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Der Orient · 1842-11-29 · Heft 49 (29.11.1842) · p. Seite 387

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 49 (29.11.1842)
Date
1842-11-29
Page
Seite 387 (sequence 5)
Language
German
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387 Aber nicht immer ist die „Hoffnung Wahrheit geworden". Wir sind die alten Fcldherrn, unglücklich und doch der Zukunft vertrauend, durch Kummer und herbe Lebenserfahrungen ergraut und doch jugendfnsch, wir muffen noch immer gerüstet dastehen gegen Lug und Trug von außen, wie gegen die Zwietracht im eigenen Feldlager. Aber die Sonne bleibt nicht aus, die Vorsehung lügt nicht, die Hoffnung kann nicht zu Schanden werden. Geht die eine Waagschale in die Höhe, so finkt dafür die andere und wir dürften einst überall nicht „zu leicht erfunden" werden. — Aus Norwegen empfangen wir günstige Zeichen, daß die Macht der Wahrheit und der Duldung, die echte Humanität, immer neue Schaaren in ihren Dienst zieht. Wer hatte vor 5 Jahren auch nur das Geringste zu Gunsten der Juden aus Norwegen zu hören gehofft? Wir hatten uns leider an den Gedankengewöhnen müssen, daß wir von der halbrepublikanischen Monarchie des Nordens uns keines günstigen Ereignisses zu versehen hatten. Und doch! Man höre und urtheile: Bier Bauern, Storthingsmitglieder, haben (nach der L. A. Zeit, vom 7- Nov) eine Adresse an die (nun aufgelöste) Reichs-Versammlung gerichtet, in der sie sich zuvörderst über ihr Votum in Betreff der Wergelandfchen Motion rechtfertigend äußern und dann eine völlige Umgestaltung des wichtigen zweiten Paragraphen des norweg. Grundgesetzes im Allgemeinen d. h. im ganzen Wortlaute und der gesammten Abfassung beantragen. Was es mit diesem §. 2 für eine zum Theil wirklich monströse Bewandtniß habe, ist Ihren Lesern durch einen meiner jüngsten Wochenberichte, in welchem ich die Details der Entstehung jenes Paragraphen nach Brömels Buch über die freie Verfassung Norwegens ausführlich und zusammenhängend mitgetheilt habe (vgl. Orient Nr. 46), wohl noch erinnerlich geblieben. Jetzt haben jene 4 Bauern und Storthingsmänner, O. Walstadt, Staf, O. Soelberg und I. H. Sät er sich dahin erklärt, daß sie, die mit der siegenden Majorität gegen die Aufnahme der Juden gestimmt hätten, damit keinesweges der Meinung huldigten, als sei Wergelands Antrag unbillig und nicht der allgemeinsten Unterstützung werth; sie hätten aber darum dagegen votiren zu müssen geglaubt, weil ihnen nicht eine einseitige, halbe Abänderung des §. 2 tu dem auf die Juden bezüglichen Passus, sondern eine totale Umgestaltung des ganzen Paragraphen als gebieterische Nothwendigkeit erscheine. Man müsse zu dem (1814 durch Zufall ausgelassenen) Ausspruche allgemeiner Religionsfreiheit für alle christlichen Confessi'onen zurückkehren und an denselben auch eine Modifikation der im Betreff der Juden geltenden Bestimmungen anknüpfen. Sie schlagen demnach dem nächsten Storthing eine Abänderung des h. 2 in Form eines Zusatzes vor, geben aber denselben in einer doppelten Recension des Textes und überlassen die Wahl zwischen beiden dem Storthing. Nach ihrem Vorschläge sollte dasselbe folgendermaßen dekretiren: „Als Zusatz zu §. 2 des Grundgesetzes wird (von nun an) bestimmt, daß alle christlichen Religionsfekten überall im Reiche freie Religionsübung genießen sotten, wogegen die Bestimmung, daß die Juden fortwährend vom Zugänge zum Reiche ausgeschlossen werden, außer Kraft gesetzt wird." Außerdem schlagen sie als zweites Amendement, im Falle der Zurückweisung des eben proponirten, vor: „Als Zusatz zu §. 2 des Grundgesetzes wird bestimmt, daß alle Religionssekten überall im Reiche freie Religionsübung genießen sollen, wogegen die Bestimmung, daß die Juden fortwährend vom Eintritt ins Reich ausgeschlossen werden, außer Kraft gesetzt wird". Die Adresse ist datirt: Christiania im Storthing am 15. September 1842, also unmittelbar vor der Auflösung des Storthings übergeben. — Auch in Hamburg scheint die eisige Kruste endlich von den Gemächern weichen zu wollen. Auch hier wie anderwärts liest man jetzt öfters die gerechten Erwartungen der Juden in dm Lokalblättern ausgesprochen. So spricht sich ein Anonymus (mit der Chiffre —rß) nach einer allgemeinen etwas gedehnten Einleitung über die gerechten Anforderungen der Hamb. Juden an den Staat in den Wöchentl. Gemein. Nachrichten vom 9. Nov. aus, ohne jedoch etwas Neues vorzubringen. An demselben Tage enthielten dagegen auch die „Neuen Hamburger Blätter" einen Aufsatz von V. (dem Advokaten Dr. Voigt in Hamburg) gegen die Zudringlichkeit der jüdischen Hausfrau, die dem projektirten Dienstbotenverein das Exklusi'vchristliche nehmen wollte. Falsch ist, was V. in Betreff der Analogie mit englischen religiösen Vereinen vorbringt, doch ist es schon viel, daß er zu seiner Entschuldigung jagt, er habe gegen die Juden nichts gesagt und wolle nichts gegen sie gesagt haben. Auch bei ihm giebt sich die Intoleranz durch die willkürliche Annahme eines sog. christl. Princips, eines angeblich chcistl. Staates und durch seine Abneigung gegen die Nivellicungssucht christlicher und jüdischer Rationalisten (wir drücken es in seinem Sinne aus) kund. — Außerdem enthielt die A. A. Zeitung vom 5. Nov. dieselbe Privatmitcheilung über Hamburg, die ich nach der Voss. Zeitung in meinem vorigen Wochenberichte wiedergegeben, hatte und die augenscheinlich von einem und demselben Referenten für beide Blättern geliefert wurde, nur in der Augsburger in einer ziemlich willkürlichen Verkürzung. So war der jüd. Rechtsgelehrten Hamburgs, besonders Riessers nicht, wie in der Voss. Zeit., gedacht. Freilich kein Wunder bei einer Zeitung, deren Eigenchümer auch das Menzelsche Literaturblatt und die Pflizersche Beilage zum Ausland verlegt. Ueberhaupt scheint Herr von Cotta sammt seinen Myrmidonen seit einiger Zeit den Juden sehr abhold zu sein. Der gute Mann hat nämlich mit Achilles die Aehnlichkeit, daß er, wie jener an der Ferse, besonders an einer Stelle sehr verwundbar ist, nämlich an seinem Geldbeutel. Nun l 49 *

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