Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 50 (6.12.1842)
- Date
- 1842-12-06
- Page
- Spalte 795-796 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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795 793 Homiletische Literatur. Predigten von Dr. Frankfurter. Will es, unter dem Vorgeben, seinem Gotte zu dienen, seinen Glauben zu leben, sich dem Dienste des Vaterlandes, dem Wohle desVolkes, demHeille der Gesammrheit entziehen? Wollen wir genießen, was andere arbeiten? Ueberhaupt: kennen wir eine Absonderung, sehen wir in uns ein Eigenthümliches, irgendwo als in unfern Gotteshäusern, in unserm Gottesdienste, in dem Streben, mit den Brüdern des Glaubens echte Kinder des reinsten nnd innigsten Gottesglauben s zu sein? Im Glauben sind wir Israeliten, im Leben und Streben Kinder des Vaterlandes. Wir verlangen geheiligt, was Gott uns, was er jedem Menschen gegeben: Das Recht des Menschen; wir wollen uns verpflichtet sehen und wissen, wozu jedes Glied der Gesellschaft, jeder Angehörige jedes Staates verpflichtet ist: die von Gott verliehene Kraft auszubilden und anzuwenden und zu widmen dem Staate. Ist diese Forderung ungerecht? Leidet bei deren Gewährung das Recht, das Wohl der Gesammtheit?" „Oder endlich: sind es vielleicht die Lehren des Glaubens, in welchem und für welchen wir leben, dem wir angehören und anha'ngen mit all unsres Lebens Kraft, mit all unsrer Seele Stärke, wir — und, mit Gott! unsre Kinder und Kindeskinder, ewiglich! Sind es die Lehren dieses Glaubens, die — nicht unsrer Forderung, aber der Erfüllung der von uns zu übernehmenden, nein! den freudig ü b e r n o m m e n e tt, Pflichten entgegenstehen? — Lasset doch sehen! — Ist d i e Liebe zum Nächsten nicht des israelitischen Sirte ngesetzes Seele und Leben?. (3.Mos. 19, 18). Ist ihr, ist ihren Lehrern und ihren Bekennern das Band fremd, durch das Gott den Menschen an den Menschen knüpft? Oder kennt sie, wo es die Beweise dieser Liebe gilt, einen Unterschied zwischen „Einheimisch" und „Fremd", zwischen „Israeliten" und „Nichtisraeliten"? Nicht doch! „„Wie ein Einheimischer soll der Fremde sein ... und du sollst ihn lieben wie dich selbst"" (3 Mos. 19, 34). „„Ein Gesetz sei für Euch und für den F r e m d l in g, der sich n i e d e r l ä ß t u n t e r E u ch. Ein ewiges Gesetz sei für eure N a ch k o m m e n: Wie ihr, so ist dev Fremdling vor Gott! Eine Lehre und ein Recht sei für euch und für den Fremdling!"" (5 Mos. 15, 14.16). Au solcher Lehre bekennen wir uns Israeliten! Und in gleichem Geiste lehrt sie uns Alles, was der Bruder vom Bruder, der Mensch vom Menschen, der Staat vom Bürger darf fordern: Achtung vor dem Menschen, als dem Gottähnlichen (1 Mos. 1, 27 u. a. v. St.), unverbrüchliche Redlichkeit (3 Mos. 19, 11. 13; 25, 14; 5 Mos. 19, 14; 27, 17), Aufrichtigkeit und Wahrheit <5 Mos. 23, 23; Aach. 8, 16; Ps. 15; 37, 3; 1 Chron. 30, 17), Wohlthätigkeit (3 Mos. 25, 35; 5 Mos. 24,'t9~26; Ies. 58, 7; Ps. 41, 2. 3; 112, 9 rc.), Milde und Versöhnlichkeit (3 Mos. 19, 17. 18; Spr. Sal. 20, 22), Liebe zum Vaterlande (Ier. 29, 27), Ehrerbietung- und Treue den Oberen (2 Mos. 22, 28; Spr. 24, 21. 22), G eh or sam d en Gesetzen (Pred. 8, 2). Israels Lehre steht nicht der Erfüllung irgend einer allgemeinen und besondern Pflicht im Wege, also auch nicht der Verwirklichung unserer Hoffnung, daß Gott uns, daß er Israel auch jetzt zur Freiheit führen w e r d e." — ...... Ueber seine Stellung als Prediger und Rabbiner, als Lehrer der israelitischen Jugend sowohl, als auch aller übrigen, die, das Wort Gottes zu vernehmen, in das Heitigthum Israels treten, verbreitet sich unser Redner besonders in der „Vorrede" und in dem „Lehramt in. Israel" überschriebenen Vortrage, den er als Antrittspredigt am Sabbat 6 Elul 5600 (15. Sept. 1840) hielt. Man sieht aus jeder Zeile, daß es ihm Ernst ist, mit sich, mit seinem Verhältnisse zur Tempelgemeinde, mit seinen Berufspflichten und seiner Amtssphäre ins Reine zu kommen. Es ist dies allerdings ein Versuch, der auf viele Schwierigkeiten stoßen muß, weit die Mehrzahl der Individuen in Israel, wie außerhalb Israels, sich lieber an das einmal Gegebene hält und entweder im gewohnten Gleise bleiben oder sich in ein Gebiet hinüberbegebcn will, auf dem sie alle Fragen der Gegenwart nach eigenem Ermessen absotviren zu können glauben. Es kommt aber jetzt vor Allem darauf an, daß wir mit uns selbst und unter uns darüber zu Gericht sitzen, was wir wollen, und uns darüber einigen, in wiefern wir dem Genius der Zeit gewachsen sind, und wie wir in die Bahn gelangen können, auf welcher wir mit den Bestrebungen unserer nichtjüdischen Zeitgenossen Schritt zu halten und uns dem gemeinsamen Ziele zu nähern im Stande sein möchten. E. C. Literarische Nachrichten und Miseellen. Berichtigung. Im Literaturblatte des Orients Nr. 44 haben sich beim Abdrucke einige flnnstörende Druckfehler eingeschlichen, welche ich zu verbessern bitte. In der Note Nr. 1, S. 69.1. ist das Anführungszeichen am Ende zu streichen und A. 8 v. u. nach „Melodie" ein zweites zu setzen. — S. 693 Z. 3 v. u. zu lesen H3D). — S. 694. A. 14 v. v. Bei näherer Ansicht ergiebt sich, daß zu lesen sei, nach Hiob 34, 10 y&nft nW>n und dem Reime; damit fällt die Note Nr. 9 fort. — S. 695, Z. 2 v. o. zu lesen -|mB\ — ib. A. 11. v. o. zu lesen riNWl. In derselben Zeile ist durch einen Druckfehler die Note Nr. 13 ganz unverständlich geworden. Es muß im Texte nemlich heißen ,19"°*; der fehlende Buchstabe hat, wie die Note bemerkt, am meisten Aehnlichkeit mit Hier hätte also der Zufall die Rolle des Correktors übernommen, denn ist