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Der Orient · 1842-12-27 · Heft 53 (27.12.1842) · p. Seite 422

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 53 (27.12.1842)
Date
1842-12-27
Page
Seite 422 (sequence 11)
Language
German
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413 den solche Selbstverleugnung fordern? Ja! wer wäre so unbillig, sie-zu fordern?" „Nein der Jude, wie er ist,. kann und soll Bauer, Handwerker, Künstler/ja alles in der Welt eherwerden als Arzt.für Christen." Wie man nun überhaupt das zu verstehen hat, daß die merkantilische Seelen christlicher Kausmannssöhne, die die Mediein studiren, minder schädlich sei, als die der jüdischen, welche mit ihnen dieselben Lehr- Anstatten frequentiren, ist bereits oben erörtert oder nicht erörtert worden. Allein uns will es bedünken, daß wenn der caucäsische Menschen- Stamm spräche: Ein Mohr darf auf dem Erdstriche der Weißen nicht weilen, weil'man ihn nicht weiß waschen kann; so -dürfte der Mongole mit demselben Rechte sagen: man könne ihn nicht gelb, und der Amerikaner/ nicht kupferfarbig waschen, und das Werk der Philantropie wäre erst dann recht erfüllt, wenn man sagt: man könne ihn überhaupt gar nicht waschen, und er müsse daher auf sein brennendes und dürres Aethiopien zurückkehren. Ich meine nämlich: wenn der Arzt spricht , daß man den Juden wegen des dem Geiste der Medicin entgegenstehenden Mercantilismus den Zutritt zur Heilkunde verweigern müsse; so dürfte der Künstler ebenfalls, vom Geiste seines Wirkungskreises so beseelt sein, und die Rosasche Theorie der Mediein, mit demselben guten Erfolge anwenden und sagen: der Jude soll Alles nur kein Künstler sein, und der Landbauer wird ebenfalls so billig sein, von dem zum Handel gebornen Juden keine Selbstverleugnung zu fordern. Also wäre es wohl am Besten-, dem-Juden seinen Trödelfack umzuhängen, und in sein finsteres Ghetto zurückzusetzen; w enn man allen denen, die vom Geiste ihres Wirkungskreises so beseelt sind/wie es der Hr. Prof, von dem seinigen ist, Folge leisten wird — . und ich glaube, wenn man sie fragen-wird, so werden sie es gerne sein. . - Doch ich frage weiter: Haben denn alle die Gelehrten des Judentums, welche mit so gutem Erfolge die mannigfachsten Fächer des Wissens betrieben, aus purem Merkantilismus studirt? Ich frage ferner: Sind jene ärztlichen Individuen, jüdischer Confession, welche das Zutrauen christlicher Personen in den ältesten und neuesten Zeiten gewannen)' wirklich der Heilkunde so gefährlich und verderblich gewesen? In den ältern Zeiten betrieben fast die Juden allein die Heilkunde, und nie hat man Ursache gehabt, von christlicher Seite eine Besorgniß zu hegen. In neuerer Zeit kennt die Geschichte der Medicin, einige glänzende Meteore an ^ihrem Horizonte, die jüdischen Ursprungs sind, und denen sie dennoch manchen Vorschub verdankt. Im Jahre 1813 waren es jüdische Aerzte, die sich in Prag zuerst der Pflege der verwundeten Christen annahmen, und mit regsamer Thätigkeit einen Eifer und eine Theilnahme für Christen an dm Tag legten, wodurch sie ihr Leben sogar einbüßten (wahrscheinlich aus Mercantilism). Zu der Gegenwart nennen die Mediciner einen Pros. Valentin, einen Professor Iaeobsohn tit Kopenhagen, einen Dr. Gerson in Hamburg mit Achtung und Liebe, ihres Eifers um die Wissenschaft halber. Und doch sollte die Medicin durch jüdische Aerzte gefährdet sein? Wie gehet denn dies zu? Wir würdenüberdieses-Jgnoriren der Thatsachen und In-- dividuen uns wundern, wenn wir nicht schon oüen die regulä aurea des Hrn. Prof. kennen gelernt hätten. Allein wir fragen abernoch weiter: Warum, da doch die bei weitem größere Anzahl der - christlichen Aerzte lauter „blutige Dornenkronen tragen", und dabeinoch einen -freiem Wirkungskreis in der Mediein selber haben, wie nun die wenigen jüdischen Goldkronenträger die Mediein gefährden können? Allein auch dies : gehört zu den bekannten, Mysterien. Schließlich sagt noch der Herr Prof. „In der österreichischen Armee sind bereits dermalen mehrere jüdische Aerzte an gestellt. Doch die Zeit hat über de-n Erfolg dieser Maaßregel nichts entschieden. Sie ist noch zu kurz, und der Israelit als geborner Handelsmannzu vorsichtig". Daßnun der H'r. Prof, voll den jüdischen Aerzten der Armee nichts Arges zu erzählen weiß, ist nun nicht seine Schuld, die Zeitist noch, zu kürz. Non sua est culpa sed tomporum. DaP er aber ihnen dennoch nicht zu trauen scheint,- und-den gebornen Handelsmann zu vorsichtig findet/ ist nun wiederum etwas, was nur wenigen Schooßkkndern der'Humanität und des Geistes der Heilkunde eigen ist. So weit die Ansichten des Hrn. Prof. Rosas.' Wie fern sie nun dem Zeitgeiste angemessen sind, braucht wohl nicht gesagt zu werden. Schmerzlich ist es in der That, mit solchem In grimme, mit solcher Bitterkeit-, und dazu so grundlosangegriffen zu werden., zu einer Zeit,- wo das Loos der Juden manches edlen christlichen Anwald fand. in dem Jahrhundert, wobereits eine - heiterere Sonne zuleuchten beginnt, wo Liberalität und Aufklärung die Loosüngsworte sind,- welche jeder im Munde führt, noch Leute' zu finden, die dem harmlosen Mitbrüdern das Leben nicht gönnen, und den Wahn' des Menschenhasses Raum gewinnen lassen. Wir' rufen' mit dem Dichter aus: . Freundlich tritt die Sonn' aus ihrer Wolke, Doch den Wahn, der Menschen noch bethört, Strahlt sie nicht hinweg aus diesem Volke. Sz...o. Personalchronik und Miseellen. Ein Artikel aus Königsberg theilt mit, daß die Gesetze über den Pferdediebstahl jetzt sehr geschärft würden, weil dieser, hauptsächlich durch ausländische Ludest (?) betrieben, sehr im ZunehMcn begriffen sei. Das Isaak-HartvigscheTestamentdas den Lesern „des Orients" bis auf einige dem Orient nachträglich mitgetheilte ergänzende und berichtigende Zusätze bekannt geworden ist, wird jetzt von den Verwandten, resp. Erben, seiner Frau angcfochten. Bei dieser- Gelegenheit benierken wir, daß der kürzlich . erwähnte Hartwig Hesse, Fundator eines in der Vorstadt Sr. Georg belogenen Wittweninstitus, nicht selbst Altonaer Senator,, sondern ein Bruder des Altonaer Senators Ludwig .Hesse ist.

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