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Der Orient · 1842-12-27 · Heft 53 (27.12.1842) · p. Seite 420

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 53 (27.12.1842)
Date
1842-12-27
Page
Seite 420 (sequence 7)
Language
German
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sprechendes Aeugmß ablegt, daß sein . Bestreben und Verharren kein nutzloses gewesen sei, und daß moralische Consequenz in Unsren Zeiten des Leichtsinns doch nicht verfehle, die Anerkennung der Redlichen zu erwerben. — Der Bericht in der Spenerschen Zeitung giebt den betreffenden Behörden den Wink, an dem nächstens stattsindenden 70. Geburtstage des Herrn Sachs das Versäumte oder Vergessene nachzuholen. Wer aber das überall sich kundgebende System unsrer Regierung kennt, wird wissen, daß hier nichts vergessen worden ist, sondern daß man absichtlich ignorirte, um nicht Bestrebungen als factisch anzuerkennen, deren Möglichkeit man gern läugnen möchte. - Hamburg, 6 Dec. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 1 — 6. Dec. Vor Kurzem verlautete, Sir Moses Montefiore sei nach Petersburg eingeladen worden, um durch sein Ansehen die vom Kaiser in Betreff der Civilisatiyn der Juden seines Reiches angeordneten Maaßregeln zu fördern. Die Rhein. Zeit, vom 24. Nov. bestätigt diese Nachricht (HI. aus London). Der Schluß jedoch, den der Corcespondent aus dieser Einladung zieht, ist jedenfalls sehr gewagt. Er meint nämlich, der Kaiser wolle die Vorliebe Montesiore's für das heilige Land dazu benutzen, um seine polit. Pläne in Betreff Syriens auszuführen. Sir Montefiore aber scheint uns nicht der Mann zu sein, der sich zu eigennützigen Zwecken brauchen laßt; auch halten wir ihn für einen viel zu guten engl. Patrioten, um Rußlands ehrgeizigen Absichten irgendwie dienen zu wollen. — Offene Anerkennung verdient daher die in der Beil, der L. A. Z. vom 25. Nov. befindliche Erklärung des Rabbiners Dr. Frankel in Dresden gegen die ostgedachte Verfügung des Herzog!, meiningischen Consistoriums in Betreff der die christlichen Schulen besuchenden jüdischen Knaben schon aus dem Grunde, weil hier die einer (irregeleiteten) Behörde schuldige Rücksicht mit der gegen die jüdische Lehre vorhandenen Verbindlichkeit im Auge behalten wird. Daß Dr. Frankel dem provisor. Landesrabbiner die ibm'gebührende Lektion ertheilt, wird man allgemein in der Ordnung finden. Nur die im Eingänge stehende Anspielung auf die Posener Missionare-hatte, als durchaus nicht zur Sache gehörig, wegfallen können. — Die Einräumung eines Gebäudes zu einer Synagoge innerhalb der Stadt Genf wird jetzt von schweizer (Basler Zeit, und Schweizer Bote) und deutschen Blattern in Aussicht gestellt. Es scheint also doch die öffentliche Meinung auf den Staatsrath Ein-, druck gemacht zu haben. — Ein Wiener Blatt (Theaterz.) meldet angeblich nach vfsiciellen Quellen, man zahle jetzt in Rußland 1,092,341 Juden, 6,04 Synagogen,- 2340 Betschulen (Privatsynagogen), 3944 Schu? len für den Unterricht (Talmudschulen) und 954 Rabbiner. In Polen habe sich 1839 die Zahl der Juden auf 469,930 Seelen (unter 4,428,546 Einw.) und in Warschau auf 36,531 Seelen (unter 139,205 Einw.) belaufen. — In der Dresdner Abendzeitung sind er sich die Notiz, daß die Juden in Frankfurt a. M. in der Straße Neuegypten hätten eingepfercht leben müssen. — B sh m e n. Prag, im October. (Schluß.) Das sehen Sie nicht ein! Was einmal in der merkantilischen Sphäre.geboren und groß gezogen ist, das ist bereits so identisicirt mit dem Egoismus, daß es in jedes Lebens-Verhältniß gebracht, sich niemals von dem Handelstriebe Lossagen kann. „Aber es giebt doch auch christliche Kaufleute, deren Sprößlinge ebenfalls die Heilkunde betreiben —- und jüdische Aerzte besuchen ja dieselben Lehr-Jnstitute als jene. Wie kömmt es nun, daß das merkantilische Blut in diesen mehr wirksam ist als in jenen?" Das sind Kleinigkeiten, auf die man nicht tiefer einzugehen braucht. Genüg, die Menschlichkeit und Moral fordern, die Anthropologie lehrt es, daß die Juden von der Arznei-Wissenschaft ausgeschlossen sein sollten. Nicht wahr einer solchen Tüchtigkeit in der Moral- Philosophie und Psychologie hätten Sie siöh bei einem Med. Dr. kaum versehen, und doch sollen Sie noch mehr staunen, wenn ich Ihnen noch ein Pröbchen von dessen historischen und statistischen Wissenschaften mittheile, in denen sogar Dinge berichtet werdenin denen sich bis nun alle Geschichtschreiber und Ecclesiasten vom Fache, alle Dogmatiker und Theologen verstoßen haben. 'Die Geschichte der Juden theilt Herr Prof.'Rosas am füglichsten in 2 Perioden: ^, in die Hirten-Periode von uranfanglich bis zur Zerstörung des 2ten Tempels, II. Ln die Kaufmanns-Periode von da an 'bis auf die Gegenwart. Zwar sprechen nun die Lhatsachen, wie die gewöhnlichen Historiker schreiben, die Juden hätten sich vor der Zerstörung zumeist mit dem Ackerbaue beschäftigt, und den Laudbau betrieben. Allein wir wissen schon von oben, daß sich die Juden zu Verkappen pflegen, und so waren sie ohne Zweifel damals als Landbauer vermummte Hirten, wie heutzutage einige als Aerzte masquirte Kaufleute. „Nach der Zerstörung des 2ten Tempels nun" fährt der Herr Prof, fort, „wurden sie ein Handel treibendes Volk, und blieben es bis auf den heutigen Tag." Warum nun . die Juden nicht Staats- und Kriegs- Männer, nicht Zunftmeister und Künstler unter sich zahlten, wäre man geneigt dahin zw erklären/weil sie es nicht sein durften, -weil -in einer Zeit, wo der Grundsatz Haereticis non est servanda 6äes noch in voller Geltung wardem Juden außerhalb feines Ghetto nicht zu athmen-gestattet ward, weil sie gefesselt, geschmähet, geächtet, nicht auf den offenen Markt des Lebens treten durften. Doch da der Herr Prof, eine humane Pragmatik hat, so mißt er ihnen lieber eine rohe Scheu und Verachtung der Wissenschaften und Künste bei. Wenn Sie sich es aber einfallen ließen, die närrische Bemerkung zn machen, daß die Juden ftrotz dem schweren Joche der Sklaverei, trotz allen Drangsalen und allen Befeh-

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