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Der Orient · 1842-11-22 · Heft 48 (22.11.1842) · p. Seite 382

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 48 (22.11.1842)
Date
1842-11-22
Page
Seite 382 (sequence 11)
Language
German
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382 Krankenhause, Hr. Dc. Gerson, ist nun, nachdem die definitive Wahl auf einen Christen gefallen (Hr. Dr. Gerson hatte an der Bewerbung keinen Theil genommen), nur noch Mitglied des Gesundheitsraths geblieben, will aber auch diese Funktion niedeclegen. — Von den beiden neugewahlten Gemeindevorstehern ist der Eine, Herr Joel von Halle, kürzlich installirt worden, der Andere, Hr. Samuel Levy, schon früher einmal Vorsteher, und jetzt zum Remplaeant des verst. Isaak Hartvig erkoren, hat bis jetzt die Wahl abgelehnt. — Auch die Stelle eines Mitdirektors (Mitgliedes der Direktion) der isr. Freischule, gleichfalls ein Ehrenamt, ist noch erledigt. — Beim Schulwesen angelangt, müssen wir einer neuen im Herzogthum Sachsen Meiningen-Hildburghausen erlassenen Verfügung gedenken. Das Frankfurter (deutsche) Journal meldet nämlich aus Meiningen (im Oct.), das herzogl. Consistorium zu Hildbucghausen habe am 1. Oct. die unterm 27. Juli (man denke, wenn man will, an die Juliordonanzen von 1830!) getroffene Verfügung publicirt, daß die jüd. Schüler in den christl. Schulen fortan auch am Sonnabende schreiben sollten. Der provisorische Landrabbiner habe erklärt, die bisherige Weigerung der Eltern, ihren Kindern diese (hakige Theilnahme am Unterrichte wahrend des Sabbats zu erlauben, beruhe auf einer einseitigen Auslegung religiöser Satzungen. Die Eltern werden nun vom Consistorium ermahnt, deßhalb den Kindern die Wohlthat des christl. Schulunterrichts nicht zu entziehen, und zugleich wird (von Seiten des Berichterstatters im Franks. Journal) die Aufforderung an jenen Landesrabbiner erlassen, seine Erklärung zu Nutz und Frommen der nicht-meiningschen Juden zu veröffentlichen 5). — Was doch ein meiningfchex Landrabbiner nicht Alles meint und erlaubt und obererem ein provisorischer. Hat der gute Mann wohl trtvs Voraus bed acht, welch bittere Früchte sein Votum tragen kann? Ich bin ein Laie, mir steht also kein Urtheil über die theologischen Motive zu, die er zu seinen Gunsten anführen kann; aber ich glaube, daß hier ein Eingriff in die Gewissensfreiheit konstatict ist und unzweifelhaft vorliegt. Hat man denn in Sachsen-Meiningen gar nichts von dem traurigen Streite vernommen, der vor einigen Jahren in Breslau über dieselbe Angelegenheit in öffentlichen Blättern geführt wurde? Sollte es von irgend einer Seite her gewünscht werden, so bin ich erbötig, noch einmal auf jene Debatte zurückzukommen. Für diesmal genüge es, darauf aufmersam zu wachen, daß es Gottlob in Israel keinem Landrabbiner zusteht, nach Gefallen „zu binden und zu lösen." 5) Herzog Bernhard von Sachsen - Meiningen hat vor Kurzem den isr. Rechtskandidaten David Michaelis in Hildburghausen als Auditeur bei dem Oberlandesgerichte Eisfeld angestellr. — Jener Landrabbiner scheint mir seine Stellung durchaus zu verkennen, und sich eine-allzu discretionare Gewalt anzumaßen. — Auch hier ist die allzugroße Geschmeidigkeit am Unrechten Platze. — Nicht minder als dies Verfahren verdient es strengen Tadel, wenn ein Christ einem Juden und dem Judenthume so niedrig schmeichelt, wie es der vielschreibende Ladislaus Tarnowski in der poetischen Dedikation seines geschichtlichen EmancipationsromanS aus dem Morgenlande. „Die Makkabäer" (2 Bde. 1842), an den Freiherrn Anselm von Rothschild thut. Ware es nicht, wie zu vermuthen steht, auf baaren Ernst abgesehen, wir würden die Apotheose der Vaterlandsliebe gegenüber der Plutokratie unserer Zeit für eine Satyre halten. — Ich bin, fast unwillkürlich, bitter geworden. Gegen das weitere Umsichgreifen dieser Stimmung giebt es kein besseres Mittel als das „memento mori.“ So erinnere ich denn an das vor wenigen Tagen erfolgte Ableben des Londoner Obercabbiners (OMI rabbi), Rabbi Salomon Hicschel, der im 82. Lebensjahre aus dem irdischen Dasein schied, dessen letzter Rest ihm noch durch manchen Zwist verbittert wurde, dem er vielleicht theilweise hatte Vorbeugen können. Widrig ist es, daß fast gleichzeitig der Missionar Joseph Wolff, ein bekannter vielgereister Proselyt und Proselytenmacher, jetzt Geistlicher in der Grafschaft Jork,.die engl. Juden vor der Westsynagoge warnt und zum Verharren in der Orthodoxie mahnt, wahrscheinlich, weil er so besser zum Ziele zu kommen sich einbildet. — Einen andern Todesfall zeigt die Preuß. Staatsz. vom 3 Nov. (aus Prag vom 26. Oct.) an. Am 26. Oct. fand nämlich in Prag das feieriiche Leichenbegangniß des Fabrikanten L. Jerusalem Edlen von Salemfels statt, der als Direktionsmitglied des böhmischen Gewecbevereins die Berichterstattung über die große diesjährige Industrie-Ausstellung zu Mainz übernommen hatte, aber in Mainz erkrankt, und nach dreiwöchentlicher Krankheit gestorben war. Seine Leiche kam am 25. Oct. aus Mainz in Prag an. Er war ein Vater der Armen, nicht blos der israelitischen. — Ueber sein Testament wird der „Orient" wvhi aus Prag selbst dae Nähere bringen. — Etwaige auswärtige Verwandte des verst. Herrn Hertz in Hannover mögen die Mittheilung im Hamb. Corresp. vom 1. Nov. beachten, der zufolge in der Herrschen wohltätigen Familienstiftung in. Hannover ein Brautschatz von 300 Thlr. Gold unter den dort naher angegebenen Bedingungen vergeben werden soll. Hildburgharrserr, im Oct. Die sonst so humane und tolerante Regierung unseres Herzogthums hat in den Regierungsblättern vom 1. dieses Monats eine Verfügung veröffentlicht, die jedem Freunde der religiösen Duldung und Gewissensfreiheit wahrhaft betrüben mußte, nämlich daß die jüdischen Zöglinge zum Schreiben am Sabbat in den öffentlichen Anstalten veranlaßt werden. Wie man hier allgemein glaubt, wäre

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