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Der Orient · 1844-01-09 · Heft 2 (9.1.1844) · p. Seite 16

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 2 (9.1.1844)
Date
1844-01-09
Page
Seite 16 (sequence 15)
Language
German
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16 Danema r k. Kopenhagen, 18. Sptbr. 1843. (Verspätet.) Der Tod des Professors Dr. Ludwig Levin Jacobson hat einem andern Korresp. die Veranlassung gegeben, Ihnen einige ausführlichere Notizen über Dänemark zuzusagen. Seitdem ist Ihnen ein besonderer Bericht aus Kopenhagen, wie es scheint, von christlicher Hand, zugekommen, welcher über die Errichtung eines Lehrstuhls für jüd. Theologie an der Kopenhagner Universität und über eine große Anzahl notabler Proselyten in Dänemark Interessantes mittheilt: aber statt das Verzeichniß der Letzteren (wie z. B. in Betreff des Professors Henriksen aus Schwerin, Lektors an der Akademie zu Soroe, eines geschätzten Philologen, des Prof. David u. A.) zu vermehren, gedenke ich lieber einige Männer, die wie Jacobson*) im Judenthum bis zu ihrem Tod mit Aufopferung ihres persönlichen Ehrgeizes und der Rangs- und Einkommenserhöhung verharrten. Ich lasse es dahin gestellt, ob der ausgezeichnete Professor der Physiologie Efchricht in Kopenhagen jemals Jude war oder es noch ist, muß aber zwei andere treffliche dänische Naturforscher namhaft machen, die den Juden Ehre machen. Es ist dies der Direktor des botanischen Gartens zu Caleutta, Waltich, und derDocent Dr. Liebmann in Kopenhagen, der erst kürzlich von einer großen botanischen Entdeckungsreise zurückgekehrt ist. Ueber Wallich erzählte mir einer meiner christlichen Bekannten , ein Arzt, jener (Wallich) habe einst als Kommis Schulden gemacht, und sei, da er dieselben zu bezahlen außer Stande gewesen, heimlich aus Kopenhagen entwichen. In der Welt umherirrend, sei er nach den engtisch-ostindischen Besitzungen gekommen und habe dort die Bekanntschaft eines reichen engl. Naturforschers gemacht, der in ihm außerordentliche Kenntnisse in der Botanik erkannt und ihn mit großem Jahrgehalte zum Reisebegleiter erkoren habe, bis Wallich seine jetzige Anstellung als Direktor des botan. Gartens in Ealcutta gefunden. Neuerdings sei Wallich einmal zum Besuche in seiner dänischen Heimath gewesen und habe da u. A. seine alten Gläubiger aufgesucht und aus freien Stücken befriedigt**). *) Jacobson's Werke sind theils in deutscher, theils in dänischer, theils in französischer, theils endlich in lateinischer Sprache (er hatte dieselbe erst im vorgerückten Alter erlernt) geschrieben. Bemerkenswerth ist es, daß der Verstorbene auf den Wunsch seiner ^christlichen) Witwe auf dem (christlichen) 'Assistenzkirchhofe beerdigt wurde. Alle liberalen dänischen Blätter eifern dagegen im Interesse der jüd. Religion und behaupten, der Prediger Herr Dr. Wolfs hätte dagegen Einspruch thun sollen und müssen. Korresp. **) Beiläufig bemerke ich hier, was freilich Manchem unter den Lesern des Orients bekannt sein wird, daß der berühmte dänische dramatische Dichter Holberg im vorigen Jahrhunderte eine Geschichte der Juden geschrieben hat. Moldau und Walachei. Botfchany, Ende Decbr. 1843. Das russische judenfeindliche Princip dringt nun endlich auch hier durch; unser Fürst Stourdza, der auch in seinem Regiment überhaupt ein Sklave der russischen Handlungsweise ist, sucht nun auch in Bezug auf die Juden sich als Russe zu zeigen. Kein Jude soll künftig einen christlichen Dienstboten halten dürfen; Miethsvertcage mit den Christen sollen höchstens 3 Jahre ihre Giltigkeit haben und Juden ohne bestimmtes Vermögen sollen als Vagabunden behandelt werden. Haben wir auch nie von den Bekennern des griechischen Christenthums, das von dem krassesten Aberglauben kaum zu scheiden ist, Humanität und Civilisation erwartet, so war es doch uns überraschend, die Moldau mit einem Male mit solcher Barbarei auftreten zu sehen.. Denn daß unsere Glaubensgenossen hier zu Lande in den Sümpfen des Chasidismus und somit der Unkultur versunken sind, kann unmöglich diese Maaßregel entschuldigen, da die Moldauer durchschnittlich noch tiefer stehen. Personalchrorrik und Miseellen. Militärpfli chtigkei t der Juden in Preußen. Der preuß. Kriegsminister von Doyen hat an den König Bericht erstattet und diesem die Bitte hinzugefügt, sämmtliche Juden Preußens der Militärpflicht zu unterwerfen. Bis jetzt bestand die Milita'rpflichtigkeit der Juden nur in den alten Provinzen, während die Juden der Provinz Posen blos als Freiwillige dienen konnten. Der Minister unterstützte seine Bitte durch die musterhafte Aufführung der jüdischen Soldaten. Die Juden in Baiern. Das allgemein verbreitet gewesene Gerücht, daß den Juden in Baiern der Hopfenhandel untersagt worden wäre, soll sich nicht bestätigen, was wir ' um so lieber mittheilen. Der Frankfurter Reform-Verein soll, einem christlichen Blatte zufolge, in Gießen allein 18 Unterschriften erhalten haben. Gießen könnte demnach als der Hauptsitz der Reform-Freunde betrachtet werden. Bettina soll, nach dem „Wandelstern/' unter den Gründen, die sie bewogen, eines ihrer Werke dem Buchhändler L. zu verkaufen, angegeben haben, daß er ein Jude sei. Br odneid und Judenhaß. Die Erlaubniß, dic Herr Wehli in Prag erhielt, einen Laden in der Ehristenstadt zu eröffnen, erregte so sehr den Neid und Haß der christlichen Kaufleute, daß sie in einer Nacht die Wehli'sche Firma mit Wagenschmiere bestreichen ließen! Sie wollten ihren Judenhaß schwarz auf weiß darlegen. — Druck von I. H. Nagel. Verlag von E. L. F r i tz s ch e.

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