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Der Orient · 1844-01-09 · Heft 2 (9.1.1844) · p. Seite 10

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 2 (9.1.1844)
Date
1844-01-09
Page
Seite 10 (sequence 3)
Language
German
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10 gerufen zu werden gegen den allgemeinen Erbfeind des Menschengeschlechts, gegen Unrecht und Gewalt, gegen Heuchelei und Lücke. Jetzt, da sie einmal auf den Wahlplatz gelockt sind, jetzt werden sie diesem wenigstens nicht Me den Nucken kehren, sondern sie werden schon ehrenhalber stehen und ausharren, bis mit der Hilfe des Allgerechten der Kampf entschieden sein wird. Und ist alsdann auch Mancher mit meinem Operationsplane nicht einverstanden, tadelt er auch, daß ich, nach seinem Dafürhalten, die Sache ursprünglich nicht am rechten Ende angefaßt — sei's, in Gottes Namen! meinen armen Brüdern werde ich Hilfe gebracht haben, und um diesen Preis will ich gern hiermit im Voraus auf den Ruhm eines Polemikers von richtigem Takte verzichtet haben. Wir waren längst auf eine Aufforderung in ähnlichem ' Sinn gefaßt, und wir erwarteten und wünschten sie. Freilich das, was nunmehr eingctroffen, hatten wir kaum erwartet; so sanguinisch verstiegen sich unsere Hoffnungen kaum, um auf einen dritten, unparteiischen Mann zu rechnen, der blos aus hochherziger Liede zur Wahrheit und zur guten Sache lichtsuchend in diesem dunkeln Labyrinth erscheinen würde. Dagegen waren wir vollkommen zu der Erwartung berechtigt, daß ein ähnlicher Schritt von Seiten des amsterd. Komitees erfolgen müßte — müßte, weil, wie wir dachten, dieses Komite sowohl von seiner eigenen Ehre als auch von seinen Filiälkomite's aufgefordert und genothigt werden würde, entweder durch eine g e ri ch t l i ch e Klage gegen uns oder mittelst einer kräftigen Aufforderung eine Beweisführung von uns zu begehren und so der Wahrheit den Sieg zu verschaffen. Statt dessen verschanzte sich das amsterd. Konnte hinter den, völlig unangetastet bleibenden und gar nichts entscheidenden Nus der Redlichkeit seiner Mitglieder in der Handelswelt, hinter die nichtssagende, in mancher Hinsicht sogar widersinnige Phrase: „Es ist Alles Lug und Trug, was unsre Gegner schreiben!" — und dann noch ^hinter etwas ebenso Hinfälliges und Schlechtes, nämlich hinter die Zeugnisse seiner syrischen Agenten , denen es anmaßlich den Titel und die Eigenschaft von R a b b i n a t e n und Gemeindebehörden vindicirt, von bei\ verblendeten Meinung ausgehend, daß nicht die von den Gemeinden und den bercchtigmi Wählern eingesetzten, sondern die von dem usurpatorischen Nasi Hirschel Lehren von Amsterdam aus installirten Kreaturen allein den Charakter und die Würde besäßen, die man ihnen beilegt, um zum würdigen Gegendienste auch wieder von ihnen, den eignen Kommissionären, das Zeugniß einer trefflichen Administration zu erlangen. Nun aber, nachdem eine Aufforderung an uns ergangen, weit erwünschter als die wir gehofft hatten, nun soll und wird auch der Gerech tigkeit in dieser Sache volle Genüge geschehen. Um die verschiedenen Punkte nach der Ordnung, wie sie in dem Aussatze des §tn* v. W. Vorkommen, zu berühren, komme ich nun auf das Kapitel der Darstellungsweise, .wo vorzüglich mir der Vorwurf der Voreiligkeit und Leidenschaftlichkeit gemacht und selbst von „Schimpfteden und unverzeihlichen Verdächtigungen" gesprochen wird. Was nun vorerst den Vorwurf der Voreiligkeit betrifft, so möchte dieser wohl von dem subjektiven Standpunkte des Hrn. v. W., der von der Wahrheit der berichteten Thatsachen noch nicht überzeugt ist, als begründet erscheinen; nicht aber also von unserm Standpunkte aus, die wir von Allem, was wir vorgebracht, nicht allein persönlich die innigste Ueberzeugung harten, sondern auch längst, vor der Ankunft der neuesten zehn Aktenstücke dafür schlagende urkundliche Beweise theils mit eignen Augen gesehen, Lheils in Händen hatten. Nur der direkte schriftliche Auftrag an uns — wenn man will, die Le^itimatio aä causam activa im juristischen Sinne — diese spezielle Bevollmächtigung allein war vor dem 15. Sept. 1843 noch nicht in unfern Händen; bis zu diesem Tage fühlten wir uns blos durch unser in seinen tiefsten Liesen aufgeregtes und empörtes Rechtsgefühl und die Betrachtung zum Auftreten veranlaßt, daß, wie Hr. v. W. auch nach unsrer Meinung sehr richtig bemerkt, die Verzögerung ein Verbrechen gegen die Kontribuenten und, wie wir binzusügen, gegen die betheiligten Armen ist — ein Verbrechen, das die heil. Schrift mit „wy um) W N1? ljK" (Lev V. 1) belegt, und das wir, die Mitwisser jener schrecklichen Handlungen, nicht auf uns wollten lasten kaffen. Wenn wir also die zu unsrer innern Ueberzeugung durchaus nicht mehr erforderlich gewesene Ankunft der neuern Akten nicht abwarteten, sondern unsrer Pflicht genügten, sobald wir sie als solche erkannten, so dürfen wie hoffen, daß Hr. v. W.— sobald auch er überzeugt sein wird, daß dem so war — auf seinem Vorwurse der Voreiligkeit gegen uns nicht länger bestehen wird. Denn eine vorher zu erlangende Ueberzeugung des Publikums sollten wir doch wohl nicht abwarten und unfern leidenden Brüdern im Orient bis dahin ihrem Schick-, sal und ihrem Zwingherren überlassen! Nein, -das verlangt Hr. v. W. gewiß nicht von uns! — Die Kämpfer für Recht und Wahrheit haben nur selten Zeit, zu warten, bis die von ihnen vertheidigten Parteien oder Principien erst die allgemeine Anerkennung gefunden haben, die dafür in Anspruch genommen wird; wenn irgenndwo, so ist hier der Ausruf anwendbar: „ssyvd.Ml npnn ->n\ ly um!" — Miesse r hat bekanntlich mit seinen Bestrebungen nicht gewartet, bis die Ansprüche der deutschen Israeliten auf Bürgerrechte erst von allen deutschen Negierungen, Landständen und Volksstämmen anerkannt wären. Sollten darum Riesser's Gegner oder der unparteiische Beurtheiler eine gerechte Veranlassung haben, die von diesem edlen Vertreter der Menschenwürde ausgesprochenen öffentlichen Urtheile als „vorzeitig" zu bezeichnen? Ebenso verhält es sich, wo der Streit sich um Thatsachen statt um Principien dreht, und Montesiore und Cremieux dursten bei ihrer Vertheidigung der Israeliten von Damaskus nicht warten, bis die Unschuld der Angeklagten erst dem gesammten Publikum sonnenklar einleuch-

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