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Der Orient · 1842-11-29 · Heft 49 (29.11.1842) · p. Seite 388

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 49 (29.11.1842)
Date
1842-11-29
Page
Seite 388 (sequence 7)
Language
German
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388 scheinen ihm die Rhein. Zeitung und wohl auch noch andere preußische'Blätter vielen Kummer zu verursachen; kein Wunder/ daß er seinen Unmuth gegen das Judenthum, den althergebrachten bequemen Sündenbock kehrt. Für diesmal genüge ein Beispiel. Die A. A. Z. vom 7. Nov. erzählt nämlich von des Missionärs Joseph Wolff Sendschreiben an die englischen Juden und macht dazu die unermeßlich witzige Bemerkung: „die snamlich die Judenschast in England, Schottland und Irlands jedoch nicht sehr zahlreich ist und in Allem nicht auf 30,000 Seelen erlaufen [?] dürste. Deutschland ist in dieser Hinsicht viel glücklicher."— Die Aufforderung jenes Proselyten hat übrigens den Rabbiner Hirschel nicht mehr am Leben getroffen, der in einem Alter von 82 — 63 Jahren, nach 42jahriger (Andere rechnen, 40jähriger) Amtsführung, zum Theil wohl an den Folgen seines vorjährigen Sturzes aus dem Omnibus starb. Ec soll außer großen extraordinären Einnahmen (Geschenken u. dergl.) 1000 Pfd. jährlich an regelmäßigem Einkommen gehabt, und über 21,000 Pfd. und viele Kostbarkeiten hinterlassen haben. Seme Stelle, heißt es, soll (wenigstens fürs Erste) nicht wieder besetzt werden. Am 5. Nov. (Sonnabends) fand in allen englischen Synagogen eine Trauerfeiec zu seinem Andenken statt. — Gegen die Umtriebe der Missionäre in Ostfrankreich eifert besonders Herr Anspach in Metz in einem trefflichen Büchlein: Worte eines gläubigen Israeliten. Er giebt die Zahl solcher, jene Gegend bereisenden Commis Yoyageurs der Bekehrungsgesellschaften auf 36 an, die sich besonders an den Rhein- und Mosel- Ufern eingenistet haben. — Mit Bezug auf diese Nachricht erhebt sich in der Voss. Zeitung vom 10. Novbr. eine kräftige Stimme (G. F.. ..g) gegen die Proselytenmacherei, deren Ungesetzlichkeit sie nachweist. Sie beleuchtet ferner das Treiben der hebräischen Uebersetzer des neuen Testaments und stellt die Missionare zuletzt mit den Jesuiten zusammen, indem sie auf ihre Begünstigung des Talmuds und auf ihren Kampf gegen die Aufklärung aufmerksam macht. — In der Spen. Zeitung vom 7. Nov. (Beilage) findet sich ein Nekrolog von Bellermann, der aber auf seine literarischen Leistungen, besonders in der orientalischen Literatur, nicht naher eingeht. Das Jtzehoer Wochenblatt vom 11. Oct. beschreibt in einer, Dr. Cohen Unterzeichneten (Korrespondenz, die am 26. und 27. Oct. mit den Kindern der israel. Schule zu Elmshorn nach Ablauf des ersten Halbjahres des Bestehens der Schule abgehaltene öffentliche'Prüfung. Die Kirchenvisitatoren der Probstei Ranzau sprachen sich über das Maaß des in kurzer Zeit Geleisteten sehr günstig aus.. Das Examen der ersten Classe dauerte 9 Stunden, wurde durch eine Rede des Oberlehrers Goldschmidt eröffnet und betraf: Religionslehre (nach Herxheimer), hebräische, deutsche, englische und französische Grammatik, Uebersetzungen aus dem Hebräischen, Englischen und Französischen, Geographie, Weltgeschichte, biblische Geschichte, Naturlehre und Deklamation. Die zweite Klaffe wurde 5 Stunden lang in der Religionslehre, hebräischem Lesen und Uebersetzen, in der deutschen Sprachlehre, im Rechnen und Deutschlesen, in der biblischen Geschichte und in der Geographie geprüft. Den Schluß machten Deklamationsüdungen. — Aus. Glückstadt berichtet das Wandsbecker Jntelligenzblatt in Uebereinstimmung mit andern Provinzialblättern, dev König Christian VIII. habe kürzlich wiederum seinen Entschluß kundgegeben, die Lage der Juden zu verbessern. Außer der neuen Schulordnung wird ein neues Regulativ für die Gemeinden erwartet. Desto trauriger ist eine Schilderung der Lage der Moislinger Juden in einer Correspondenz aus Lübeck im Freischütz vom 12. Novbr. Der Referent nennt Moisling „Klein- Jerusalem im Lübecker Gebiete". Nach der von Dr. Rose 1842 herausgegebenen Lübeckischen Chronik zählte Moisling 1814 nur 61 jüdische Haushaltungen mit 260 Seelen (jetzt ist die Gemeinde, durch die aus Lübeck Vertriebenen vermehrt, aber durch Auswanderung, besonders nach Hamburg, gelichtet, über 450 Köpfe stark). Im Jahre 1701 hatte ein Schutzjude unter der Bedingung der Aufkündigung und daß er nur Pfandleihen und Trödel treibe, in Lübeck Ausnahme gefunden. Mois, ling selbst war bis 1736 holsteinisch, wurde von da an zuerst Privateigenthum Lübecks, bis es 1802 (die Urkunde ward erst 1806 vollzogen) unter die Oberhoheit des Lübecker Senats kam. — Die Damaskusgeschichte kommt neuerdings wieder viel zur Sprache. Die Leidenschaften sind in das Stadium sichtlicher Beschwichtigung eingetreten. Das in der Vorrede zum zweiten Bande des neuen Pitaval enthaltene Gutachten des Prof. Molitor (auch in den Hamb. Lit. u. Krit. Bl. vom 9. Nov. reproducict) sollte gleich dem Votum des Herrn V. Meyer in Franks, a. M. und den im Eingänge dieses Wochenberichtes erwähnten norwegischen und schweizerischen Dokumenten im Orient ln extenso abgedruckt erscheinen. — Auch Cremieux. hat kürzlich von den franz. Juden einen Pokal im Wetthe von 10—12,000 Fr. zum Geschenk erhalten. Tübingen, 17. Nov. Am 30. Oktober d. I. wurde das israel. Waisenhaus in Eßlingen eingeweiht. Bisher wurden die Waisen auf Kosten der schon seit 15 Jahren bestehenden Waisen - Anstalt bei einzelnen Lehrern des Landes erzogen; bei Gelegenheit des vorjährigen Regierungs-Jubiläums des Königs Wilhelm beschlossen aber die jüdischen Gemeinden des Landes, zum Andenken an die segensreiche, 25jährige Negierung seiner Majestät ein Haus zu errichten, in welchem die Waisen gemeinschaftlich und gleichartig erzogen werden sollten. Der Fond hierzu wurde aus den freiwilligen Beitragen der Israeliten aller Gemeinden des ganzen Landes gebildet. Dahin ist daher auch

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