Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 53 (27.12.1842)
- Date
- 1842-12-27
- Page
- Seite 421 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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421 düngen, dennoch eine Unzahl geistreicher und gelehrter Männer aufzuweisen hattenwenn man z. B. weil gerade von Medicin die Rede ist, der spanischen Juden, insbesondere des Maimondes erwähnen wollte, so wird doch wiederum jeder vernünftige Mann einsehen, daß eine so vorteilhafte Hypothese, sich nicht von Lhatsachen abschrecken lasten darf. Ueberhaupt muß man sich bei der Rosaschen Darstellung des Judentums, recht aufs Jgnoriren der Individuen und Einzelnheiten legen. Denn wenn wir uns nicht schon frühzeitig daran gewöhnet, Männer, deren Leichen schon Jahrtausende lang das Gras^ deckt, stillschweigend zu übergehen, was werden wir erst im Verlaufe der Geschichte mit den lebenden Exemplaren jüdischer Weisheit anfangen? Der Herr Pros, fährt nun fort: „die Juden haben sich nie mit dm andern Ratio- . nen befreunden können". Warum dieß? Man mochte glauben, der Bettler kann darum den Fürsten nicht umarmen, weil ihn dieser mit Kolben von sich stößtweil der, den man mit Hunden hetzt, und mit Peitschen jagt doch unmöglich zum Bruderkusse und Handschläge zugelassen wird. Nein! das alles nicht! der Herr Prof, meint die Ursache läge in der mosaischen Religion -7. Wie? In der Religion? Sie, die die Leuchte der Völker, der Born des Heils für alle Rationen ward? Die Religion welche auf Nächsten-Liebes basirt ist, sollte Haß gegen den Feind lehren? Heißt es nicht in dieser Religions-Lehre: Dü sollst dich nicht rächen, keinen Groll nachtragen (Lev. 19,16, 12), heißt es nicht (ebendas. 33, 34) der Fremdling sei euch wie der Einheimische, und in dieser Religion soll der Keim liegen zum Feindes-Hasse? Ganz recht! ,rvir müssen nur hier wiederum von dem Principiuin ignorandi ausgehen. Wie natürlich! Ein Med. Dr. muß ja kein Theolog sein, er muß die unzähligen Stellen im alten Bunde, welche Menschen-Liebe ohne Unterschied der Religion und des Standes gebieten nicht kennen — und weil er nicht muß — darum will er auch nicht. -~ Mein hier enthalte sich wer da kann. Mir wenigstens muß es die Stylistik zu Gute halten, wenn mich die Stimmung, in die mich diese komisch-boshafte Losziehung gegen die Juden gesetzt, so plötzlich verläßt. Denn so lange der Herr Pros, sich bemühet, dem Juden als solchem die Ehre abzuschneiden, so kann uns dies höchstens eine Lhra'ne des Mitleides über den Wahn eines Menschen erpressen, doch unfern Schuldiger» zu vergeben sind wir bereits durch unser 2000jährigeö Schicksal zur Genüge belehrt worden. Aber wer uns selbst das Innere unseres Herzens vergiftet, wer an unserem Heiligthume, dem einzigen und geistigen Nerv unseres Daseins ein Sacrilegium begehen will, und es des kostbarsten Schatzes, auf den wir in unserer weltlichen Armuth noch stolz sind, berauben, und in den Augen der Welt, der cs die herrlichsten Vermächtnisse gegeben hat, herabzuwürdigen sich bemühet/ der muß uns in der That schon der beleidigten Menschheit wegen mit Ingrimm erfüllen. Entweder kennen Sie Herr Prof, das alte Testament, oder nicht. Im ersten Falle waren Sie sich dessen bewußt, daß sie. eine boshafte Lüge niederschriebenim zweiten Falle war es hämisch und tückisch, einem Heiligthume Fehler anzudrchten, um einen bösen Leumund darüber zu verbreiten. Denn ich brauche hier nicht die zur Genüge bekannten Stellen der Bibel und Rabbinen/ die die Menschenliebe in ihrem reinsten Ideale predigen, zu wiederholen. Es hätte sich niemand — wenn auch die ausdrücklichen Liebesgeböte gegen Feind und Fremdling nicht geschrieben wären — einfallen lassen, daß man aus dem Satze: „Liebe deinen Nächsten" die Folgerung ziehen könne: „und hasse den Nichtjuden". .Wenn Sie aber Ihre Vernunft dennoch solche Schlüsse ziehen, und Ihre Exegese, jene Stetten übersehen läßt, so wögen (Sie bieg: mit der Logik und Hermeneutik ausmachen. Allein Sie sagen, Sie sprächen im Namen der Menschheit und der Wissenschaft, und bemühen sich, unter diesem Deckmantel, durch Blasphemieen alte ehrwürdige Denkmäler zu entweihen. Darüber kann man wohl nicht ironisiren, denn es ist gar zu traurig, daß Parteiwuth und Religionshaß solche ehrenschänderische Reden in den Mund legen, als daß man darüber lachen könnte. Kehren wir nun wiederum zu den, aus dieser Darstellung für die Medicin so ersprießlichen Consequenzen zurück. Es läßt sich nunmehr leicht einsehen, daß man im Einklänge mit dem Satze: „Liebe den Juden und Haffe den Nicht-Juden", den Israeliten sogar den Weg zur Besserung — wenn sie von demselben abgewichen sind — swelches eben der fragliche Punkt istj auch dann versperren müsse, wenn sie sich auch auf denselben begeben wolltenwenn es ihnen auch einfallen sollte, den Christen Gutes zu thun, zu einem christlichen Siechbette zu treten und ihm Hilfe angedeihen zu lassen; so müsse man ihn von da wegreißen, weil die Wohlfahrt des Christen dadurch gefährdet wäre, und Kunst und Menschheit entweihet; '„denn jüdische Aerzte passen für Christen eben so wenig als jüdische Juristen und Theologen." Daß nun, jüdische Theologen die Funktionen des christlichen Geistlichen nicht versehen können, ist uns wohl klar. Warum aber dev Jude die Rechtssache eines Christen nicht führen kann? — Dies gehört zu den esoterischen Lehren, die uns Nichtemgeweihe» ten ein Mysterium bleiben. Fragen wir: Warum soll ein Jude kein Arzt werden? Antwort: Weil er kein Bischof sein kann d. h. weil er eine andere Religion hat. Hier, ja hier liegt der nervu8 probandi. Dies hatte man aber gleich sagen können, ohne erst die Phrasen von Humanität herbeizuschleppen. Endlich kommt der Herr Professor wieder auf die Idee des Kaufmanns-Wesens, deren wir bereits oben Erwähnung thaten wieder zurück: der Jude ist nämlich mit dem Merkantilismus so sehr identificirt, daß ihm dm Handelslrieb benehmen so viel heißen würde, als den Mohren werß waschen wollen rc." „Nun ist dem Geiste der Heilkunst nichts in der Welt mehr diametralisch entgegengesetzt, als der Geist des Handels rc." „Denn wer in der That trägt die blutige Dornenkrone des großen Meisters mehr als der Arzt im wahren Sinne 'des Wortes? Wer dürfte nun von dem seit 20 Jahrhunderten zum Handel gebornen und erzogenen Ju-