Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 53 (27.12.1842)
- Date
- 1842-12-27
- Page
- Seite 419 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360201-2360255--2784-3529935- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
419 ich diesmal ein kurzes Referat über den Schluß des '! Ganzen hinzu. Der Berichterstatter (Herr F. F.) war bei den Festen der Berber-Juden stehen gebliebem Er wendet sich nun (Constitut. 3. Dec.) zu einer Schilderung der Sabbatsfeier, die aber nichts Bemsrkenswerthes enthält- Ec erwähnt das Einweihungsgebet in der Synagoge und im Hause, gedenkt des bei Mein oder Brod gesprochenen Segens, der vom Abende des Freitags, bis zu dem des Sonnabends brennenden Lampen, des Speisewärmens durch maurische Bedienung bei den Reichen und der Habdalah. Am Jom Kippur werden alte und schlechte Hüte (0 angelegt und Stiefel in Sandalenform angezogen (?). Dann geht er zur Darstellung des Chanuka- und des Purimfestes über und thüt der Sitte des gegenseitigen Beschenkens und des Honigkuchenessens an dem letzteren Feste Erwähnung. Interessanter ist das folgende Kapitel, in welchem von den Gebräuchen und dem Aberglauben der nordafrikanischen Juden die Rede ist. Unser Reisender bemerkt, daß es nicht erlaubt sei , zwei Thiere ungleicher Art vor den Pflug zu spannen. Auch zieht er das bekannte mosaische Verbot gewisser Speisen hierher. Gegen Ende Juni's oder Anfang Juii's ziehen die Juden aus Tunis nach Goeletta, dem bekannten 3 Stunden von der Stadt gelegenen Seehäfen, dessen Fort einst so berühmt war. Sie halten da ihre Villeggiäturen, oder wenn man lieber will, ihre Badesaison. Ihr Aufenthalt daselbst dauert 2— 3 Monate und obwohl sie hier eng' zusammengedrängt wohnen und leben, fast alle Bequemlichkeit entbehren und für 2 Zimmer 100—120 Piaster monatlich bezahlen müssen, so huldigen sie doch der. einmal bestehenden Mode, dort in der See zu baden. Auch die ärmsten Juden, die 30—40 Cent, aufbringen können, setzen über den See, der nach Goeletta führt und kampiren daselbst angekommen, des Nachts auf freiem Felde, um mit der Aristokratie der Reichen in diessm Seebade-Luxus wetteifern zu können. Während eines Sommers, den unser Gewährsmann in Tunis zubrachte, war eine solche Hitze und Dürre eingetreten, daß viele Brunnen versiegten und man das Wasser kaufen mußte. Die ganze Natur schmachtete; aber alle leisen Wünsche und Gebete um Regen halfen nichts. Da ersannen die Rabbiner — unser Berichterstatter mag für die Wahrheit des Folgenden einstehen —- ein sehr schlaues Mittel, uw dem Himmel den heißersehnten Regen zu entlocken. Sie ließen alle lockere jüdische Dirnen aufgreifen und einer jed§n 50 Stockschläge aufzählen, die Anbeter derselben erhielten jeder eine doppelte Tracht Hiebe. Wenige Stunden nachher erfolgte der Regen in solcher Fülle, daß die Straßen fast unwegsam wurden. Ob Jemand in Europa dieses Mittel als probat betrachten wird, wissen wir nicht. Uns scheint, das ist auch nicht mehr rem rationell, sondern tragt schon einen starken Beischmack von türkischer Justiz an sich. Deutschland. : §8111 i n, 11. Dec. Am 9. d. ßr'r erten die Freunde des Kön. Regierungs-Bauinspectors Hrn. Sachs den Tag, wo derselbe vor 50 Jahren als König!. Baumeister vereidet wurde, ^also seine Tharigkeit als solcher begann. Wenn schon seit mehreren Jahren' dem Staatsdienste enthoben, hat der geistesstarke Mann doch nicht geruhe; er hat fünfzig Jahre gebaut und baut wohl noch länger; denn stehc er auch schon hoch in Jahren, ist er doch, wie seine jüngsten Werke zeigen, noch nicht alt geworden. Es hatte sich eine große Zahl von Freunden des Jubilars aus den verschiedensten ' Ständen und Conftssione'tt vereinigt, jenen Tag zu verherrlichen/ und sie hatten den Jubilar zu diesem Feste eingeladen. Als er in dem Festlokale, von einer Deputation abgeholt, erschienen war, erhoben sich alle Anwesende, und gäben durch laute Acclamation ihre freudige Theilnahme zu erkennen, was den Greis bis zu Thränen rührte. Hierauf hielt Hr. Dr. Löwe im Namen der Gesellschaft eine Anrede an dieselbe, worin er das für die vielen Freunde und Glaubensgenossen des Jubilars so wichtige Moment zur Feier - eines dem Staate und den Wissenschaften geweihten so langen Lebens hervorhob. Der gerührte Greis dankte dann in einigen herzlichen Worten. Hierauf wurde der Jubilar in den mit seinem Bilde dekorirten Saal geführt, wo sich Freunde/ Verwandte, einstige Schüler und eine Deputation der jüdischen Grmeindeältesten um ihn gruppirten und mit echtem Frohsinn den Tag begingen. Unter den Toasten zeichnete sich besonders der des- Redakteurs Hrn. Lehmann auf Se. Majestät und der des Prof. 5?rn. Stier auf den Jubilar aus, der die Verdienste desselben hervochob. Was dieses Fest noch besenders auszeichnete, war die durch den schönen Sinn dec Anwesenden bethätigte Toleranz der verschiedensten Confesswnen, die in ihrer Liebe zu dem Jubilar eben so gemeinsam sich aussprach, als sie den Beweis der innigsten Verbrüderung aller redlichen und gebildeten Menschen darthat. (B. Z.) tl B er lin, 13. Dec. Das Jubiläum des Pension. Königs. Regierungs -Bau-Inspektors Sachs hat am 9. d. M. stattgehabt. Sie ersehen aus dem anliegenden Berichte der Vossischen Zeitung, daß dieses Fest nur von den Freunden, Schülern und Glaubensgenossen des Jubilars begangen wurde, ohne daß die Regierung, die sonst bei dem Jubiläum jedes Nachtwächters Gerichtsboten mit Tilelverleihungen und Auszeichnungen freigebig genug ist, es der Mühe werth gefunden hätte, einem Manne, der unter Entbehrung und Noch manches schwere Dienstjahr ertrug und dem Staate von wesentlichem Nutzen gewesen ist, das geringste Zeichen der Anerkennung zukommen zu lassen. Es hält schwer, bei dett Reflexionen , die sich hieran knüpfen, bittere Gefühle niederzukämpftn. Sieht man, wie die Raths- und Geheimen Raths-Titel auf die jüdische Plutokratie niederregnen, so kommt man wie von selbst zu der Frage : ob man eher durch das Verdienst zu haben oder zu sein Anrechte auf Auszeichnung erwerbe? Wohl dem würdigen Jubelgreise, daß die Liebe und Ächtung aller Besseren und Ehrenhaften in und außer Israel ihm ein 53 *