Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 48 (22.11.1842)
- Date
- 1842-11-22
- Page
- Spalte 765-766 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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765 Jüd. Alterchurnskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Bon Dr. Bergson. 766 Aufgabe nicht nur nicht gelöst, sondern dieselbe noch verworrener zurückgelassen, als er sie überkommen. Schließlich können wir nicht umhin, hier noch den Wunsch zu äußern, daß es doch auch israelitischen Gelehrten gefallen möge, den fraglichen Gegenstand einer wissenschaftlichen Erörterung zu unterziehen; vielleicht wird es ihnen (als den dogmatisch Freieren) gelingen, ein befriedigendes Resultat an den Lag zu fördern. K. Jüdische Alterthmrrskrmde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Dom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. Von Dr. Joseph Bergson. (Fortsetzung.) Hierauf sucht Autenrieth die Anciennitat und Priorität der egyptischen Beschneidung vor der israelitischen darzuthun, und die Meinung, als ob die höhern Kasten Egyptens durch das Beispiel Josephs, der bei ihnen viel vermocht hatte, veranlaßt, von den Fremdlingen diesen Gebrauch adoptirt hatten, zu widerlegen, da die Hebräer, als Viehhirten 30) den Egyptern ein Gräuel waren, während bei den Israeliten der umgekehrte Fall statt fand. Autenrieth spricht sodann von dem Vorkommen der Beschneidung bei einzelnen Völkerstämmen in allen Welttheilen, wohin sie weder durch Israeliten, noch durch Egyptier, Aethiopier, Araber oder Türken gelangt sein konnte, und führt hierzu die Belege an, aus Peter Märtyrer), her als genau unterrichteter Zeitgenosse der ersten Entdeckung von Amerika wiederholentlich berichtet, daß die Spanier, als sie zuerst die große mexikanische Halbinsel Jucatan fanden, die Einwohner beschnitten angetroffen hätten; ferner aus Gumila^), der dreißig Jahre an den Ufern des großen Oronocostromes in Südamerika verlebte und bei den heidnischen Salivas-Indianern, vorzüglich denen, die noch in ihren Urwäldern lebten, aber auch bei andern Stämmen von Wilden am Apurafluß die Beschneidung angetroffen habe, weßwegen ec diese Wilden von dm zehn Stämmen Israels abstammen läßt, die Salmanassar in die assyrische Gefangenschaft führte; dann aus Mariner 33), dem zufolge auch auf den mitten in der unermeßlichen Süd- 30) 1 SB. M. 43, 32. 31) Von den Meerhändeln. 1534. Von den jüngst herfundenen Insutn. p. 229. 32) Gumila, Histoire naturelle, civil et geographique de l’Oronoque. 1758. T. I. p. 185. see zerstreuten Inseln bei den kriegerischen und menschenfressenden Einwohnern der Fidschi-Inseln die Beschneidung völlig auf jüdische Weise stattfinde; endlich aus Förster34) und Langsdorf 35), nach denen'sie in Otaheiti und auf den neuen Marquesas-Inseln, auf eine zwar unvollständigere Art, vorgmomnien werde. Frägt man nun, welcher Ursprung dieser bei so verschiedenen Völkerschaften vorkommenden Beschneidung nach Autenrieth zugestanden werden soll, so ist es nicht der spmtualistischreligiöse, wie ihn die Kirchenvater lehrten, noch der diätetisch-physiologische, den mit Philo viele Neuere angenommen haben, noch auch der national-politische, wie ihn namentlich Michaelis geltend machte, noch endlich der expiatorisch-dämonologifche von Meiners, sondern ein rein strategischer. Autenrieth findet nämlich, daß bei allen Völkern, denen die Beschneidung zukommt, als gemeinschaftliches Moment, das kriegerische hervortrete. Alle beschnittenen Völker waren ausgezeichnete ihrer Umgebung Schrecken und Angst verursachende, durch ihre Tapferkeit ihren Nachbarn weit überlegene Krieger, die in der Beschneidung ein Mittel hatten, sich als Krieger zu bezeichnen, um sich von ihren unkriegerischen Nebenmenschen, die unbeschnittm blieben, zu unterscheiden. Die Beschneidung war, bei dem Mangel an andern Auszeichnungsmitteln bei wilden und halbnackten Völkern, gleichsam eine militärische Decoration, ein Abzeichen, eine Uniform für die Kriegerklasse. So barok diese Ansicht beim ersten Blick erscheint, so wird sie doch von Autenrieth auf geistreiche Weise dargestellt und durch historische und ethnographische Belege zum Theil erwiesen. Um zuvörderst darzuthun, daß die Beschneidung bei den Egyptern, als ein besonderer Vorzug ausschließlich für die Kriegerkaste bestimmt war, bringt er aus Herodot und Diodor 36) einige Beispiele vor, die darauf Hinweisen, daß für die egyptischen Krieger die Beschneidung ein Ehrenvorzug gewesen sei, denn hierauf bezieht sich der Umstand, daß die zweimal hunderttausend Mann egyptischer Nationaltruppen, die sich durch den Vorzug, den Psammetichus den fremden Miethsoldaten gab, gekränkt fühlten und welche von ihm abfallend nach Aethiopien zogen, ihre Geschlechtstheile entblößten, als er sie auf ihrem Zuge eingeholt hatte, während sie zugleich Psammetichus drohend zufchrieen und mit ihren Speeren auf die Schilde schlugen. Ein so sonderbarer Ehrenvorzug, als der des altegyptischen Kriegers, muß aber einen bestimmten auf das ganze Verhältniß jenes Standes in den damaligen 33) Mariner, Ueber die Tonga-Inseln in der Südsee. 1819. 20. Bd. p. 505. 34) und 35) Bemerkungen auf der Reise um die Welt, Berlin 1783 und Frankfurt 1813. 1 Bd. p. 213. 36) üerodot Lib. IJ. eap. 30. Diodor. I. c. Psammctichus.