Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1844)
- Date
- 1844-01-09
- Page
- Seite 14 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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14 dieser erwähnten Weise verfahren, um von sich den Verdacht abzuwälzen,, als wäre die Wahl damals nur zum Scheine gewesen, was Leider jetzt bei der neuen vorzunehmenden Wahl eines dritten Beisitzers sich auch bestätigt. Drei Vorsteher haben mit Hm. Sachs es schon im Voraus abgemacht und die 32 Wähler muffen sich zu dieser Komödie hergeben. Der Vorstand sollte offen austreten und erklären, wir handeln eigenmächtig, wir wollen den oder den und damit genug; wozu das Possenspiel? Eine Gemeinde, die sich solche Eigenmächtigkeit ihres Vorstandes gefallen laßt, verdient es nicht besser, als bei der Nase herumgeführt zu werden. Hamburg, 25. Decbr. 1843. (WB. v. 17— 24. Decbr.) Den Hauptaniheil an der Erwählung des Herrn Leopold S tein zum zweiten Rabbiner in Frankfurt a. M. sollen, wie die A. A. Zeit. meldet, zwei Mitglieder des Gemeindevorstandes, die sich dem Reformvereine angeschlossen, genommen haben. Wir würden uns herzlich freuen, wenn diese Nachricht sich bestätigte; denn sie würde auf eine gegenseitige Wiederannäherung der getrennten Parteien deuten. Von den erfreulichen Resultaten des dortigen Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den israel. Glaubensgenossen haben Sie bereits in einer der Decembernummern des Orients eine kurze Uebersicht geliefert; dieselbe scheint mir indeß der Ergänzung werth. 1842 wurden vom Vereine 529, im I. 1843 dagegen 548 Personen unterstützt. Davon gehörten an: Hessen-Darmstadt 272, Kurhessen 90, Nassau 76, Hessen-Homburg 37/ Baiern 20, Frankfurt a. M. 53, zusammen 548. Im Jahre 1843 waren neu hinzugekommen 19 Lehrlinge (darunter [neu] 1 Gelbgießer und 1 Schristgießer); ausgeschrieben wurden 20; Kleidung erhielten 43; Werkzeug 22; zur Wanderschaft ausgerüstet 17; Unterricht ertheilt an 4; Monatl. Unterstützung gereicht ast 8 Waisen, für alle 8 zusammen 220 fl. 50 kr. Vier neue Meister wurden unterstützt. Der Kassensaldo betrug 5402 fl. 37 kr. — Der verstorbene Herr Hayum Salomon Goldschmidt hatte 10,000 fl. (jahcl. 400 fl.) für angehende Handwerker aus einer, mehr als 6 Stunden von Frankfurt entfernten Gegend legirt. — Bruno Bau er's Judenfrage , die Breslauer Kämpfe über die Grenzen der Lehrfreiheit im Judenthume, das napoleonische Wuchergesetz und die Beschränkungen, unter denen die Juden in Rheinbaiern seufzen, haben ein treffliches, wenn auch im Eingänge zu heftig geschriebenes Werkchen hervorgeruftn, welches den Titel führt: Zustande und Kampfe der Juden mit besonderer Beziehung auf die baiersch e ' Rheinpfalz. Mit dem Motto: Dum 'vrvaiifc, moriunUir. (Mannheim, I. Bensheimer 1843. 109 S. 8.) Nach einer wohl zu herausfordernd und überschwenglich lautenden Einleitung folgt ein Votum über die Zulässigkeit der Abschaffung des Talmuds und in 4 Abschnitten, relig. Leben, Synagoge, Schule und bürgerl. Leben entwickelt der Vers, die Wahrheit des Judenthums und die Unterdrückung der Juden. Mit den hier aufgestellten Ansichten wird aber wohl die Bauec'sche Partei sich nicht einverstanden erklären. ■— Frankfurt a. M., 24. Dec. 1843. Die Gründung eines Hospitals und einer Schule in Jerusalem, wozu bekanntlich die HH. v. Rothschild 100,000 Fr. bewilligt haben, ist dermalen auf Hindernisse von einer Seite gestoßen, woher man solche am allerwenigsten hätte erwarten mögen. Ein heftiger und hartnäckiger Widerstand gegen diese wohlthätigen und dringend nöthigen Anstalten hat sich nämlich im Schooße des Iudenthums selbst, und zwar von Seiten der fanatisch-orthodoxen (chasida'ischen) Partei erhoben, einer Sekte, die, ursprünglich kn Polen gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts entstanden, dort aber von den streng talmudistischen Rabbinern und an deren Spitze von dem bekannten Rabbi Elias in Wilna, als das Judenthum kompromittirend, mit Erbitterung bekämpft und zuletzt sogar als staatsgefährlich von der Regierung unterdrückt, jetzt in Amsterdam —dem „Wasscrsacke des Kontinents," wie Börne diese Stadt benennt — ihr Hauptquartier aufgeschlagen hat. Das Oberhaupt der genannten Sekte, ein amsterdamer Kaufmann, bereist von Zeit zu Zeit einen großen Theil von Europa, um angeblich zu Gunsten der Nothleidenden in Palästina, in Wahrheit aber zur Gründung und Befestigung einer Autorität und einer Art von Macht für die unter den europäischen Juden — am wie unter den Christen die Jesuiten — verrufenen Chasidäer, Spenden und Opfergaben zu erheben und um sich dafür nicht allein von den Seinigen als den Nass (Fürsten) von Palästina anerkennen zu lassen, sondern auch in Jerusalem einen sogenannten Konsul zu halten, die seiner Sekte nicht günstigen oder misliebigen Rabbiner und Gemeindevorsteher zu verdrängen oder abzusetzen, vor Allem aber, um die Bocke von den Schaafen zu unterscheiden, eine regelmäßige Spionage über deren Korrespondenz zu unterhalten. Die kostspieligen Mittel, die zur Erreichung dieser Zwecke dienen müssen, werden nun, wie natürlich, aus den gesammelten, sich bereits zusammen auf mehre Millionen Francs belaufenden Summen bestritten, und es konnte daher den amsterdamer Chasidäern nur sehr unwillkommen sein, in der Gründung eines Hospitals und einer Schule zu Jerusalem — wie vor einigen Jahren schon durch die Erbauung einer Synagoge für die dortige deutsch-israelitische Gemeinde — eine Art von Konkurrenz eröffnet zu sehen, die, wenn sie anders zu Stande kommt, voraussichtlich einen ansehnlichen Lheil des Ertrags jüdischer Mildthätigkeit absorbiren und so den Zwecken des wiederaufstrebenden Chasidäismus entziehen muß. Auch ein Theil der hiesigen ultraorthodoxen Israeliten hat sich diesen, ihrer Meinung nach zeitgemäßen, holländischen Bestrebungen angeschlossen und in einer von sünf Mitgliedern des znm Behuse der Geldsammlungen von Amsterdam aus hier errichteten Filial-