Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 48 (22.11.1842)
- Date
- 1842-11-22
- Page
- Spalte 761-762 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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761 Bibel-Exegese. Der Knecht Gottes, von Umbreil. 762 meint unser Vers., sei aus der Bedrängmß und den Leiden des Volkes im Exil hervorgegangen; daselbst hätte sich seine stolze Erwartung in Demuth umgewandelt, so daß es den Gehofften nicht mehr einen Herrscher, sondern einen Knecht Gottes nannte. Unter dem Ausdruck 'n einen persönlichen Messias zu verstehen, glaubt sich aber unser Vers, um so mehr berechtigt, als es sonst höchst auffallend sein müsse, daß gerade in den prophetischen Reden, die mit der freudigsten Begeisterung den harrenden Exulanten das neue Heil im Vaterlande zeigen, die bestimmte Hindeutung auf den Messias, als die persönliche Anregung allerkommenden Herrlichkeit mangele. Man fühle sich daher a priori histo rrsch gedrungen, den in den Trauergesängen der Gefangenschaft wundersam verklungenen Königsnamen in der demüthigen Verborgenheit des hochbedeutend hervorgehobenen Knechtes Gottes exegetisch zu suchen. Dies sei um so leichter zu finden, als aus Ies. 45, 1 deutlich hervorgehe, daß der Name Messias in der Erinnerung der Exulanten sich erhalten. Nur werde er in seiner irdischen und weltlichen Beziehung vom Propheten in der bezeichneten Stelle dem Cyrus, als dem von Gott zur Befreiung Israels berufenen Könige beigelegt; in seiner geistigen Beziehung hingegen werde er Ies. öl, 1 auf den aus dem innern Sündenelende erlösenden Knecht Gottes oder Propheten übertragen. — Indessen hat unser Verf. hierdurch sein eigenes System durchlöchert, denn die Persönlichkeit des Gesalbten erscheint nun in zwei Autoritäten gespaltet: in eine weltliche und eine geistliche. Auch ist die Stelle Ies. 55, 4. auf die unser Vers, zu Gunsten der letztgenannten Autorität sich beruft, keinesweges genügend, da in der angeführten Stelle ausdrücklich von David selbst die Rede ist. Dies ist keinesweges, wie unser Vers, weint, eine unpassende historische Reminiscenz, vielmehr ist die Hinweisung auf die dem David zu Theil gewordenen und so treu bewährten Verheißungen ein wesentlicher Punkt in der betreffenden Rede Gottes. Er ruft die Lernbegierigen zu sich und verheißt ihnen einen ewigen Bund, der dem gleichen soll, den er einst mit David geschlossen, und der sich so treu bewährt hat. Die Vergleichung wird nun lnäher bestimmt mit den Worten *): 'Dl fH „fo wie ich ihn (David) zum Zeugniß der Völker eingesetzt, — zum Fürsten und Gebieter der Nationen gemacht: so wirst auch du unbekannten Völkern gebieten" rc.— Der Rufende ist also Gott selbst, und die, an welche der Ruf ergeht, sind Alle, die nach dem Worte Gottes sich sehnen Doch unser Verf. sicht felbst das Ungenügende seiner bisherigen Beweisführung ein, und erachtet es daher für nöthig, sich noch auf Ezech. 31, 24. 25; 37, 24. 25; Sach. 3, 8; 9, 9. 10 zu berufen', worin er aber nicht glücklicher ist. Denn in den angeführten Stellen ist nur von einem weltlichen Regiment die Rede, das 1) Man vergleiche: Oj) , lM üwb DDwn •OrDjn Ps. IN, 44. — einem Nachkommen David's übertragen werden soll, und wer dieser sei, lesen wir Sach. 4, 7. 8: „""TI riHN iD hWtb brUD", eben so: „ssDi —- Daß der letzgenannte Prophet den Erwarteten als einen "ilfcrHpy Dom \jy beschreibt, zeigt weder, daß dieser ein leidender, noch verachteter Lehrer sein müsse. Unter dem fraglichen Bilde ist lediglich die Bescheidenheit und Friedfertigkeit des neuen weltlichen Herrschers zu verstehen, im Gegensätze zu den frühern stolzen und kriegerischen Regenten. So wird z. B. von Moses gerühmt, er sei ein )jy gewesen, womit aber keinesweges gesagt sein soll (wie Luther fälschlich übersetzt), daß er ein geplagter, oder gar ein verachteter, sondern daß er ein b escheidener und geduldiger Mann gewesen sei, der sich auf seine hohe Würde nie etwas zu Gute gethan, und somit niemals Jemand zur Klage Ursache gegeben 2 3 4 5). Was nun den folgenden Theil des fraglichen Bildes betrifft, so ist es bekannt, daß man sich in Friedenszeiten des Esels, und im Kriege des Rosses zum Reiten bediente. So besingt Debora den Frieden mit den Worten: nrTO ni-lHN DD"), wie sie hinwiederum vom Kriege singt: D)D“Dpy Und erklärt sich ja der Prophet selbst näher, indem er fortfährt: nhw -cm ,ri!or6n ntyp rmü) * * didi nm ’rroni. — Ueberhaupt kann unser Verf. in seiner dogmatischen Befangenheit (trotz dem, daß er uns stets das Gegentheil versichert) sich keinen andern als einen leidenden und verhöhnten Messias denken; ja, er dehnt diese seine Lieblings- Theorie über den ganzen Prophetenstand aus und meint, daß dieser Schmach und Verfolgung nothwendig in sich schloß. — Aber diese Theorie ist auf Sand gebaut; denn daß wir hin und wieder einem verfolgten Propheten begegnen, berechtigt uns noch nicht, Schmach und Verfolgung als vom Prophetenamte unzertrennlich zu denken. Befragen wir die Geschichte selbst, blicken wir auf das Zeitalter I o su a' s, Saul's, Davhd's, Salomo's, Hiskia's u.A., so sehen wir den Propheten in hohen Ehren. Der als Prophet noch unbekannte junge Samuel tritt vor den Hohenpriester Eli hm und verkündet ihm im Ramen Gottes den Untergang seines Hauses, und der R i ch t e r und Gewalthaber in Israel verfolgt den jungen Propheten nicht, sondern in Demuth gebeugt erwiedert er: „Es ist der Ewige, er thue, wie es Ihm gut dünkt." Der hier genannte Prophet tritt ebenso später vor den König Saul hin, ihm verkündend, daß Gott ihn verworfen, — und der niebesieg te Feldherr gesteht reumüthig ein: „Ja, ich habe gesündigt gegen Gott und Dich!" — Sollen wir nun noch unfern Vers, aus jene ewig denkwürdigen Auftritte zwischen David und Nathan/), Hiskia und Jesaja^) verweisen? 2) Vergl. Num. 10, 15. — 3) Vergl. Prov. 21, 31; Ps. 33, 17; 147, 10; Genes. 49, 11 u. v. A. — 4) 2 Sam. 12, 1 rc. - 5) Ies. 39, 3 rc. -