Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1842)
- Date
- 1842-12-13
- Page
- Seite 402 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Nächstvorgesetzte Verwaltungsbehörde redlich unterstützt. — In der Residenz Hannover, aus welcher der Jurist Dr. Cohen (pseudonym: Honek, Herausgeber des Buchs für Winterabende, Mitarbeiter an dev Europa re.), ein wackerer Emancipationsstreiter, nach Süddeutschland sich übergesiedelt hat, scheint der Rabbiner Dr. d l er zwar still und geräuschlos, aber doch befriedigend seine Gemeinde zu leiten; er stand bekanntlich mit auf der Berliner Wahlliste. — Hildesheim hat an dem Rabbiner Boden he im er ein gelehrtes und würdiges geistliches Oberhaupt; nur eine gewei' ete Stätte des Gottesdienstes, wie sie zur Weckung der Andacht geeignet und erforderlich wäre, wird dort leider noch immer vermißt. — In Dr. Fre nsd orf, der die Predigerstelle in Mainz (die jetzt dem Religionslehrer Dr. Sal. P le'ßner zugedacht sein sott) neuerdings ausgeschlagen, hat die Schule in Hannover einen durchgebitdeten, charaktervollen Oberlehrer. — (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Hcrmdur'ft, 22. November. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 15— 22. November.) Die Augsb. Allg. Zeitung gefällt sich darin, einen imaner derberen und unverholeneren Judenhaß zur Schau zu tragen *). So diente eine Entgegnung des Morning Ehronicle auf einen von H. Heine in Paris verfaßten antienglischen Artikel der Augsb. Allg. unserer deutschen -„Allparteiischen", wie sie von den liberalen Zeitungen titulirt zu werden pflegt, zum willkommenen Vorwände, Lber die deutschen Juden eine scharfe Lauge auszugießen. Das englische Opposi'tionsblatt, welches keinen Augenblick aufgehört hat, sich der Judenemancipation günstig zu zeigen, hatte nämlich im Eifer der Diskussion das Wort „Judenschaft" fallen lassen und damit die ihm verhaßte national-ökonomische Richtung im Handel und in der Politik, in der industriellen und literarischen Produktion, wie sie besonders innerhalb des Zollverbandes unter den Deutschen austaucht, an den Pranger stellen wollen. Herr von Cotta weiß den Streich zu pariren und auf die'Juden fallen zu lassen. Als echter Etymolog und seines Vaters würdig, der sein Geschlecht vom Römer Cotta ableitete und dennoch bei der Herausgabe von Göthes Werken die Pranumeranten ganz unrömisch zwei bis drei Jahre auf das Erscheinen der ersten Bändchens warten ließ, hielt sich der „erste Buchhändler Deutschlands" streng ans Wort und zog gegen die Juden zu Felde. 'Zwar walzte ec den Vorwurf, als schrieben nur Juden gegen England, von ihnen oder vielmehr vom *) Sie machte sogar auf den Namen Halevy einen schlech ten Wonwitz. deutschen Volke ab; aber dies geschah nur dämm, um beiläufig die reichen Juden der Habsucht, des Mauschelns, und der knechtischen Gesinnung anzuklagen. „Börne und Consorten seien nur Ausnahmen gewesen" (war Börne reich und ein Jude?). Die A. Allg. Zeitung, welche stets nach Wien und München sich umsteht, will also nur arme illoyale Juden. Aber was sollten ihr die armen? Die können .ja nicht auf sie abonniren. Am Ende einer langen Anmerkung gesteht endlich Herr von Cotta den Paar Dutzend schriftstellernden Juden Redefreiheit zu. Sehr gnädig! Aber wo bleiben wir mit Heine? Gehört er zu „Börne und Consorten" oder zu den loyalen Millionairen? Ob die A. A. Z. seinen nächsten Brief-unverkürzL abdrucken lassen wird? Creclat Judaeus Apella'l — Die Redaktion der A. Allg. Zeit, muß am Vorabende des 10. Novbr. (des Geburtstages Marlin Luthers!) bei sehr übler Laune gewesen sein; denn in derselben Nummer vom 10. Novbr. bekommt noch Hr. Dr. Jost in einer Correspondenz aus Frankfurt a. M. speciell und die Juden insge'sammt einen scharfen Hieb. Der Geschichtschreiber des jüd. Volkes hat nämlich vor Kurzem „Zusätze" zu seinen „legislativen Fragen" (Berlin b. Schröder) erscheinen lassen. Gleich ist die A. Allg. Zeitung dahinter her und und schwatzt vom dem Zusammenhänge des Socialen und Nationalen mit dem Religiösen im Judenthume. — Aber die Allg. Zeit, will es doch auch mit den Juden, die ja nun einmal auch zur Allgemeinheit'gehören', nicht ganz verderben; daher bringt sie ihnen an demselben 10. Nov. noch die frohe Botschaft aus Alexandrien, daß zwar der Bischof Alexander in Jerusalem eifrig mit dem Baue beschäftigt sei, sein Werk aber wegen der Antipathie der Muhammedaner schwerlich gelingen werde. — Wahrend Here von Cotta so auch ins Prophetenamt pfuscht, erzählt uns die Rhein. Zeit, vom 11/ Nov. nicht, was in Hannover geschehen wird (denn da ist Alles möglich!), sondern was -bereits in Betreff der Juden geschehen ist. Sie theilt uns nämlich eine Skizze des „neuen hannöv. Judengesetzes" nach -seiner ganzen nackten, haaren Wahrheit mit. Wir müssen in der That für die nächste Folgezeit jede Hoffnung aufgeben, die bürgerliche Lage der hannöv. Juden sich zum Bessern wenden zu sehen. — Gegründetere Aussichten haben wir dagegen in Betreff von Hamburgs jüdischen „Einwohnern". Hier tritt die Angelegenheit der Juden immer mehr in den Vordergrund und bald wird sie auch ofsieiell zur Sprache kommen. Ueber die Verleihung des Rechtes, Grundeigenthum zu erwerben, wird es innerhalb 8 Tagen zur Entscheidung kommen. Auch das Journal des Debats vom 10. Nov. enthält darüber eine kurze Mittheilung. In unfern Lokalblättern dauert der Streit über den' projectirten Dienstbokenverein fort. „Der Erzähler" (vom. 12. Nov.), unser erbärmlichstes Wochenblatt, will einen christlichen und einen jüdischen Verein.