allgemeine und völlige Emanctpation. Allein damals ging dte Versammlung zur Lagesordnung über, mit Verweisung auf die Beschlüsse der Kammer von 1831— 1841; möge die gegenwärtige Petition ein besseres Schicksal haben! D. A. & Frankfurt a. M, 27. Dec. 1843. (D. A. Z.) Als in dieser Zeitung über die Zustände dec hiesigen israelitischen Gemeinde gesprochen wurde, harte der Korrespondent der augsburger Allgemeinen Zeitung die Veranlassung dazu gegeben. Dieser Berichterstatter macht uns aber neuerdings die Wahrheit unserer Mittheilung streitig, und wir lind daher genöthigt, aus diesen Gegenstand zurückzukommen. Ich hatte geschrieben, daß es unwahr sei, daß Männer von Ansehen sich für den Reformverein ausgesprochen haben, und daß alle Stimmen, welche man darüber vernommen, entschieden dagegen wären; daß zwei hiesige Aerztä, zwei Rcchtsgelehrte, zwei Literaten und zwei Mitglieder des Vorstandes zum Vereine gehören, wissen wir schon lange; diese aber sind nicht erst jetzt beigetreten, sondern gehörten von Anfang an zum Vereine, mit Ausnahme eines Literaten, der erst später sich zu ihnen gesellte. Lächerlich ist es aber, wenn der Korrespondent der genannten Zeitung sagt, daß die Wähl des Dr. Stein zum zweiten Rabbiner vom Vorstande deswegen durchgesetzt fei, weil Dr. Stein dem Reformvereine gewogen und denselben unabweislich in die Synagoge einführen werde. Es ist ihm sicher ganz unbekannt, daß Dr. Stein in drei Nummern des „Orient" ein sehr vollständiges Gutachten gegen den Reformverein geliefert, obschon er selbst von dieser Gesellschaft darin sagt: üe mortui« nil nisi bene. Dieser Berichterstatter will ferner aus zuverlässiger Quelle vernommen haben, daß keins der 16 eingegangenen Rabbinatsgutachten — selbst das von Bernays nicht ausgenommen — der Beschneidung die Bedeutung zuerkennt, daß ein Israelit durch den Mangel derselben völlig von der jüdischen Religionsgemeinschaft ausgeschlossen wäre. Hierauf wollen wir nur erwidern, daß von den eingegangenen Gutachten, deren Zahl über 30 ist, bereits 28 gedruckt sind, und es ist noch nicht bestimmt, bis zu welcher Zahl der Druck derselben fortgesetzt werden soll. Es befinden sich darunter die Gutachten der anerkannt tüchtigsten und dem Fortschritte huldigenden Männer, wie Mannheimer in Wien, Wolff in Kopenhagen und vieler Andern, und wenn sic nicht Alle ohne Ausnahme entschieden für die Beschneidung sprächen, hätte sie das Rabbinat wohl schwerlich beim Senat eingereicht und würde sie jetzt nicht drucken lassen. Nicht minder ist man über Bernays falsch unterrichtet, denn derselbe hat gar kein Gutachten eingesendet und schreibt unter dem 1. Jul. an das hiesige Rabbinat wörtlich: „Auf Ihre in Einlage mir zugekommene gedruckte cirkularische Aufforderung in Betreff der dort hervorgetretenen Neusekte und ihrer Anhänger, nehme ich mir die Ehre zu bemerken, daß, indem dieselbe den die historische religiöse Basis des Iudenthums bildenden Bund am Fleische resp. die Vergangenheit aufgiebr, den Messias resp. die Zukunft in das deutsche Vaterland aufgehen läßt, die Tradition als das, das Gesetz in der Gegenwart göttlich fortleitende Princip, der vernünftigen Subjektivität des Menschen preisgievt, sie sich aller und jeder historischen Existenz in dem einzig und allein historisch denkbaren Iudenthume selbst beraubt, somit also sich die dort früher allbekannte Poffenreißerei des Sichselbsthinauswerfens nur auf dem religiösen Gebiete wiederholt, solch ein Selbsthinauswersen aus göttlichem Gesetz und Schrift aber auch einer weitern gelehrten theologischen Untersuchung unterzogen zu werden weder verdient noch heischt" rc. Ich theile Ihnen diesen Brief mit, damit das Urtheil Bernay's über den Resormverein bekannt werde und damit man sehe, was man von den Berichten, die man hin und wieder liest, zu hatten hat.