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Der Orient · 1842-11-22 · 48 (22.11.1842) · p. Spalte 763-764

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
48 (22.11.1842)
Date
1842-11-22
Page
Spalte 763-764 (sequence 6)
Language
German
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763 Bibel-Exegese. Der Knecht Gottes, von Umbreit. 764 sollen wit ihn auf die Ehrfurcht aufmerksam machen', die selbst ein abgöttischer König dem Propheten Elisa erwiesen?^) — Er wird daraus die Ueberzeugung gewinnen, daß es mit der äußern Stellung der Propheten in Israel eben so wie mit der aller Sittenprediger in allen andern Nationen sich verhielt, daß sie nämlich in Zeiten, in denen rechtsch afsie n e Männer an der Spitze standen, ehrenvoll, in Zeiten hingegen, in denen der Pöbel die Herrschaft führte, sch a m ch - und l e i d e n s v ol l war. Die Wahrheit des hier Gesagten findet auch in der neuern Geschichte ihre Bestätigung. — - Die einzige Stelle, die etwa noch zu Gunsten der Leidens-Theorie zu sprechen schiene, wäre Jes. 53, 1 rc., worauf unser Verf. sich auch viel zu Gute thut; fassen wir aber die betreffende Stelle näher ins Auge, so werden wir eines Bessern belehrt. Wer unsere Stelle in der Ursprache mit Aufmerksamkeit lies't, wird mit uns der Ueberzeugung sein, daß darin von nichts Anderm, als von einem bereits hingeschieden en Frommen die Rede ist. Mag nun dieser, wie Abarbanel behauptet, der König Iosia, oder, wie R. Saadja Gaon will, dem auch Grotius beipflichtet, der Prophet Ieremia sein?); so viel ist gewiß, daß wir es hier nicht mit einer Prophezeiung, sondern mit einer Elegie zu thum haben. Der Verblichene wird besungen als ein durch harte Leiden schwer geprüfter und bewährt gefundener Mann, dessen Lohn nun eine zahlreiche und glückliche Nachkommenschaft und ein rühmliches Andenken bei der Nachwelt ist. Mit intt Ml will nur gesagt sein, daß Gott, der den Leiden nicht abhalf, wohl es so für gut befand, um den Leidenden zu prüfen, Dl DWTDN; da er nun 6) ) to nvy* t^\x ^rrmx nSn ywbm; IDS’l "pn ^XTuM UtüV 2 Reg.'13, 14. —' 7) Augusti in Henke's Magazin 3,iS. 282; Bahrdt, Kleine Bibel. S. 435; Stäudlin, Beiträge zur Erlauter. der bibl. Propheten; u. A. bezeichnen verschiedene Individuen, die in unserer Stelle als Märtyrer besungen werden sollen, stimmen aber darin überein, daß der fraglichen Elegie ein Factum zu Grunde liege. Gesenius meint, daß die Ansicht R.Saadja's die größte Wahrscheinlichkeit für sich habe, da die Situation des Ieremia zur fragt. Eleg. am besten paßt. In der That braucht man nur V. 7 unseres Cap.: ^Il' riDD1? ni$0 mit Ier. 11, 19: tccDD "0N1 HDD1? psi^X zu vergleichen, um die Wahrscheinlichkeit der Saadjanischen Ansicht einzusehen. — Man könnte noch rVDD in Vorschlag bringen, den man beschuldigte, *f?ßl D-nbx "pD D, während die Schrift selbst ihn für unschuldig erklärt. Der Sänger konnte mit Recht sagen: Wyn fwXiD ite, da Alles anfangs den Aussagen der falschen Zeugen Glauben beimaß. Sehr treffend würde dann V. 9 sein: nwy. b]) ♦* 4 nap d^ttux jrpi, da er ja als vermeintlicher Verbrecher hingerichtet wurde. Der Umstand, daß der Prophet- Elia unter den Gewalttharen Ach ab'ö grade die gegen Naboth verübte so streng rügt, berechtigt uns um so mehr zur erwähnten Conjectur. bestanden rfar> ITQ M pDm DTO*- “[MN1 jnr nx'T’, wird ihm eine Nachkommenschaft zu Theil, die lange leben, und durch die der Wille Gottes ausgeführt werden wird. — Sehen wir nun erst, wie unser Verf. sich vergeblich admüht, den 'n -ny zum Stehen zu bringen, indem er ihm stets unter der Hand entschlüpft und bald hinter den Prophet e n st a n d, bald hinter den b e s s e r n Theil des Volkes sich versteckt b), -so müssen wir ihm beipfü'chten, wenn er das' Köster'sche Urtheil über seine Meinung: „bave sontentia obscuritate laborat“, mild findet. Denn sieht er sich einmal genöthigt einzugestehen, daß unter 'rv “Dy bald Prophet, bald Prophetenstand, und bald auch der bessere Theiß des Volkes zu verstehen ist, so sinkt sein Disput zu einem Local-Streit herab, indem es sich nur noch darum handeln kann, wer hier und wer dort unter der fraglichen Benennung zu verstehen sei 8 9J. Dabei hat unser Verf. eine Hauptstelle gänzlich übersehen, nämlich Jes. 42, 18 u. 19. wo es heißt:...... d my to 'di iym O’unnn M “Qy:D nyi — Wir möchten unsern Verf. fragen, ob hier der Messias, oder der Prophetenstand, oder der bessere Th eil des Volkes geweint sei? — Der schwankende Standpunkt, den unser Verf. einnimmt, sein eklektisches Verfahren, um seine vorgefaßte Meinung zu begründen, sind auch nicht geeignet, ein befriedigendes Resultat hervorzubringen. Er will es gern mit Keinem verderben,^ und bemüht sich daher, jedem Interpreten von Ruf in irgend stiner Beziehung Recht zu geben,, ohne aber für die Consequenzen eines solchen Verfahrens verantwortlich sein zu wollen. Er geräth dadurch aus einer Verlegenheit in die. andere, und verwickelt sich in handgreifliche Widersprüche. So verwahrt er sich vor jenem groben Materialismus der Interpretation, wonach die Propheten des A. Ts. die Persönlichkeit des Messias nicht handgreiflich genug verausmalen konnten, und doch geht sein ganzes Streben dahin, die fragliche Persönlichkeit als in der Schr. auf's anschaulichste dargestellt nachzuweisen. Er eifert, gegen modernes Heidenthum,— und doch ist er der rechtgläubigen Ansicht, daß man bei den Propheten keine übernatürlichen und bestimmten Prädiktionen künftiger Begebenheiten finden könne u. d. m. — Es kann uns sonach nicht wundern, daß unser Verf. durch seine in Rede stehende Schrift die sich gestellte 8) Zu dieser Ansicht nimmt unser Verf. seine Zuflucht, wenn er sie auch in ein faltenreiches Gewand zu kleiden sucht. 9) Jedenfalls wird man aber nicht mit unserm Verf. annehmen können, daß Jes. 42 im ersten Gliede des ersten Verses das Volk überhaupt, im zweiten Gliede des sechsten Verses der bessere T h e i l desselben, endlich im letzten Gliede des sechsten Verses der Pr o pH et en stand zu verstehen sei. Die Mühe, die sich unser Verf. in einer Anmerkung giebt, das Unrichtige seiner Interpretation zu verhüllen , ist vergeblich, da der Mantel, den er jener umhängt, durchlöchert ist.

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