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Der Orient · 1842-11-22 · 48 (22.11.1842) · p. Spalte 755-756

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
48 (22.11.1842)
Date
1842-11-22
Page
Spalte 755-756 (sequence 2)
Language
German
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756 755 Volksliteratur. Das Buch von den sieben Weisen, übersetzt von Sengelmann. er ohne Grund den Hund getödtet hatte; es '.reute ihn, > aber es half ihm nicht." Nach dem griechischen Text: „Es war einmal ein Kriegsmann, der bei dem Könige und den ihm untergeordneten Fürsten sehr beliebt und mit ihnen vertraut mar .wegen seines Edelmuths und seiner Tapferkeit. Dieser Kriegsmann hatte sich einen Hund aufgezogen, der Alles thar, was er ihm befahl, als hätte er Verstand; daher zog er den Hund auch mit großer Liebe auf. Eines Tages nun ging des Mannes Gemahlin zu ihren Eltern und ließ ihr kleines Kind bei seinem Vater zurück, mit der Weisung in Betreff des Kindes, er solle auf dasselbe sehen und Acht haben; denn sie sprach zu ihrem -Männer „Ich werde .mich nicht lange .aufhalten; ich Lomme gleich wieder." So sprach sie, legte das Kind zum Schlafen hin und ging fort. Während nun der Mann zu Hause saß und das Kindlein schlief, kam plötzlich einer von des Königs Kriegsleuten; auf sein Anklopfen kam der Mann heraus, und als er sah, daß es ein vom König Abgeschickter sei, sprach er zu ihm: „Was willst du?" Dieser antwortete: „Der König ruft Dich!" Auf dieses Wort legte der Kriegsmann alsbald seine Rüstung an, hängte sein Schwert um, rief dem Hunde und befahl ihm, das Haus und das Kindlein zu bewachen und Keinen ins Haus kommen zu Lassen. Nachdem der Kriegsmann dem Hunde diesen Befehl gegeben, ging er zum Palaste. Während nun der Hund bei dem Kinde lag, und das Kindlein schlief, sieht der Hund eine überaus große Schlange auf das Kind zukommen, die nach dessen Blut dürstete. Sogleich springt der Hund auf, beginnt einen Kampf wider die Schlange, biß und tödtete sie. Um dieselbe Stunde kam auch der Kriegsmann; und der Hund ging vor Freuden ihm entgegen. Als aber'der Kriegsmann das Maul des Hundes vom Blute befleckt sah, muthmaßte er, der Hund habe das Kind verzehrt, ergriff sein Schwert und durchbohrte . ihn mit demselben. Dann, als er nach Hause gekommen war, siehr er sein Kind unbeschädigt schlafen, er erblickt auch die getödtete Schlange zu des Kindes Häupten liegend, und sogleich erkannte er, daß der Hund die Schlange getödtet habe. Es schmerzte ihn bitterlich, daß er ohne Grund einen solchen Hund getödtet hatte; aber weder dem Hunde konnte die Reue seines Herrn Etwas nützen, noch konnte der Kriegsmann mit seiner Trauer und Reue seinen Hund wieder auferwecken u. s. w." Auch darin zeichnet der Hebräer sich vor dem Griechen aus, daß er mit größerem sittlichen Ernste erzählt; denn der Letztere wird durch seinen Hang zur Weitschweifigkeit bisweilen verführt, auch in Darstellung üppiger Scenen breiter zu sein, als nothwendig und mit dem Anstande verträglich ist, wie dies namentlich in der Geschichte vom Bademeister und dem Königssohne zum Vorschein kommt, die, um bei einem größeren Publikum keinen Anstoß zu erregen, in lateinischer Uebersetzung beigegeben wurde. In dieser Beziehung hat der jbers etzer sich erlaubt , bisweilen abzukürzen , und er glaubt diese Freiheit, die er sich genommen hat, nicht weiter zu >vertheidigen zu brauchen. Sollte aber Jemand, weil vielleicht in dieser oder jener Erzählung ein etwas anstößiger Charakter hervortritt, der Meinung sein, als wäre deßhalb eine Mederauffrischung dieses durch sein Alter *) bedeutenden WerkchensNnzweckniäßig, so unterschreibt-er L e ss i n g s Worte: „Wenn ich unter den mir anvertrauten Schätzen Etwas finde, von dem ich glaube, daß es nicht bekannt ist, so zeige ich es an und bin ganz gleichgültig dabei, ob es dem Einen frommt oder dem Anderen schadet. — Nützlich und verderblich sind eben so relative Begriffe, als groß und klein." — Was die Form der obigen Schrift anbetrifft, so erscheint der Vergleichung halber die Uebersetzung aus dem Hebräischen mit der aus dem Griechischen verbunden; am Schluffe stehen einige Anmerkungen, die nur das zum Textverstandmffe Nothwendigste enthalten; alle kritischen Bemerkungen dagegen über den hebräischen Text, der noch sehr corrupt ist, hat sich der Herausgeber für eine Ausgabe desselben aufgespart, die er in einer hebräischen Anthologie zu geben gedenkt. Zu Anfang ist in einer „literarhistorische Vorbemerkungen" überschriebenen Abhandlung Alles gegeben, was über die Geschichte dieses Volksbuchs im Oriente mitgetheilt werden konnte. Will man nun die Schicksale, welche dieser Volksroman im Abendlande hatte, weiter verfolgen', so schließt sich an diese Mittheilungen sehr passend an, was Keller vor seinem Buche Le Roman des #sept sages nach der Pariser Handschrift, herausgegeben u. s. w. Tübingen 1836 und als Ergänzung hierzu vor seiner Ausgabe von Diocletianus Leben von Hans von Bühel. Quedlinb. und Leipzig 1841 in diesem Betreff zusammengestellt hat. Die Uebersetzung selbst ist möglichst wörtlich, weshalb auch namentlich bei der Uebersetzung aus dem Hebräischen darauf gesehen ist, daß das fast biblische Colorit des Originals auch im Deutschen durchblicke. Das Büchlein wird gewiß diesep Anordnung wegen nicht blos dem engen Kreise der Orientalisten, sondern auch allen Freunden der Volksliteratur lieb und willkommen sein. * * * *) Es ist gezeigt worden, daß dieses Buch jüdischen Ursprungs sei, wie die meisten der unter dem Namen der Lassend und Einen Nacht bekannten Erzählungen; gewiß ist es aber nicht uninteressant, eine davon abweichende Ansicht eines großen Philosophen zu hören. Mit Bezug auf die 1001 Nacht sagt nämlich Hegel (Philos. der Gesch. p, 268): „Wenn gleich dieselben zum Ort der Erzählung Bagdad haben, so ist der Ursprung doch eben so wenig allein an diesem üppigen Hof, als nur bei den Arabern zu finden, sondern vielmehr auch in Egypten, wie auch Herr von Hammer meint. Die Welt der Araber ist eine ganz andere, als diese Phantasterei und Zauberei; sie hat viel einfachere Leidenschaften und Interessen: Liebe, Kriegsmuth, das Pferd, das Schwert sind die Gegenstände in ihren eigenthümlichen Liedern." Anm. des Referenten.

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