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Der Orient · 1842-11-20 · 52 (20.11.1842) · p. Spalte 819-820

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
52 (20.11.1842)
Date
1842-11-20
Page
Spalte 819-820 (sequence 2)
Language
German
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819 Jüdische Zeitschriften. Jedidja. 820 Jüdische Zeitschriften. Allgemeines Archiv des Iudenthums. Jedidja. Neue Folge. Zeitschrift für Religion, Kultus, Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. I. Hernemann in Berlin. Ersten Bandes 3. u. 4. Heft. Berlin 1841. 8. Hachtmann. Das erste und zweite Heft des Archivs ist bereits im Orient 1840 Nr. 14 angezeigt worden. Der Unterzeichnete knüpft daran die Anzeige des 3. u. 4. Heftes, mit denen der erste Band der neuen Folge dieser Zeitschrift geschloffen ist. — Heft 3. bringt 1. Ueber den jetzigen Zustand der Juden in den kultivirtesten Ländern Europas von H. Zschokke. Doll edlen Zornes über die politische Zurücksetzung der Israeliten, beginnt der Verfasser mit folgenden Worten seine Schilderung: „Die Geschichte von den Schicksalen der Anhänger des mosaischen Gesetzes ist die Geschichte von der Schmach des menschlichen Geschlechtes. Wer sie mit Würde und glücklicher Ausführung schreiben wollte, muß, wenn er kein Menschenfeind ist, über der Arbeit zum Menschenfeind werden. Denn welcher Mann von Gefühl könnte sein ganzes Leben Untersuchungen und Darstellungen einer Geschichte weihen, die einen Zeitraum von mehr denn vier Jahrtausenden , die Schicksale von hundert noch vorhandenen oder längst verschwundenen Nationen dreier Welttheile, und alles Ekelhafte und Grausenvolle umfaßt, was menschlicher Aberglaube, Vorurtheil, Glaubenswuth und Barbarei der Priester, Fürsten und des Pöbels jemals für Verbrechen übten? Die mosaische Religion ist vielleicht die älteste des Menschengeschlechts und zugleich die verfolgteste von allen. Christen und Türken schöpften aus ihren Quellen und haßten deren Bekenner mit der beispiellosesten Unversöhnlichkeit. Die sonst berühmten Hauptverfolgungen der Christen waren nur Spielerei gegen die Verfolgungen der Juden, welche sie vorzüglich durch Christen durch alle Jahrhunderte erduldeten. Und was war das Verbrechen der Unglücklichen? daß sie der ältesten Religion des Menschengeschlechts, dem Glauben ihrer Väter getreu blieben, ohne Andere zwingen zu wollen, diesen Glauben anzunehmen, daß in ihrer Hauptstadt einst, durch den Richterspruch eines Fremden, der Stifter des Christenthums zum Tode verurtheilt ward; eine Lhat, an der das ganze jüdische Volk, damals aus wenigsten 6 Millionen Seelen bestehend, weder Lheil nahm, noch Lheil nehmen konnte; daß sich dieses Volk nicht unter Roms Weltherrnjoch sklavisch beugen wollte, sondern für seine Freiheit so lange mit heldenmüthiger Verzweiflung kämpfte, bis seine meisten Städte und das ewige Jerusalem selbst in Schutthaufen verwandelt, und die Einwohner derselben auf den Marktplätzen von Gaza um den Preis wie Pferde in alle Welt verkauft waren. U e b e r w i n d e n ließ sich dies kleine Volk nicht von den damaligen Welteroberern, den Römern; —es mußte zerstreut, es mußte gleichsam mit den Wurzeln aus seinem Vaterländischen Boden gerissen und in alle Welttheile auseinander geworfen werden. Und doch war es nicht vernichtet. Es blieb ein Volk, ohne Vaterland, ohne Oberhaupt und SLaatsgesetz; lebte Jahrtausende als Fremdling unter den verschiedensten Nationen, ohne sein Blut mit denselben, ohne Sitte, Sprache und Glauben mit ihnen zu vermengen, rein selbstständig, standhaft. Alle Schandflecke der europäischen Völkergeschichte, alle Greuel der Neligions- und Bürgerkriege, Bluthochzeiten, Dragonaden, sicilianische Vespern, Füseladen, Noyaden, Guillotinaden, findet man in der Geschichte des wehrlosen jüdischen Volkes unter andern Namen wieder beisammen. Und doch bestand dieses Volk unaustilgbar, einzig in seiner Art, bis auf den, heutigen Lag. Die ganze Weltgeschichte kennt kein Beispiel diesem Völkerwunder gleich." — 11. Ein schönes hebräisches Gedicht, dem Herzoge von Sussex gewidmet, als Dank für dessen Verdienste um die Anstalt!"M in London, deren Protektor er ist. Diese im Jahre 1800 gegründete Anstalt, hat die Tendenz: Erziehung jüdischer, armer Kinder beiderlei Geschlechts, Bildung jüdischer Handwerker und Verpflegung unbemittelter Greise. Der kernige Ausdruck in diesem Gedichte erinnert an den Sänger des Nir David; wir verweisen anstatt einer Probe daraus zu geben auf die Jedidja selbst. — Ul. Geschichte der Juden in der Stadt Posen. Schluß von dem Heft 2. S. 172 abgebrochenen interessanten Aussatze. Solche Aufsätze sind natürlich sehr nützlich für die historische Wissenschaft und der Herr Herausgeber würde wohl daran thun, wenn er die Befähigsten unter seinen zahlreichen Freunden in den verschiedenen jüdischen Gemeinden aufmunterte, ähnliche Specialübersichten über die geschichtlichen Verhältnisse einzelner jüdischer Gemeinden im Archiv nienerzulegen. — IV. Der Prophet Jesaja. Proben aus der neuen Übersetzung und Erklärung dieses Buches vom Herausgeber. Das Werk ist nun vollständig erschienen und enthält auch noch den hebr. Text, das Targum und die Masora, worauf wir noch in diesen Blättern zurückkommen. — V. Predigt von Dr. Salowon in Hamburg. Sie behandelt den ihr zu Grunde liegenden Text 2 B. M. K. 17, 8 — 16 auf eine sehr anziehende und sinnige Weise. Die. bekannte Meisterschaft Salomo's verkennt man auch nicht in dieser Predigt; mit Kraft der Beredsamkeit paart sie zugleich eine Fülle geistvoller Gedanken und sie wird auf den Leser nicht minder einen vortheilhaften Eindruck zurücklaffen, als sie zweifelsohne auf den Hörer machte. VI. Ueber die Vernachlässigung der hebräischen Sprache bei den heutigen Juden in Deutschland. Aus den Briefen eines Lehrers an seine Schüler. Wer möchte nicht der Klage des Verfassers über die ungerechte Vernachlässigung des Unterrichtes im Hebräischen in jüdischen Schulen beistimmen! man kann die Schuld davon nicht unfern reformirenden Rabbinen beimessen, als wären sie gleichsam darauf versessen, die heilige Sprache cius dem Kreise der Juden zu verbannen, wie der Verfasser ihnen ungerechter Weise Schuld giebt, mit der Kenntniß des Hebräischen auch „den Geist", die Grundsätze des Iudenthums, die Lehren und Hoffnungen wegzuschaffen". — So lange noch eine Opposition gegen die Einführung eines Synagogengottesdienstes in deutscher Sprache eifert, ist

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